Gott ist überall. Über uns, unter uns, um uns herum und in uns. (Sehr frei zitiert nach Thich Nath Hanh) Das ist ein schöner Gedanke. Ich schaue mich um, sehe die Wolken über mir, die Bäume dort hinten, das Gras unter mir. Dort ist Gott, und auch im Himmelsblau, in den Steinen auf dem Weg, im Weg selbst, und in der kleinen Nacktschnecke dort. Aber wie kann ich Gott dort erleben?Eigentlich mag ich Nacktschnecken nicht. Ich hebe einen Stein auf, betrachte ihn. Und empfinde - nichts.Ich fragte mich: Wie kann ich Gott in der Welt erfahren? Mit allen meinen Sinnen? Wie komme ich von dem Gedanken “Gott ist überall” zur Wahrnehmung? (Sehr frei zitiert nach Thich Nath Hanh)
Gott erleben in der Natur
Ich finde Gott in den Pflanzen, den ganz kleinen und den großen. Das gelingt jedem mit ein wenig Übung. Am leichtesten fällt das den meisten mit den großen Pflanzen, den Bäumen. Je besser ich einen Baum kennenlerne, je intensiver ich mich mit den vielen Facetten seines Wesens befasse, desto näher fühle ich mich Gott.Zur Inspiration beschreibe ich hier zwei Baumwesen, mit denen ich mich auf meinen täglichen Spaziergängen angefreundet habe.
Die Rosskastanie, der edle Ritter

Nähere ich mich einer Kastanie von weitem, sehe ich einen erhabenen, mächtigen Baum. Stolz steht er da, sehr präsent.Unter seiner dichten Laubkrone ist es dämmerig, fast als beschützt er mich vor der Welt ringsum. An heißen Sommertagen schützt er vor Hitze, bei Regen und Sturm ist es ruhig und fast trocken unter seinem Laubdach. Wie große Hände breitet er die Blätter über uns.
Aber er hat so viel mehr zu bieten.Edward Bach stellte aus seinen Blüten, die er im Frühling wie Lanzen leuchtend gen Himmel reckt, 3 verschiedene Blütenessenzen her. Sie helfen bei verschiedenen Gemütslagen, von seinen Sorgen Abstand zu nehmen, vorwärts zu schauen, Gelassenheit zu gewinnen.
In der Naturheilkunde wird die Kastanie gegen Rheuma eingesetzt und vor allem bei Krampfadern, denn sie stärkt das Bindegewebe, unsere innere Ritterrüstung.
Die Früchte der Kastanie mit der harten, stacheligen Schale erinnern an martialische Morgensterne. Doch sobald sie reif sind und der Baum sie loslässt, platzt die Schale und gibt die glänzenden Kastanien frei. Wie haben wir als Kinder jedes Jahr darauf gewartet! Einen Teil brachten wir dem Wild als Futter, einen Teil behielten wir, um allerlei damit zu basteln. Wochenlang beschäftigten wir uns damit. In heutiger Zeit kann man die Kastanien nutzen, um sein Bett vor Störfeldern abzuschirmen, aber auch zum Wäsche waschen.
Die Kastanie, der edle Ritter, vermittelt mir und jedem, der ihn kennenlernt, Schutz und Stärke. Das alles bedenke ich mit Freude und vor allem mit großer Dankbarkeit, wenn ich zu einem Kastanienbaum gehe.
