Was es bedeutet, im Traum zu sterben

Was es bedeutet, im Traum zu sterbenWas es bedeutet, im Traum zu sterben

Vor ein paar Tagen fand ich beim Stöbern im Netz die Frage in einem Forum: Was bedeutet es, wenn man im Traum davon träumt selber zu sterben? Diese Frage hat mich gleich gepackt. Zwar habe ich selber einen solchen Traum noch nicht gehabt, kann mir aber vorstellen, dass es durchaus irritierend sein kann, wenn man ihn träumt.

Träume sind ja ohnehin etwas Rätselhaftes und Geheimnisvolles. Da erleben wir nachts ganze Romane und Geschichten, reisen nicht nur durch Kontinente, sondern auch durch traumhafte Landschaften, die es gewiss auf Erden nicht geben wird, vollbringen erstaunliche Taten und liegen dabei doch seelenruhig im Bett und haben die Augen geschlossen.

Viele Menschen trauen den Träumen wenig zu oder sind sogar skeptisch. Das liegt oft daran, dass wir in der Nacht und im Traum einen sehr großen Teil der Kontrolle abgeben. Das ist übrigens etwas, was vielen Menschen ganz generell schwer fällt und sie sogar in Panik versetzen kann.

Aber wir können ohnehin nur wenig kontrollieren und manchmal kann man sogar meinen, dass so vieles schief läuft daran liegt, weil wir die begrenzte Möglichkeit der Kontrolle tatsächlich nutzen.

Warum träumen wir überhaupt?

Träume haben in unserer gesamten Kulturgeschichte eine wichtige Bedeutung. Schon in der Bibel wird von Träumen berichtet. Josef, der bei den Pharaonen in Ägypten war, deutete den Traum eines Pharaos. Auf sieben fette Jahren sollten sieben dürre Jahre folgen. So hat er das Bild des pharaonischen Traumes verstanden. Der Pharao ließ daraufhin neue Lager bauen, damit in den sieben fetten Jahren Vorräte für die sieben dürren Jahre angelegt werden konnten.

Und auch der andere Josef, der im neuen Testament, Stiefvater Jesu, hatte einen Traum. Er soll nach Ägypten fliehen, um dem Blutrausch des Herodes zu entkommen. Hier wird der Traum als eine Art der Kommunikation Gottes mit den Menschen verstanden. Im Traum erfährt man, was Gott will und was passieren wird.

Dalai Lama

Ist unsere Motivation stark und heilsam, können wir alles vollbringen.

Im Traum verarbeiten wir Erlebtes

Der Traum ist eine Möglichkeit, wie wir mit Erfahrungen in unseren Wachbewusstsein umgehen können. Der Traum hilft, Lebensereignisse zu verarbeiten. Insofern ist der Traum wichtig für unsere psychische Hygiene und unser Wohlbefinden.

Auch hirnphysiologisch macht das Sinn. Um Erfahrungen einordnen zu können, müssen wir unsere Emotionen zunächst herunterregulieren. Das heißt, dass wir Erfahrungen dann nicht verarbeiten können, wenn wir noch mitten drin stehen. Wir brauchen Ruhe, Abstand, müssen aus dem eigentlichen Chaos herausgefunden haben. Erst in der Ruhe hat das Gehirn die Kapazität, die Erfahrungen zu verarbeiten. Insofern ist der Schlaf natürlich eine besonders geeignete Zeit dafür. Wir liegen, sprechen (meistens) nicht, bewegen uns wenig und haben keinerlei äußere Reize zu verarbeiten. Diese Zeit nutzt unser Gehirn, um Erfahrungen einzuordnen, zu anderen Erfahrungen hinzuzufügen und daraus eine Lebensgeschichte zu machen.

Der Traum ist die Sprache des Unbewussten

Zugleich ist der Traum aber auch noch mehr, er ist Ausdruck unseres Unbewussten. Auch die Vorstellung. im Traum zu sterben entstammt dieser Quelle in uns. Insgesamt haben wir westlichen Menschen sehr wenig Kontakt mit unserem Unbewussten. Dabei entstehen genau dort die Lösungen, die uns weiterhelfen. Keine Erfindung, keine neue Idee, kein genialer Einfall ohne das Unbewusste. Das reine Denken schafft nichts Neues, es ist diese andere Ebene, die Neues in die Welt bringt.

Außerdem ist das Unbewusste eine Quelle großer Kraft, die wir für unser Leben brauchen. Wenn wir in Kontakt mit dem Unbewussten treten und diese Beziehung pflegen, dann bekommen wir viele Inspirationen und viel Energie.

Wenn wir bei einem Menschen sagen, dass er Tiefe hat, dann hat auch das mit dem Zugang zum Unbewussten zu tun. Denn Tiefe kommt aus dem Kontakt mit dem Unbewussten.

