Die 5 Arten, spirituell zu sein

Es gibt viele Arten, spirituell zu leben. Wenn ich in einer Buchhandlung zur Abteilung Religion und Spiritualität gehe, dann kann ich mich von der Vielzahl der möglichen Wege schnell überzeugen. Nicht nur die Weltreligionen bieten eine Fülle, sondern jede in sich hat verschiedene Ausprägungen. Noch vielschichtiger und bunter wird es in dem Bereich, der herkömmlich Esoterik genannt wird. Hier findest Du eine noch größere Fülle von Spiritualitäten: Geomantie, The Work, Yoga, Hermetik, Mystik, Tarot… und vieles andere mehr.

Ich glaube aber, dass es hinter der Vielzahl letztlich vier Arten gibt, spirituell zu leben und das hat etwas mit unserem Gehirn zu tun. Unser Gehirn ist einerseits ein vielschichtiges System, ja, ein Kosmos von Arealen, Bereichen, Verbindungen und Schichten. Dennoch lassen sich für eine psychologische Betrachtungsweise vier Makrosysteme unterscheiden. Diese vier Bereiche sind Grundlage unseres Denkens, unseres Handelns, unserer Bewertung und Ziele.
Egal, was Du tust, was Du willst, wenn Du morgens keine Lust hast aufzustehen oder wenn Du ganz begeistert bist – Du wirst immer auf einen dieser vier Bereiche zurückgreifen. Und nicht anders verhält es sich mit unserer Spiritualität.
Dabei hat jeder bestimmte Stärken und Vorlieben – der eine ist besser und stärker in dem und die andere in jenem Bereich. So ergeben sich Variationen und Möglichkeiten und auch Fallen. Und natürlich ist es so, dass niemand nirgendwo zu Hause ist. Jeder bedient in irgendeiner Form alle Bereiche.
Oder um es anders zu sagen: Es gibt nicht nur mindestens vier Arten, spirituell zu sein, sondern auch vier Arten, seinen Beruf auszuüben, ja, auszuwählen, Kinder zu erziehen, Einkäufe zu erledigen, Urlaub zu planen und die Zeitung zu lesen.

Aber kommen wir zurück zur Spiritualität.
Vier Arten der Spiritualität und jede ist in irgendeiner Art und Weise die Deine und eine von diesen vier ist bei Dir besonders ausgeprägt.
Doch tatsächlich gibt es allgemeine Schwerpunkte, die sich für jeden und jede empfehlen. Ich werde am Ende davon berichten.

Die gedachte Spiritualität

Ein großer und wichtiger Bereich in unserem Gehirn ist der Logik gewidmet – es ist der Bereich, der hinter unserem linken Auge sitzt. Dort ist auch das Sprachvermögen angesiedelt.
Wer mit diesem Teil hauptsächlich spirituell lebt, der wird vor allem darauf achten, dass es logisch zugeht. Er oder sie wird viel lesen, es wird eine Fülle von Büchern geben und von sehr abstrakten Begriffen und Konzepten, die alle sehr mental sind, also sehr vergeistigt.
Das Wort spielt eine große Rolle und vor allem braucht er viel Zeit, denn dieser Teil des Gehirns kann nur sequenziell denken, also nacheinander. Und wenn es so viel Stoff zu studieren gibt, dann braucht es entsprechend lange, bis man den Kerngedanken erfasst hat.
Diese Spiritualität ist eher nüchtern und sachlich.
Ken Wilber fällt mir dazu ein, Thomas von Aquin, Karl Rahner – ich kenne keinen persönlich und daher ist es schwierig, sie einem System zuzuordnen. Aber gerade ihre Werke werden von Menschen bevorzugt, die eine denkende Spiritualität haben.

Die bewertende Spiritualität

Es gibt einen anderen Teil in unserem Gehirn, auch im linken Teil, diesmal ganz hinten, dort geht es vor allem um Bewertung. Eine wichtige Funktion besteht darin, sich auf bestimmte Objekte fokussieren zu können. Man könnte sagen, dass man mit diesem Teil unseres Gehirns die Nadel im Heuhaufen finden kann.
Wer mit diesem Teil des Gehirns spirituell lebt, der wird vor allem in Gut und Böse denken, der oder die wird schnell etwas Negatives ausmachen und erkennen. Vielleicht neigen solche Menschen auch besonders zu Weltuntergangsideen.
In kirchlichen Kreisen sind solche Menschen anzutreffen und auch in Sekten, wo es darum geht, eine bestimmte Glaubenswahrheit zu verteidigen und darauf zu achten, dass alle das Gleiche und Richtige glauben. Dafür braucht man Menschen mit einer stark bewertenden Spiritualität.
Wer aus diesem Teil seines Gehirns lebt, der wird vor allem eine negative innere Stimmung haben – wahrlich keine fröhlichen Menschen.
Menschen in diesem Bereich lieben konkrete Anleitungen, die unbedingt eingehalten werden müssen. Was geschrieben ist, ist geschrieben und muss unbedingt durchgeführt werden.

