Wir haben eine ganz wichtige Dimension des Lebens völlig aus dem Blick verloren. Wir mühen uns ab, wir kämpfen, wir tun alles Mögliche und wir rennen gegen etwas an. Wir wollen die Welt verändern und wir wollen es jetzt. Wir sind ungeduldig geworden. Alles muss sofort geschehen.
Wir wollen jung sein, wir wollen ewig jung bleiben und wir tun alles Mögliche dafür. Wir gehen in Fitnessstudios und in Kosmetikstudios, um diesen Zustand zu halten. Wir wollen, dass sich die Verhältnisse in dieser Welt verändern. Wir wollen, dass endlich überall Frieden einkehrt, und zwar jetzt. Warum sollten wir noch warten? Durch diesen Wunsch machen wir Druck und wir erleben diesen Druck am eigenen Leib.
Der Druck der begrenzten Zeit
Wir wollen ganz viel aus diesem Leben haben. Wir wollen eigentlich alles aus diesem Leben haben. In dieser kurzen Zeitspanne soll alles geschehen. Wir fragen uns: Worauf sollen wir warten? Irgendwann ist das Leben zu Ende und dann haben wir vielleicht nichts vom Leben gehabt. Nichts gehabt außer Mühe, Anstrengung, Ärger, Kränkungen und Verletzungen.
Vielleicht besteht das Leben nur aus Krankheit und Not – aus all dem, was das Leben uns einfach so auferlegt. Das ist alles da. Und das wollen wir natürlich nicht. Wer will schon krank sein? Wer will am Ende seines Lebens denken: „Das war es also? Das ist jetzt das Leben? Mehr gibt es nicht?“
Kannst du damit wirklich zufrieden sein? Muss nicht mehr drin sein in diesen 70, 80 oder vielleicht 90 Jahren, die uns zur Verfügung stehen? Wir wollen doch alles rausholen, was möglich ist. Wir wollen es genießen. Wir wollen sagen können: „Ja, ich habe gelebt, ich habe gut gelebt, ich habe reichlich gelebt.“
Die Hektik des Erlebens
Doch wem ist das schon gegeben? Wer hat schon wirklich diese Möglichkeit dazu? Schau dich einmal um, was alles getan wird, damit diese paar Jahrzehnte alles bringen, was man nur haben kann. Welchem Druck wir uns aussetzen, um wirklich alles zu spüren. Wir wollen Party machen, bis an die Grenzen gehen, alles erleben, reisen und so viel wie möglich sehen.
Wir spüren es genau: Die Zeit ist begrenzt. Das Ende ist irgendwie immer nahe. Wirklich, die Zeit ist begrenzt. Und genau hier liegt das Problem. Die Dimension des Lebens, die wir fast alle aus dem Blick verloren haben, ist die Dimension der Ewigkeit.
Der alltägliche Atheismus
Ja, wir sterben ohne Zweifel. Das Leben hier auf Erden ist begrenzt. Aber betrachte es einmal von einer spirituellen Warte aus. Du kannst schauen, wohin du willst – in die großen alten Lehren oder in tradierte Wege. Egal, wo du hinguckst: Es geht immer um die Ewigkeit.
Das Leben ist ewig. Diesen Satz musst du dir einmal auf der Zunge zergehen lassen. Wir meinen meistens, wir hätten nur diese 70 bis 90 Jahre und danach ist Schluss. Das ist im Grunde ein alltäglicher Atheismus. Es ist die Weigerung, die Ewigkeit als eine reale Größe im Leben anzunehmen. Es ist die Weigerung zu akzeptieren, dass das Leben ewig ist.
In unseren Alltagsaussagen gehen wir davon aus, dass danach Ende ist. Was du bis dahin nicht erlebt hast, das hast du nicht gepackt. Das ist dann nichts geworden. So setzen wir uns unter Druck, weil diese wenigen Jahre es unbedingt „bringen“ müssen. Aber sie müssen es nicht bringen.