Die Birke, die junge Tänzerin

Die Birke tanzt im Licht. Leicht und luftig wiegt sie sich mit ihren Gefährtinnen. Eine Birke mag nicht allein sein, immer sucht sie die Gesellschaft ihrer Artgenossen. Wie kaum ein anderer Baum vermittelt sie Freude und Leichtigkeit. Komme ich ihr näher, nehme ich wahr, dass sie singt! Ihre Blätter spielen mit den Sonnenstrahlen.Eine Tänzerin muss leicht sein, die Schwerkraft überwinden. Diese Leichtigkeit schenkt uns die Birke: Tee oder Extrakt aus ihren Blättern entwässert; die äußere Anwendung schwemmt Schlacken aus dem Gewebe, bringt Verhärtetes in Bewegung. Im Frühling schenkt sie uns das reinigende, entwässernde Birkenwasser, mit dem Birkenzucker. Xylit regt die Darmtätigkeit an und hilft uns als kalorienfreier Zuckerersatz*, unsere physische Leichtigkeit zu erhalten. Ich danke der Birke für ihre Geschenke.*Vorsicht bei Haustieren! Für Hunde sind schon geringe Mengen Xylit tödlich.Wie völlig anders zeigt sich das Wesen der Birke als das der Kastanie. Hier die jugendliche, mädchenhafte Birke, die uns Leichtigkeit und Freude schenkt. Dort die stolze, mächtig-erhabene Kastanie, die uns Schutz und Stärke bietet.Ich danke den Baumwesen, dass sie sich mir öffnen. Ich danke Gott in ihnen.Diese kurzen Einblicke in das Wesen der Bäume mögen genügen, dich zu eigenen Erfahrungen zu inspirieren.
Jutta Jorzik-Oels
Jutta Oels, geboren 1955 im Ruhrgebiet. Nach 25 Jahren in Finnland fand ich 2022 eine neue Heimat im Münsterland. Seit meiner Kindheit bin ich zutiefst spirituell, was zum großen Teil an meiner ausgeprägten Hochsensibilität liegt. Ich habe in meinem Leben viele Berufe ausgeübt und eine ganze Reihe Ausbildungen absolviert, angefangen von Pädagogik über Heilpädagogik und Sozialtherapie bis hin zur Naturheilkunde und diversen naturheilkundlichen Therapien. Seit Jahren gehört meine ganz besondere Liebe den Pflanzen und der spirituellen Pflanzenkunde. Bereits seit einigen Jahren erforsche ich neben den klassischen Bachblüten neue Blüten- und Pflanzenessenzen. Meine Erfahrungen und Begegnungen mit Pflanzen vermittle ich unter anderem in Workshops. Hauptsacheherzbewegt.de


Liebe Jutta,
wie schön, achtsam und umfangreich du über die Birke und Kastanie sprichst. Man steht beim Lesen direkt unter den Bäumen, spürt das Leben, den Wind und Schatten.
Ich wasche auch teilweise mit Kastanien…..Der heilende Charakter der Birke ist für mich neu.
Vielen Dank für den so wunderbaren Abschluss der Sommerexertitien.
Liebe Petra, herzlichen Dank für Dein Feedback! Ich bin glücklich, wenn es mir gelungen ist, einm Menschen das Wesen der Bäume näher zu bringen.
Herzbewegte Grüsse, Jutta
Liebe Jutta, durch Deine Beschreibung wird mir bewusst wie stark meine eigene Verbindung zu Kastanie und Birke ist. Auf welch interessante Weise hast Du meine bisherige Wahrnehmung erweitert! In Zukunft werde ich noch mehr auf die Details achten. Leider gibt es keinen dieser Bäume in für mich erreichbarer Nähe, doch spüre bei allen Bäumen und Pflanzen, die mir begegnen, der Kraft der Präsenz Gottes nach. Ich freue mich immer wieder an der Vielfalt. Jedes Blatt, jede Blüte ist ein Unikat. Und somit für mich auch ein Ausdruck der Unendlichkeit Gottes.
Liebe MariaRegina,
habe herzlichen Dank für Dein Feedback! Ich freue mich, wenn ich dazu anregen durfte, sich intensiv mit den Baumwesen als Ausdruck Gottes zu befassen.
Herzbewegte Grüsse, Jutta
Ich habe auch zu Bäumen eine intensive Beziehung und habe deine liebevollen und wertschätzenden Gedanken zu der Kastanie und Birke heute morgen freudig aufgenommen. Die Birke hast du mir neu näher gebracht. Ich kenne allerdings nicht so detailliert die naturheilkundlichen Wirkungen der Pflanzen. Danke für diese ganzheitliche Sicht auf die beiden Bäume. Das Stichwort „spirituelle Pflanzenkunde“ hat mich neugierig gemacht. Vielleicht können wir dazu in der Sangha mal etwas machen?