Die spielende Spiritualität

Ganz anders verhält es sich mit der dritten Form, der spielenden Spiritualität. Hier wird die rechte Gehirnhälfte ganz hinten aktiviert. Hier geht alles ganz leicht, ja, automatisch, easy. Hier hat man wenig Mühe, es geht einfach, funktioniert und es macht auch noch ungeheuer viel Spaß.
Viele so genannte Esoterische Schulen sind hier angesiedelt. Erleuchtung an einem Wochenende. Wunder wirken in einer Stunde. Verändere Dein Leben in nur einer Minute. Das sind Überschriften, die zu dieser Art der Spiritualität passen. Du merkst, hier herrscht eine ganz positive Stimmung.

Die tiefe Spiritualität

Wir kommen nun zum letzten Teil des Gehirns, der in unserem Zusammenhang wichtig ist. Hier geht es um Tiefe. Dieser Teil ist hinter unserem rechten Auge ganz vorne. Und hier ist unsere Lebensgeschichte gespeichert, hier wird aus all den Sequenzen meines Lebens eine Biografie erarbeitet. Dieser Teil ist auch am stärksten mit unserem Körper verbunden und unsere Intuition ist hier zu Hause.
Menschen, die ihre Spiritualität vor allem aus diesem Teil des Gehirns gestalten, sind eher auf einem mystischen Weg, machen Yoga oder Tai Chi natürlich nicht zur körperlichen Ertüchtigung. Für sie sind diese Formen Teile ihrer Spiritualität, weil sie dadurch Zugang zu ihrem wahren Selbst bekommen. Hier ist eine gedämpfte positive Stimmung vorhanden – nicht mehr so Happy wie in der spielenden Spiritualität, aber doch froh.
Hier sind Menschen zu Hause, die sich nicht mehr so leicht in äußere Systeme einbinden lassen – nicht in Schulen, Kirchen und Gruppe. Sie gehen einen individuellen Weg.

Nun könnte man meinen, dass hier der beste Ort für Spiritualität, für Mystik ist, nicht wahr?
Das ist auch nicht ganz so falsch.
Doch meiner Meinung nach – Du ahnst es vielleicht – ist es das Beste, wenn unsere Spiritualität alle vier Bereiche umfasst.
Und das ist dann die fünfte Form:

Die integrative Spiritualität

Hier wird das ganze Makrosystem bedacht. Beheimatet ist die Spiritualität sicherlich am besten in dem, was ich tiefe Spiritualität nenne. Doch derjenige wird ebenfalls Bücher lesen, es wird wichtig sein, dass das Gedankenkonzept dahinter logisch und nachvollziehbar ist. Außerdem geht es auch darum, sich selber immer wieder zu hinterfragen und zu bewerten. Bin ich noch auf einen guten Weg? Ist das, was ich tue, richtig?
Wo kann ich mich verbessern? Wer an sich arbeiten will, muss auch eine Zeit lang eine negative Stimmung aushalten können. Wer diese Stimmung stets meidet läuft Gefahr, sich nicht mehr weiter zu entwickeln. Weiterentwicklung geschieht immer über negative innere Stimmungen, die ich innerlich verarbeite und einordne.

Schließlich gehört es zu einer Spiritualität auch dazu, dass etwas getan wird und sei es Yoga, Meditation, Gebet – es muss einfach getan werden. Wer immer lange darüber nachdenkt, wird irgendwann aufhören. Daher braucht Spiritualität in dieser Hinsicht auch das Spielerische.
Das nenne ich integrative Spiritualität, weil ich mein ganzes Potential nutze, um spirituell zu leben und alle Bereiche des Makrosystems integriere.
Einseitigkeiten sind in der Regel, das ist meine Meinung, schlecht.

DAVID