Wenn sich Abgründe auftun

Da verehren wir einen Meister und einen Guru und dann entdecken wir, dass er oder sie gar nicht so ist, dass er unangemessen mit seinen Schülern umgeht und ein Vermögen anhäuft oder was auch immer. Ein schwieriges Thema, ich weiß. Solche Erfahrungen gibt es zu Hauf. Erst vor einiger Zeit erging es vielen mit einem der ganz großen buddhistischen Lehrer so, der auch in Deutschland sehr bekannt war, Aber natürlich haben wir das auch im christlichen Kontext.
Es wird Zeit, dazu etwas zu sagen. Denn Tiefgründigkeit und Abgründigkeit liegen nah beieinander - auch in Dir und mir.

Ich freue mich von Deinen Erfahrungen zu lesen - berichte gerne, wie es Dir mit den Abgründen geht - gerade auch mit den Abgründen von den Meistern und Lehrern - egal ob Mann oder Frau.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden



  • Rolf Lückhof sagt:

    Meine Erfahrung, die ich nachfolgend schildere, hatte ich April 2018 mit einer bekannten Zenmeisterin.
    Heute (29.10.19) kann ich sagen, dass ich aufgrund dieser Erfahrung gestärkt wurde und vor allem, egal welcher Ruf dem Lehrenden vorauseilt, Vorsicht walten lasse, wem ich mich anvertraue.
    Der jetzt nachfolgende Text ist eine Mail an meine Zenlehrerin. Alle Namen habe ich gelöscht. Es liegt mir nichts daran jemand in Misskredit zu bringen.

    Liebe (Name gelöscht),
    ich habe Dir ja einmal „geklagt“, wie schwierig es für mich ist an einem Sesshin bei Dir teilzunehmen. Aus diesem Grund habe ich mich im Netz umgeschaut und nach einer Möglichkeit gesucht in Hamburg oder Bremen ein Sesshin zu finden, um mit anderen Menschen in der Gruppe zu meditieren.
    Gefunden habe ich(Name gelöscht). Da dort Voraussetzung ist vorher an einem Zazenkai teilzunehmen, war ich dann am vergangenen Samstag da und es endete mit einem Fiasko. Siehe bitte unten meine Mail dazu. Ich sage deutlich, dass es mir in der Hauptsache, ging und geht, in der Gruppe zu meditieren. Kein Interesse habe ich zu einem anderen Zendo zu wechseln, darauf habe ich keinem Gedanken verwendet.
    Es kam zu der unten stehenden Aussage von (Name gelöscht), die in einer Ablehnung an der Teilnahme eines Sesshins bei ihr endete.
    Auch heute habe ich mich noch nicht gänzlich davon (der Enttäuschung und einem Nichtverstehen) gelöst.
    Gründe für meine Ablehnung war, ich sei als Zen-Übender ungeeignet und ich solle doch mich einer Buddhistischen Vereinigung oder einer christlich orientierten Gruppe anschließen.
    Vorher würde ich gründlich befragt, woher ich komme, warum ich nach (Name gelöscht) komme, welche Erfahrung ich habe, was sei meine Übung.
    Ich antwortete, dass ich seit etwa 1985 meditiere mit Zen-Praktizierenden, zu Beginn bei dem Zenmeister Kurt Österle, nach Beendigung des Schüler/ Lehrer Verhältnisses lange Jahre, auch mit Unterbrechungen immer wieder, auch vereinzelt an offenen Zenmeditationen teilgenommen habe und seit dem letzten Jahr Schüler bei Dir bin.
    (Name gelöscht)… sagte zu mir, dass ich mein eigenes Ding mache und Zen übe, wie es mir beliebt. Daher lehne sie mich als Teilnehmer bei ihr ab. Sie begründete dies auch mit der Tatsache, dass ich sie im Dokusan sieze, wo doch jeder sie hier duze, zeige das. Wohl erwiderte ich, dass ich sie vorher noch nie gesprochen habe und ich aus Respekt und Achtung vor Ihrer Stellung als Zenmeisterin dies tue wurde nicht akzeptiert. Als ich dann meine Schwierigkeiten in der Meditation in Bezug auf meinen Gedankenfluss erwähnte und auch das Zählen meiner Atemzüge nicht ausreichend dies unterbrechen könne. Dw. habe ich statt des Zählens der Atemzüge das Jesusgebet anwende, brachte das Fass zum überlaufen.
    Ich möchte unabhängig von der Mail unten sagen, wie ich die vergangenen 2 Tage erlebt habe:
    Immer noch eine gewisse Fassungslosigkeit, ein nicht begreifen können.
    In beiden Nächten Träume in denen Angst der beherrschende Inhalt war. Teilweise waren diese Träume mit Todesängsten verbunden. Solche Träume habe ich nie im Leben bewusst erfahren.
    Ich denke nicht ohne Grund wird eine psychische Gesundheit bei Zenkursen hinterfragt. Nur komme ich jetzt ins Grübeln wg. der Träume. Bin ich nicht stabil genug? Hat (Name gelöscht doch recht mit Ihre Beurteilung?
    Abschließend möchte ich sagen wie ich das Anfangs und jetzt erlebe:
    Fassungslosigkeit, Wut, Angst und jetzt „das schaffe ich, ich lasse mich nicht unterkriegen“.
    Ich freue mich, wenn ich von Dir höre, auch solltest Du zu der Ansicht von (Name gelöscht)… neigen, ich werde es annehmen und auch da durchgehen, ohne Schuldgefühle an dieser Entwicklung und alle meine Kräfte bündeln.

