Der Handel mit Gott

Handel mit Gott

Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, dazu die Schafe und Rinder; das Geld der Wechsler schüttete er aus, und ihre Tische stieß er um. Joh 2,15

Ich möchte mit diesem Artikel eine Reihe beginnen, um die Geschichten der Evangelien spirituell zu betrachten und damit für Dich nutzbar zu machen. Wir kennen die Geschichten zum großen Teil alle und haben eine gewisse Hörgewohnheit entwickelt. Es reichen oft die ersten drei bis vier Worte und wir wissen was kommt. So haben wir auch eine gewisse Gewohnheit die Geschichten zu verstehen.
Daher sagen sie uns oft nichts mehr, sind langweilig und irgendwie abgelaufen – wie ein alter Schuh.
So auch unsere heutige Geschichte. Jesus kommt in den Tempel von Jerusalem und treibt die Händler aus dem Tempel, die dort die Opfergaben verkaufen, die die Leute für die Opferung benötigen.
Es war nicht nur eine schöne Geldeinnahme für die Hohen Priester, die daran mitverdienten. Es war auch eine Hilfe für die Menschen, die zur Opferung gekommen sind. Was ist daran also auszusetzen, um es dann hinauszuwerfen?

Botschaft für Dein Leben

Man kann diesen Text nun ganz unterschiedliche verstehen – wie alle anderen Texte in der Bibel ebenso. Textkritisch, historisch, theologisch – das alles sind interessante und gute Wege – wir gehen hier einen anderen Weg und ich möchte versuchen, Dir diesen Text spirituell zu erschließen.
Denn dann geht es nicht nur um Kaufleute im Tempel und die Hohen Priester, dann geht es um Dich und der Text hat eine Botschaft für Dein Leben und Werden.

Gott ist unwillkürlich

In dieser Geschichte sind natürlich die Kaufleute von Interesse. Sie machen ein gutes Geschäft im Tempel und betreiben das, was Kaufleute tun: Handel. Und damit sind wir im Grunde auch schon zum Kernpunkt gekommen. Denn worum es geht ist folgendes: Es geht darum, mit Gott einen Handel zu machen, mit Gott so umzugehen, als wäre er ein Geschäftspartner.
Ich gebe Dir das, dafür gibst Du mir das.
Das kommt sehr oft vor und auch ich kenne diese Tendenz – Gott beeinflussen zu wollen, ihn zu einem Geschäft zu drängen, auf das er sich einlassen möge, damit ich das bekomme, was ich will.
Sehr oft wird das Beten so aufgefasst. Wer viel und oft betet, erhofft sich nicht selten die Gunst Gottes. Oder wer viel meditiert, erhofft sich eine wunderbare Erleuchtung oder die ständige Gegenwart Gottes im Leben.
Andere geben Geld und erhoffen sich die Gunst Gottes oder des Schicksals.
Ja, es gibt Menschen, die verzichten in ihrem Leben auf viel, essen nur gesunde Sachen, verzichten auf Alkohol, Zigaretten und andere Dinge, die den Körper belasten – und dann bekommen sie doch Krebs. Und der Kettenraucher nebenan wird ohne Mühe 90 Jahre alt.
Das sind Augenblicke, wo wir wütend werden können und das Leben, das Schicksal und Gott nicht mehr verstehen.
Aber es hängt alles damit zusammen, dass wir mit Gott einen Handel abgeschlossen zu meinen haben und ein Recht erwirkt zu haben, verschont zu bleiben.
Doch so ist Gott nicht und so sind das Leben und das Schicksal nicht.
Denn Gott, das Leben und das Schicksal – die ja zusammen gehören, nicht wahr? – sie alle sind unwillkürlich, sie sind in gewisser Weise geschäftsunfähig, weil sie nach ganz anderen für uns undurchschaubaren Kriterien funktionieren – auf alle Fälle nicht nach unseren und nicht nach irgendwelcher Abmachung.
Gott handelt so, wie er handelt, er ist frei.
Der schon zu Lebzeiten heilige Mensch kann elendig an Krebs sterben und der Böse kann bis ins hohe Alter zufrieden und gesund leben. Das kann passieren.

Eine andere Art die Dinge zu sehen

Mit der Geschichte aus dem Evangelium geht es also darum klar zu kriegen, dass es keine Abmachung und kein Geschäft gibt. Löse Dich von solchen Vorstellungen. Du kannst Dir nichts verdienen – das Leben und Gott können immer anders handeln.
Das Ziel des Lebens kann es demnach nicht sein, unbeschadet davon zu kommen, sondern eine neu Art zu entdecken, mit den menschlich betrachteten Ungerechtigkeiten zu leben und mit den Irrungen und Wirrungen des Lebens ebenso.
Wer lernt einfach da zu sein und das Dasein zu genießen, hat dazu die größte Chance.

DAVID

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