Dein Wesen ist zeitlos
Das Leben ist ewig und du bist in dieser Hinsicht auch ewig. Nicht in deiner Gestalt, nicht in deiner Form und auch nicht in deiner Ichhaftigkeit. Dieses Ego-Ich ist vergänglich, das wissen wir. Das wird mit dem Tod aufhören zu existieren.
Aber deine Essenz, dein Wesen, ist ewig. Diese Dimension haben wir verloren. Sie spielt in unserem alltäglichen Denken und in unseren Mühen oft gar keine Rolle mehr. Dabei verändert dieser Gedanke alles:
Wenn wir ewig denken, haben wir zwar immer noch nur begrenzte Jahre auf der Erde.
Aber dieses Leben muss dann nicht mehr alles bringen.
Wir können schauen, was möglich ist, und gleichzeitig wissen: Es geht weiter.
Es gibt andere Möglichkeiten und andere Chancen für uns. Egal, ob du an eine Reinkarnation glaubst oder an das Eingehen in Gott – es gibt Möglichkeiten danach. Das Leben geht weiter. Vielleicht wird das, was du erlitten hast, geheilt. Vielleicht bekommst du eine neue Chance, etwas anderes zu erleben.
Die Einladung zur Entspannung
Wie auch immer du dir das vorstellst: Nimm die Ewigkeit mit in dein Denken. Lass sie als etwas Reales in deiner Vorstellung erstehen. Dann bist du nicht mehr begrenzt auf diese paar Jahrzehnte. Du bist nicht mehr begrenzt in deiner Vorstellung davon, was dir noch möglich sein wird.
Das bringt Entspannung in dein Leben. Wenn du irgendwann sagst: „Ich hätte noch so vieles gerne erlebt“, dann kannst du auch sagen: „Wer weiß, was noch kommt.“ Dieses Leben muss dir nicht alles bieten. Es muss dir nicht jede Veränderung und alles Glück der Welt geben. Es darf es natürlich, und ich wünsche es dir, aber es muss es nicht. Es ist nicht die einzige Zeitspanne, die dir zur Verfügung steht.
Das Leben ist ewig – und du bist es auch. Das ist das eigentliche Geheimnis. Es ist eine Einladung, dich wirklich zu entspannen und mit dem Gefühl der Ewigkeit in diese Welt hineinzugehen.
An extremen Beispielen wie den Märtyrern wird das deutlich. Sie spürten diese Kraft der Ewigkeit so stark, dass sie wussten: „Ihr könnt mir gar nichts anhaben, weil ich im Kern ewig bin.“ Ich wünsche dir nicht, dass du ein Märtyrer wirst. Aber diese Größe verändert unseren Alltag, wenn wir sie jeden Tag mit hineinnehmen. Nicht nur fromm in der Kirche, sondern jeden Tag.
Ein Gedankenspiel
Denke dich ewig. Denke das Leben ewig. Denke über den Tod hinaus. Verlass diesen alltäglichen Materialismus, der sagt: „Und dann ist Schluss.“ Denn nein, dann ist nicht Schluss.
Beginne es erst einmal als ein Gedankenspiel. Frage dich:
Was wäre, wenn ich ewig bin?
Was wäre, wenn ich über den Tod hinaus existiere?
Was passiert in meinem Leben, wenn ich das zum bestimmenden Moment mache?
Ich glaube, dass sich dann sehr viel verändert. Vor allem die Fähigkeit, sich dem Leben hinzugeben – auch den schwierigen Momenten. Du kannst die Dinge besser annehmen, weil du weißt: Das hier ist eine Phase. Der Tod ist nicht das Ende.
Nimm das in kleinen, homöopathischen Dosen jeden Tag auf. Lass es wirken, bis du es wirklich glauben kannst. Du bist ewig. Das Leben ist ewig. Wenn diese Ewigkeit in deinem Denken Wirklichkeit wird, spürst du, welcher Schatz das ist.
Ich wünsche es dir.