Liebe Felicitas,
ganz lieben Dank für Dein Feedback! Es freut mich, wenn Du etwas Neues erfahren hast. – Natürlich bin ich gerne bereit, in der Sangha über spirituelle Pflanzenkunde zu sprechen; wenn das gewünscht wird. Andererseits regst Du mich gerade dazu an, ein Video darüber zu machen.
Herzbewegte Grüsse, Jutta
Mit diesem Impuls werde ich daran erinnert achtsam durch das Leben zu gehen.
Ich mag diese Sichtweise sehr gerne auch wenn sie im Alltagsleben oft schwer Platz findet.
Ich finde es sehr spannend wenn man die Heilwirkung der Pflanzen in Bezug setzt zu ihrem Aussehen (wie bei der Kastanie , das Ritterwerkzeug oder der Birke die Leichtigkeit) und wie man sich mit dieser Pflanze fühlt.
Ich fühle mich aufgefordert genauer hinzuschauen auf Pflanzen, Tiere und Menschen und vielleicht sogar auf Orte und Gebäude, wie sie in ihrer Wirkung auf mich sind.
Vielleicht kann ich mich unterstützen lassen oder selber mit meinem achtsamen Umgang in meiner Umgebung unterstützen!
Danke für den Impuls!!
Danke für alle diese wertvollen Beitrage in den letzten Tagen und für den achtsamen, wertschätzenden Umgang aller Teilnehmer zueinander in allen
Kommentaren!
Ich durfte sehr viel für mich mitnehmen und dazulernen und es wurden so herzliche, interessante Menschen vorgestellt mit so wertvollen Impulsen!
Danke und allen noch einen schönen Sommer!!
Gertraud
Liebe Gertraud,
herzlichen Dank für Dein Feedback! – Es war meine Intention, Menschen dazu anzuregen, Pflanzen (und gerne auch Tiere, Häuser..) genauer anzuschauen und sich auf diese Weise damit zu verbinden. Und damit den Pflanzen (und den Tieren) die Möglichkeit zu geben, mit uns in Kontakt zu treten und zu kommunizieren.
Herzbewegte Grüsse, Jutta
Liebe Jutta, danke für die wundervolle Beschreibung des Wesens der Bäume, es weckt in mir die Lust mich selber auf zu machen um das Wesen der Pflanzen um mich rum zu entdecken. Lg
Liebe Beate,
herzlichen Dank für Dein Feedback! Ich bin glücklich, wenn Du selbst Dich auf den Weg machst, die Pflanzenwesen zu entdecken – genau das war meine Intention!
Herzbewegte Grüsse, Jutta
Liebe Jutta,
die tanzenden Birken habe ich heute neu und anders als bisher kennen gelernt. Ich habe sie gleich besucht. Im Günnemoor ( Teufelsmoor) bei Worpswede. Das große renaturierte Moor ist voll von tanzenden Birken in unvergleichlicher Schönheit und begleitet von vielen Gräsern, Wollgras und Beerengewächsen. Dein Text hat mich zu einem neuen Sehen und wahrnehmen inspiriert. ( Einige Birken Gemälde von Worpsweder Künstler*innen, Vogeler, P. Becker Modersohn und O. Modersohn) durfte ich dann auch noch bestaunen. Welch eine Bereicherung für das äussere und innere Sehen und Wahrnehmen. Ich freue mich nun auf die Kastanie, die ich in den nächsten Tagen im Bürgerpark in Bremen besuchen werde.
Danke für diese Hinführung zur spirituellen Baum- und Pflanzenwelt.
Liebe Grüße Greta
Liebe Jutta,
beide Bäume begleiten mich schon viele Jahre. Eine Kastanie wurzelte zu meiner großen Freude und nach 7 Jahren, so wie mir überliefert wurde, kam wirklich die 1. Frucht. Meine Enkelkinder sammelten jedes Jahr für ein Wildgehege. Ich kenne Menschen, die 3 Kastanien in der linken Hosentasche tragen, gegen Rheuma und Gicht. Leider steht dieser prächtige Baum nicht mehr im Garten. Wenn ich zum Nachbarn schaue, sehe ich täglich eine wunderschöne riesige Birke. Zu jeder Jahreszeit und Witterung präsentiert sie sich neu , stolz und schön.
