Niemand kennt mich

Niemand kennt mich,
oder nur wenige.

Für mich wird kein Denkmal gesetzt,
kein Orden wartet auf mich,
kein Bericht in der Zeitung
und man zitiert mich nicht.

Ich schreibe keine Bücher,
stehe nicht auf der Bühne,
renne nicht schneller als alle anderen
und halte keine Reden.

Ich kann durch Städte gehen
und niemand erkennt mich.
Vor meinem Haus bilden sich keine Schlangen
und meistens bekomme ich
nicht mehr als zwei Briefe in der Woche.

Ich bin unbedeutend,
nicht berühmt,
leiste nichts Außergewöhnliches.

Aber ich habe Leben in mir,
nicht weniger als all die anderen.
Ich stehe in der Reihe aller Menschen,
durch mich fließt das Blut all derer,
die vor mir waren.

Ich bin Teil des großen Netzwerkes,
Teil des Wissens dieser Welt
und Teil der Weisheit des Lebens.
Ich nehme meinen Platz ein
und fülle ihn aus
und spüre meine erdverbundene Würde,
und meine Größe in den Boden hinein.

DAVID




  • Kerstin sagt:

    Sehr schön geschrieben.
    Teil vom großen Ganzen zu sein, ist etwas Besonderes. Jeder leistet mit seinen Fähigkeiten und Eigenschaften einen Beitrag für das „große Netzwerk“, ist einzigartig.

  • Rita sagt:

    Sehr schöne Zeilen! Ich widerspreche jedoch entschieden der Zeile, in der es heißt:

    Ich bin unbedeutend,
    nicht berühmt,
    leiste nichts Außergewöhnliches.

    Berühmt sind die wenigsten Menschen. Jedoch ist niemand unbedeutend! Ein Mensch ist immer, für irgendjemanden bedeutend. Und sei es nur in einem kleinen Moment des Tages oder im Leben allgemein.
    Für mich etwas zutiefst Menschliches. Den anderen zu sehen, sich seiner gewahr werden. Und sei es in der Schlange an der Kasse im Supermarkt. Sicher, gelingt nicht immer. Aber das wäre auch nicht mein Anspruch. Von der Grundhaltung möchte ich dieses so leben.

    Danke für diese Zeilen, denn sie regen an, darüber nachzudenken und sich seiner eigenen Haltung wieder bewusster zu werden.