Das Unbewusste ist nicht nur der Hort all unserer unterdrückten Gefühle und Bedürfnisse, sondern auch die Quelle des Neuen, Ratgeber, Unterstützer und Erfinder.

Wie wirkt ein Traum, in dem ich träume zu sterben?

Das lässt sich gewiss leicht beantworten. Angst, Sorge, Irritation werden die Folge sein, wenn man davon träumt zu sterben.

Ich habe vor einiger Zeit über Wochen vom Kloster geträumt. Das Kloster und ich hatten darin ein schwieriges Verhältnis und ich fühlte mich in diesem “Traumkloster” wahrlich nicht wohl, ja, sogar fremd.
Ich überlegte, was dieser Traum wohl zu sagen hat. Was will das Unbewusste, soll ich etwa das Kloster verlassen, oder worum geht es hier?

Doch damit wäre ich einem Trugschluss aufgesessen und wäre, wie es viele tun, wenn sie solche Träume haben, davon ausgegangen, dass Träume die Zukunft vorhersagen oder unmittelbaren Rat geben.

Doch so einfach ist es nicht.
Gott sei Dank!

Wie kann man Träume verstehen?

Es ist ein großer Fehler wenn wir beginnen, Träume so zu verstehen, wie sie sich zeigen. Dann ist der eigene Tod wirklich der eigene physische Tod und wenn ich jemanden umbringe heißt das, dass ich das tun werde oder Mordgelüste in mir trage.

Träume können wir so nicht verstehen, weil das nicht die Sprache des Unbewussten ist.Träume können wir nur auf der Symbolebene verstehen.

Ein Symbol ist ein Zeichen, das für etwas anderes steht. Es steht nicht für das, was offensichtlich ist, sondern für etwas, was dahinter liegt.

Ein Kreuz ist beispielsweise  auch nicht einfach ein Gebilde aus zwei Balken, es sagt mehr aus. Leid, Tod, Erlösung, vielleicht auch Auferstehung und Trost

Das, was in einem Traum geschieht ist nicht das, worum es geht. Wir dürfen nicht mit den Augen in unserem Kopf an die Sache herangehen, sondern mit dem Auge im Bauch.

So, wie wir ein Märchen auch nicht so verstehen dürfen, wie es objektiv erzählt wird. Immer geht es um Tieferes.

Was kann es bedeuten im Traum zu sterben?

Schauen wir nun genauer hin, was es bedeuten kann, im eigenen Traum zu sterben. Dafür müssen wir darüber nachdenken, was Sterben überhaupt bedeutet.

Sterben ist Wandlung

Im Traum zu sterben kann heißen, dass ein wichtiger Wandlungsschritt bevorsteht. Alles, was sich wandelt, kennt auch den Tod. So ist das Absterben der Natur im Herbst und Winter die Voraussetzung für den Frühling. Und auch unser Körper stirbt zu jeder Zeit und erneuert sich zugleich.

Jede Blume stirbt einmal und es kann sein, dass danach ein Neubeginn anfängt.Wenn Du träumst zu sterben kann es heißen, dass Du vor einer wichtigen Veränderung stehst, vor einem Entwicklungssprung.

Etwas will leben

Weil Tod und Sterben Wandlung bedeuten können, kann der Tod auch Leben bedeuten. So wie wir es aus den biblischen Erzählungen im Neuen Testament kennen. Nach dem Kreuzestod folgte die Auferstehung und das neue Leben. Und wenn Du von Deinem Tod träumst, dann überlege Dir, was vielleicht neu leben möchte, wo und ob ein Durchbruch und ein neues Leben anstehen..

Etwas will gehen

Tod und Sterben ist natürlich auch ein Zeichen für Vergänglichkeit und Abschied. Immer wenn wir jemanden gehen lassen müssen, ist es ein wenig wie sterben. Manche Träume und Wünsche unseres Lebens mussten schon sterben. Und damit Leben weitergeht, damit neues Leben geschieht, neue Entwicklung, ein nächster Schritt gegangen werden können, ist es notwendig, dass vorher etwas stirbt und das heißt, vergeht, der Vergangenheit angehört.

Wenn ich immer alles festhalten will, dann kann mir im Traum gesagt werden: Lass es endlich los, lass es sterben.

Und so komme ich dann vielleicht meinem Weg näher und mir selbst. Ich beginne zu erkennen, wohin es geht. Die Träume haben uns viel zu sagen und bemühen sich Nacht um Nacht redlich darum, uns klar zu machen, was ansteht und wie es um uns steht.

Sehen wir mit dem Auge im Bauch auf diese Träume, dann erkennen wir uns selbst und kommen in einen tiefen Kontakt mit unserem Unbewussten und damit auch mit unserer Seele.