    Kopie der o.g. Mail nachfolgend:
    Sehr geehrte Herr (Name gelöscht),
    ich habe am gestrigen Zazenkai teilgenommen und wurde, im Dokusan bei (Name gelöscht), als Zenübender als ungeeignet beurteilt.
    Ich möchte nicht Ihnen die Zeit nehmen mit lesen einer langen Erzählung, was ich erlebt habe im Dokusan. Nur soviel sei mir bitte erlaubt, dass ich nach einem 50 Minuten dauernde Dokusan fassungslos im Vorraum stand, erschüttert und entsetzt über das von einer Zenmeisterin erfahrene, vernichtende Urteil meines Zen-Weges.
    Heute, einen ganzen Tag später, ich habe diese Mail überschlafen wollen, um klarer zu sehen und auch in mich reinzuspüren. Es hat nicht viel an meiner Wahrnehmung geändert, dass ich einer Zenmeisterin begegnet bin, die meine Offenheit der Worte benutzt hat mich angreifbar zu machen und zu demütigen.
    Ich lasse das so stehen und setze alle meine Kraft daran dieses Erlebnis so hin- und anzunehmen, aber mich dadurch auch im Kleinen wie im Großen zu stärken und dass ich nicht zulassen werde mich nochmals in die „Hände“ einer Zenmeisterin vom Schlage von Frau (Name gelöscht) zu begeben.
    Zitat Willigis Jäger:
    „Jeder wahre spirituelle Weg führt vom Berg der Erfahrung zurück in den Alltag und zum Mitmenschen. Es ist ein Weg der Weisheit, Liebe und des Mitgefühls.“

    Im Bezug auf diese genannten drei Eigenschaften fehlte es an Liebe zum Menschen und vor allem an Mitgefühl, ob von Weisheit gesprochen werden kann in zu meinem Dokusan sagen – niemals.

    Verzeihen Sie mir, dass ich doch mehr Worte gebrauchte als ich mir vornahm. Der Grund liegt in der Sache selbst. Es ist und bleibt erschütternd, welches Recht sich Menschen anmaßen andere Menschen zu beurteilen und zu verletzen.

    • DAVID sagt:

      Lieber Rolf, vielen Dank, dass Du uns an Deinen Erlebnissen so teilnehmen lässt. Überall kann uns Übergriffigkeit, Anmaßung und Machtausübung begegnen – gerade im Rahmen von Spiritualität ist es aber so unglaublich schmerzend und hinterlässt oft tiefe Wunden. Nirgends öffnen wir uns so sehr und nirgends ist Vertrauen so unendlich wichtig. Es gibt noch ein Bereich, wo das ähnlich ist, in der Therapie und der Beratung. Gerade deshalb sind dort sehr klare Ethikstandards entwickelt worden.
      Ich habe eine solche Erfahrung nie machen müssen, aber ich habe selber sehr früh gespürt, dass ich die sehr patriachalen Strukturen (die sich nicht an dem Geschlecht ausrichten) ablehne. Die Eigenverantwortung und Selbständigkeit lasse ich mir selber nicht nehmen und möchte ich auch von anderen nicht einfordern. das ist ein Grund, warum ich z.B. kein Schüler sein möchte und keinen Meister suche. Allein die Begrifflichkeit bringt schon ein Gefälle in der Beziehung hervor, das ich nicht möchte.
      Wie gehst Du mit Deinen Erfahrungen um, was hat Dir geholfen daraus gestärkt hervor zu gehen, wie Du schreibst?
      David