Bei Wind besonders, dann bitten die Äste sich gegenseitig zum Tanz. Ein herrliches Spiel. Vögel aller Art finden dort ihren Lebensraum.
Den hohen Stellenwert in der Heilkunde dieser Pflanzen habe ich jetzt wieder ganz neu erkannt.
Alles bewirkt der Geist Gottes, seine Allmacht, Schönheit, Stärke, Heilkraft.
Vielen Dank für das Geschenk, so eintauchen zu dürfen in die einzigartige Pflanzenwelt.
Liebe Jutta, was für eine wunderbare Beschreibung der Bäume ! Vielen Dank! Ja, das möchte ich auch lernen, meine Umgebung intensiver wahrzunehmen und somit Gott in allem zu entdecken! Möge ER mir meine Sinne öffnen für die Wunder seiner Schöpfung!
Ganz herzlichst! Ruth
Ein Aufenthalt im Wald ist wohltuend und erfrischend für Körper und Seele. Er wirkt auf mich auch therapeutisch, wenn man mit allen Sinnen, am besten barfuß, Moos , Rinden, Blätter, Sträucher und Bäume wahrnimmt. Die Luft ist sauberer, man kann durchatmen und Lunge/Bronchien profitieren .
Gerüche und Geräusche im Wald tragen zu meiner Erholung bei und ich werde zusehends ausgeglichener und gelassener.
Wie schön, daß ich nun auch näheres zum Wesen der Kastanie und der Birke erfahre und dadurch angeregt werde, weitere Erfahrungen mit Bäumen und Pflanzen, ihrer Symbolkraft und ihren naturheilkundlichen Wirkungen zu machen.
Ich glaube fest an die göttliche Lebenskraft in Bäumen 🌳 und danke Dir sehr für Deinen Beitrag als Teil der Sommerexerzitien.
Danke an alle für die verschiedenen Impulse und die Kommentare innerhalb des ‚großen Bogens‘, aus denen ich viel für mich persönlich mitnehme…
Liebe Jutta,
ich nehme das Thema „Gott ist überall“ beim Wort und ernst. Daraus folgt für mich (vielleicht eine gewagte Konsequenz):
In aller Materie egal ob fest, flüssig oder gasförmig, ist ein göttlicher Impuls enthalten. Gelingt es mir dies so wahrzunehmen begegne ich aller Produktion und allem Zusammenwirken auch in
naturwissenschaftlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen mit Ehrfurcht und Achtsamkeit. So erreiche ich spirituelles Leben, das meinen ganzen Alltag erfasst und hoffentlich zu einem weltweit gutem Gelingen beiträgt. Ich bekam gerade ein Buch von Ilia Delio, die die These vertritt, dass KI Religiont braucht, um Gutes zu bewirken.
Liebe Grüße
Ulrike
(ich war leider erst um 22 Ur zuhause, deshalb der späte Kommentar)
Liebe Jutta, der Ortsteil, indem ich seit über 20 Jahre wohne heißt “ An den Birken“. Leider wurden die Häuser mehr und die Birken weniger.Doch ich habe das Glück, vom Küchenfenster auf eine Birken blicken zu dürfen. Sie ist schon so groß und auch ungewöhnlich kräftig gewachsen. Zu ihr gesellen sich zwei alte Apfelbäume und es scheint ein gutes Miteinander. Ich liebe ihre weiße Rinde und die verspielte Leichtigkeit und sie begleitete mich auch schon in der Meditation. Mit der Rosskastanie verbinden mich schöne Erinnerungen.Durch deinen Beitrag wurde mir klar, dass ich diese Erinnerungen in die Gegenwart holen kann und nicht so traurig sein muß, dass sie vergangen sind .Ich sage dir dafür Dankeschön- von Heidi.
Hinter unserem Haus ist ein Hain mit sehr altem Baumbestand, überwiegend Buchen. In den letzten Tagen habe ich mich oft dort aufgehalten mit den Enkeln und dem Gasthund. Durch deinen wunderbaren Beitrag zum Abschluss des Sommerexerzitiums liebe Jutta, habe ich wieder einen „erneuerten“ Blick auf diese Wunderwerke Gottes bekommen. Herzlichen Dank!