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  • blue sagt:

    Okay, ich habe verstanden, dass im Schlaf das Unbewusste Raum hat, zu verarbeiten und das auch meine Gefühle im Schlaf runterkommen könn(t)en.
    Aber wenn ich (seit Wochen) Abends einschlafe wie ein Stein und morgens völlig gerädert aufwache, viel träume, mich an fast gar nichts erinnere, sondern jeden Morgen mit einem völlig verwirrten und verknoteten Gefühl in mir in den Tag starte, läuft doch irgendwas schief!
    Mache ich was falsch? Wo kann ich mehr hinhören? Was will mir mein Unbewusstes damit sagen? Wann hört das wieder auf?

    • DAVID sagt:

      Es läuft nichts schief, sondern genau richtig. Natürlich ist das noch keine Lösung und es braucht noch etwas, um zu verstehen, was los ist. Aber das Unbewusste meldet sich und zeigt sich in seiner eigenen Art, so wie es will. Hast du überhaupt schon mal angefangen, auch nur kleinsteEerinnerungsfetzen aufzuschreiben? Beginne damit… irgendwann gibt es immer minimale Erinnerungen. Wenn Du damit beginnst ist es oft so, dass sich mehr zeigt. Bitte am Abend Dein Unbewusstes darum, dass Du Dich an Deine Träume erinnern kannst. Da reicht nicht ein Tag, meistens braucht es mehrere Tage. Das wäre jetzt schon mal ein Ansatz.
      Aber ich fühle mich ermutigt bald mal zu erklären, wie man seine Träume verstehen und deuten kann. Das werde ich in den nächsten Woche angehen. David

      • blue sagt:

        Du liegst richtig mit deiner Vermutung, ich habe noch nicht angefangen, auch nur kleinste Erinnerungsfetzen aufzuschreiben… ich habe Angst, vor dem, was eventuell ins Bewusstsein kommt. Sch***e, das wird mir gerade klar… weil ich keine Ahnung hab, was in mir wirklich los ist.

        • blue sagt:

          Kannst du bitte meine Kommentare hier zu diesem Video löschen? Ich will keine schlechte Laune verbreiten oder die Stimmung verderben. thx

  • Petra sagt:

    Hallo David,
    als junges Mädchen träumte ich immer wieder denselben Traum, ich wurde im Schuppen meines Opas in eine Sumpfgrube geworfen und erstickte dann. Der Schuppen war nie abgeschlossen, er war dann meine Rettung als mich jemand verfolgte. Von da an hatte ich diesen Traum dann nicht mehr. Irgendwie trotz gutem Ausgang unheimlich…..bis heute. Ich hab mich einige Zeit sehr mit Traumdeutung beschäftigt, sehr spannend aber auch rätselhaft🤔.
    Liebe Grüße
    Petra

    • DAVID sagt:

      Liebe Petra, welch ein besonderer und eindrücklicher Traum. Das spüre ich, obwohl es nur wenige Worte sind, mit denen Du den Traum beschreibst. David

  • Lieber David,

    dieses Thema ist sicher ein wichtiges.
    Denn wenn jemand träumt, dass er stirbt oder etwas sonstiges innerlich Aufwühlendes träumt oder wenn er sich grundsätzlich wenig mit seinen Träumen oder auch seinen tieferen, oft unbewussten Bedürfnissen oder Ängsten beschäftigt, dann können Träume verstörend sein.

    Dein Video kann aus einer solchen Verstörung den Druck herausnehmen und eine Anleitung geben, ein wenig unter die Oberfläche zu sehen, ja, vielleicht sogar Gewinn aus dem vormals Beängstigenden zu ziehen.

    Du verstehst, ich sehe es wieder als Gewinn und Chance an, diesmal vielleicht nicht, indem ich für mich neue Aspekte aufgezeigt bekomme, sondern mehr allgemein als Lebenshilfe – und speziell für mich als Bereicherung, mich mit diesen Einsichten beschäftigen zu dürfen.

    Danke von Herzen und ein frohes Pfingstfest!
    Rosmarie

    • DAVID sagt:

      Liebe Rosmarie,
      der Tod im Traum ist auch nur als Beispiel zu verstehen. Es geht grundsätzlich darum, dass wir den Traum nicht wörtlich nehmen, sondern smbolisch. David

  • Maria Soyère sagt:

    Lieber David,
    ein schrecklicher Traum (nur 1x geträumt) kommt mir immer wieder einmal in den Sinn: Ich habe meine Mutter eingemauert. – Sie ist bereits 1972 verstorben (ich war da 27 Jahre alt). In ihren Augen war ich nicht viel wert. Sie war sehr streng und nie zufrieden mit mir. Ich hatte bis zum Schluss immer Angst vor ihr. Was könnte also symbolisch hinter diesem Traum stehen?