Die Kunst der Unterbrechung schafft Veränderung

Zu meinem letzten Video erreichten mich zahlreiche Kommentare und Mails. Viele davon bezogen sich auf meinen Vorschlag, vor dem Reagieren in einem Konflikt zunächst eine Pause einzulegen. Offenbar war das für viele sogleich einleuchtend, dass das hilfreich ist. Dieser Hinweis aber hat es wirklich in sich, denn es geht nicht nur darum etwas Zeit zu haben, über die eigene Reaktion in Ruhe nachzudenken. Da gibt es noch mehr zu beachten. Man kann sagen, dass die Kunst der Unterbrechung der eigentliche Schlüssel zur Veränderung ist. Denn erst, wenn Du aus dem automatischen Reagieren aussteigst, kannst Du Zugang zu der Seite in Dir finden, die das Gute für Dich will. Denn sicherlich kennst Du das auch: Da hat man sich vorgenommen weniger zu essen, weniger zu rauchen oder keinen Wein zu trinken und wie schnell ist man dabei die eigenen Vorsätze über Bord zu werfen? Das liegt genau daran, dass wir schnell automatisch reagieren. Der Abend kommt, der Tag war vielleicht stressig und schon greift man nach der Zigarette. Oder man geht zur Kantine oder in ein Restaurant - eine ganz gewöhnliche Situation - und kaum versieht man sich, hat man etwas bestellt, was man eigentlich nicht wollte, und so könnte ich viele Beispiele bringen. Selbstveränderung beginnt mit einer tieferen Kunst der Unterbrechung. Wenn es Dir gelingt eine Pause einzulegen und wieder zu dem inneren System Kontakt aufzunehmen, was Psychologen das Selbst nennen, hast Du die größte Chance Dich in die Richtung hin zu entwickeln, die Du Dir wünschst. In meinem heutigen Video führe ich das näher aus.

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  • Rita sagt:

    Lieber David,
    ja, genau so ist es! Die Einladungen, sich auf die bekannten Wege zu begeben, sind so unsagbar stark, dass – um in diesem Bild zu bleiben – ein Stopp auf dem Standstreifen unabdingbar ist. Ich „mühe“ mich täglich und versuche gütig mit mir zu sein, wenn es mir nicht so gelingt, wie ich es gerne hätte. Klingt so einfach, ist jedoch nicht so leicht. Aber ich versuche die gute Nachricht darin zu sehen, dass es halt grundsätzlich möglich ist. Üben, üben, üben und das Ganze mit einer liebevollen Haltung sich selbst gegenüber, wenn mal wieder die Einladung alte Wege zu beschreiten, nicht ausgeschlagen werden konnten. Dafür gelingt es bestimmt beim nächsten Mal 😉

    Danke für diesen Beitrag und die Erinnerung daran, dass es seine Zeit braucht, neue Wege zu gehen und somit ins eigene System zu integrieren.

    Ach ja, zum Standort fällt mir der Platz in der Nähe der Fischer – Eiche in der Eilenriede ein. Kennst Du sicherlich. Dort wäre es schön ruhig und bei diesen Temperaturen hoffentlich etwas kühler oder vielleicht angenehmer.

    • DAVID sagt:

      Liebe Rita, vielleicht ist die eigentliche Übung genau die, freundlich mit sich umzugehen, wenn man sich nicht so verhalten hat, wie man es sich wünscht. Vielleicht geht es weiniger darum. sich gut zu verhalten, als sich gut zum eigenen Fehlverhalten verhalten. Verstehst Du?
      Ich habe heute in der Eilenriede einen neuen Platz gewählt – mal schauen, ob das besser wird. Da ich technisch gerade größere Probleme habe, komme ich zudem auch nicht an das Werkzeug heran, das Hintergrundgeräusche minimieren könnte. Mal schauen… David

  • Birgit sagt:

    Die Kunst der Unterbrechung ein wunderbares Werkzeug… Danke dir von Herzen für dies Erinnerung!

    • DAVID sagt:

      Sehr gerne Birgit – baue die Unterbrechung in Dein Leben ein und es wird Dir mehr und mehr gelingen dich so zu verhalten, wie Du es Dir wünschst. David

  • Ursula Paesler sagt:

    Danke David – mit dem Impuls der Reaktionspause und dem kleinen Waldweg habe ich eine schöne Erfahrung gemacht.
    Ich schrieb einer Freundin zum Geburtstag und war stolz, zur Feder gegriffen und eine echte Post produziert zu haben. Am darauf folgenden Wochenende rief sie mich aufgebracht an und war total enttäuscht von mir, dass es nur eine Post und kein Anruf war. Sie ließ mich kaum zu Wort kommen und das war gut für mich. Innerlich war ich erst mal sauer, aber ich musste mich nicht verteidigen. Ich ließ es so stehen. Am nächsten Morgen schickte ich ihr von meinem Lauf eine verständnisvolle Sprachnachricht und erfuhr später, dass sie sich sehr einsam gefühlt hatte. Da war ich dankbar, dass es mir mit der Pause gelungen war: schaue hindurch, was immer du siehst und lausche hindurch, was immer du hörst.
    Im Grunde ist das mein Lebensprinzip aber im Augenblick bin ich dankbar für deine Impulse. Sie ermutigen mich auf meinem Weg und zeigen mir, dass ich nicht alleine bin.
    Liebe Grüße – Ulli

  • Maria Regina sagt:

    Danke, lieber David, für Deine Erläuterungen und Ermutigungen. Ich denke, es ist vor allem in einem Änderungsprozess grundsätzlich hilfreich und wichtig, freundlich und verständnisvoll mit sich selbst umzugehen. Ich könnte mir vorstellen, dass ich bei der Pause kurz nachspüre, ob ich diese in freundlicher Haltung mir selbst gegenüber mache, sie mir wirklich gönne, mag sie noch so kurz sein.

  • Mirijam sagt:

    Das Reiz-Reaktions-Schema unterbrechen, das übe ich. Was mir noch mal deutlich bewusst wurde: Bevor ich ein Verhalten verändern kann, kommt die Pause. Das war hilfreich und gibt mir auch einen erweiterten Blick auf die Genesung von Sucht. Auch da geht es um eine Unterbrechung. Darüber hinaus ist eine Erfahrung vieler Genesender, dass sie erst Kontakt zu ihrem Selbstsystem bekommen, wenn sie überhaupt zugeben ein Problem zu haben, dass sie allein nicht mehr lösen können. Dann erst ist eine Unterbrechung des zwanghaften Automatismus möglich. Das 12 Schritte-Programm der Anonymen Alkoholiker nennt das Kapitulation. Man übergibt sich einer liebenden Macht, die größer ist als das eigene Wollen. Man könnte das auch die Kunst der großen Unterbrechung nennen. Genesung geschieht aus tieferen Quellen und das gilt auch für die „normalen“ automatisierten Verhaltensmuster.