Wofür Du Dich nicht entschuldigen musst

Wofür Du Dich nicht entschuldigen musst

Es gibt Menschen, die sind schnell dabei, sich für alles und jedes zu entschuldigen und um Verzeihung zu bitten. Manchmal kann man es sogar erleben, dass auch ohne irgendein Wort ein “Sorry” oder “Entschuldigung” im Raum ist. Natürlich ist es gut, wenn man sich für eine Sache entschuldigt, die nicht in Ordnung ist und war. Vielleicht hast Du gelogen, hast Dich nicht anständig verhalten oder hast etwas Wichtiges vergessen. Ohne, dass wir uns entschuldigen, kann keine Beziehung bestehen, weil es immer wieder vorkommen kann und wird, dass Du Fehler machst. Doch solltest Du Dich davor hüten, Dich für zu viel zu entschuldigen. Nicht für alles, was andere nicht mögen, ist es wert um Entschuldigung zu bitten. Und damit Du eine Orientierung hast, will ich Dir hier ein paar Beispiele geben, wofür Du Dich nicht entschuldigen musst.

Du musst Dich nicht für Deine Gefühle und Deine Gedanken entschuldigen

Soweit kommt es auch noch, dass Du Deine Gefühle und dann Deine Gedanken kontrollierst. Du darfst fühlen und denken was Du willst und Du musst niemandem davon erzählen. Deine Gedanken gehören Dir und Deine Gefühle ohnehin. Wenn wir nicht mehr fühlen dürfen, was an Gefühlen in uns entsteht, dann können wir nicht mehr Ich sein, dann gibt es keinen Weg mehr, sich selber zu finden. Denn die harte Kontrolle von Gefühlen wird Dich immer von Dir selber entfremden. Und das finde ich so das schlimmste, was einem im Leben passieren kann. Denke und fühle was Du willst und was in Dir entsteht. das heißt nicht, dass Du alles machen darfst, was Du denkst oder fühlst. An die Stelle gehört natürlich eine gute Kontrolle.

Du musst Dich nicht entschuldigen, wenn Du Deine Grenzen schützt

Jede und jeder hat das Recht, die eigenen Grenzen zu schützen und ich würde sogar sagen: Du hast die Pflicht das zu tun. Das werden nicht alle großartig finden und Dich dafür beglückwünschen. Aber das ist egal, es ist und bleibt Dein ureigenes Recht das zu tun. Du hast nämlich ein Recht auf persönliche und körperliche Unversehrtheit und Integrität. Damit diese gewahrt bleibt, darfst Du dich schützen. Und das heißt: nein sagen, weggehen, zurückweisen, zurückdrängen und was auch immer nötig dafür ist. Du darfst es tun. Und auch dann, wenn Deine Art Grenzen zu setzen vielleicht nicht zu den ausgewogensten und überlegtesten Taten gehören. Mag sein, dass Du noch einiges verbessern kannst. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Du Dich schützen darfst. Eventuell kann dann eine Entschuldigung für den Stil oder die Heftigkeit angesagt sein, nicht aber dafür, dass Du Dich geschützt hast.

Du musst Dich nicht für Zeiten des Nichtstuns entschuldigen

Wir alle brauchen Zeiten der Muße und des Nichtstuns. Eine Arbeitsethik, die von uns immer fordert, aktiv zu sein, sich zu engagieren und zu arbeiten, macht uns kaputt. Außerdem ist das Ruhebedürfnis sehr unterschiedlich ausgeprägt. Wie das auch immer bei Dir sein mag, Du hast das Recht auf Nichtstun, darauf, einfach auf einem Stuhl zu sitzen, nichts zu tun und warten, bis es Abend wird. Warum auch nicht?

Du musst Dich nicht für Deine Wünsche entschuldigen

Wünsche sind Wünsche, sind keine Befehle und keine Erwartungen, sonst wären sie keine Wünsche. Du darfst Dir alles wünschen, Du darfst nur nicht alles erwarten. Das ist ein wichtiger Unterschied, den Du unbedingt beachten solltest. Wünschen lässt es dem anderen frei, ob er das erfüllt oder nicht, Erwartungen sind da ganz anders. Denn es gilt umgekehrt auch: Niemand muss Dir Deine Wünsche erfüllen. Ein Wunsch ist eine freie Begegnung. Meiner Erfahrung nach werden übrigens Wünsche viel eher erfüllt, wenn sie ohne Erwartung geäußert werden, gerade, weil der andere sich frei fühlt und dadurch viel lieber gibt und schenkt.

Du musst Dich nicht entschuldigen, Gewohnheiten zu hinterfragen

Eine typische Art zu hinterfragen ist die Frage, die mit Warum anfängt: Warum machst Du das? Wenn es sich nur um Gewohnheiten handelt, wird es darauf meistens keine Antwort gegeben, was für belanglose Dinge ja auch okay ist. Doch wenn es Deine Interessen und Dein Leben angeht, dann handelt es sich nicht um etwas Belangloses. Deshalb darfst Du nachfragen, damit Du besser verstehst oder deutlich machst, dass das Verhalten des anderen inadäquat ist. Ein Leben mit sehr vielen Gewohnheiten, die nicht hinterfragt werden, droht abzusterben. Und genau das muss verhindert werden: Dein Job!

Du musst Dich nicht für Deine Trauer entschuldigen

Vielleicht kennst du das. Da hat jemand einen Menschen verloren und nachdem die Trauer auch nach einem halben Jahr noch nicht vorbei ist, fangen die ersten an zu sagen: Du musst auch mal loslassen oder: irgendwann ist auch mal gut. Und ich sage: nein! Es ist deine Trauer und jede Trauer ist anders und hat unterschiedliche zeitliche Räume. Du darfst jahrelang trauern, wenn Du das okay findest. Wenn es Dir zu lange dauert, dann hole Dir Hilfe. Natürlich kann es sein, dass sich andere von Dir zurückziehen. Das tun viele Menschen ohnehin, wenn im Bekanntenkreis jemand jemanden verloren hat, weil sie mit Trauer nicht umgehen können. Aber bei allem gilt: es ist Deine Trauer und Trauer kann man nicht beschleunigen. Wenn Du in der Trauer wach bist, wenn Du über Monate nicht nur gelähmt bist, sondern aktiv Dein Leben wieder beginnst zu gestalten, dann ist erstmal alles okay. Entscheidend ist, dass Du Dich nicht unter Druck setzen lässt, dass Du schneller mit deiner Trauer “durch” bist. Lass Dir die Zeit, die Du brauchst. Ich habe schon einige durch Trauerprozesse begleitet, es ist immer schwer und es dauert immer. Aber meistens zeigt sich irgendwann das Licht, das dann zum Weggeleit für die nächste Zeit wird und Dir hilft, neue Perspektiven zu entwickeln.

Bitte, denke also darüber nach, bevor Du Dich schuldig fühlst und dich entschuldigst. Auch wenn Du Dich schuldig fühlst, heißt es noch lange nicht, dass Du auch schuldig bist. Deine Gedanken haben nicht immer Recht!
Bis bald,

DAVID