Gehe ich ins Kloster oder nicht? Lege ich die Profess ab oder nicht? Welchen Beruf übe ich aus? Welchen Beruf möchte ich lernen?
Das sind einige der wesentlichen Fragen und Entscheidungen, vor die ich in meinem Leben gestellt wurde – oder vor die ich mich selbst gestellt habe. Ich kann mich noch gut erinnern, wie es war, als solche großen Entscheidungen noch anstanden. Wenn man älter wird, werden sie etwas seltener, weil vieles schon seinen Weg gefunden hat. Und dennoch kommen natürlich auch später noch Entscheidungen auf dich zu.
Aber am Anfang sind es einfach mehr. Man muss sein Leben noch stärker in eine Richtung lenken.
Ich weiß noch, wie schwer es für mich war, mich für die ewige Profess zu entscheiden. Dafür, dass ich mich für immer an diese Gemeinschaft binde. Wie ich hin und her überlegt habe. Man muss dafür einen Antrag stellen, eine Petition. Ich hatte ihn in der Hand. Werfe ich ihn nun in den Briefkasten des Abtes oder nicht? Mache ich es oder mache ich es nicht? Und wenn ich es mache, was passiert dann?
Dieses Hin- und Hergerissen-Sein kennst du vielleicht. Ich habe es damals getan, sonst würde ich heute nicht hier sitzen. Aber es war ein schwieriger Prozess. Manches ging glatt, manches war sofort klar, aber anderes brauchte seine Zeit.
Wie findest du eine gute Entscheidung? Wie findest du deinen nächsten Schritt?
Wo stehst du gerade?
Vielleicht weißt du gerade gar nicht, was überhaupt ansteht. Dann ist erst einmal Grundlagenarbeit nötig. Ich gehe aber heute davon aus, dass du schon ungefähr weißt, wohin die Reise gehen könnte. Dass du eine Auswahl an Möglichkeiten hast, wie es mit dir weitergeht – beruflich, in der Familie, bei deinen Freunden oder im Ehrenamt.
Wie entscheidet man sich richtig? Ich möchte dir fünf Kriterien an die Hand geben, die dir helfen, deinen Weg zu entdecken. Wir wissen oft erst Jahre später, ob eine Entscheidung „richtig“ war. Diese absolute Klarheit für die nächsten fünf Jahre kann ich dir nicht geben. Aber ich kann dir helfen, heute mit Gewissenhaftigkeit zu sagen: Für jetzt ist dies die richtige Entscheidung.
Hier sind die fünf Anhaltspunkte für dich:
1. Das Gefühl von Weite und Enge
Schau dir deine Möglichkeiten an. Bei welcher hast du ein Gefühl von Weite? Bei welcher spürst du Enge? Dieses Konzept stammt aus der christlichen „Unterscheidung der Geister“.
Es geht darum, weiterzukommen. Das Ziel ist immer die Weite. Weite bedeutet nicht, dass du keinen Respekt oder keine Angst vor der Entscheidung hast. Du darfst denken: Oh, das ist anspruchsvoll. Aber wenn du trotz der Angst eine innere Weite spürst, ist das ein wichtiger Hinweis. Wenn ein Weg bequem erscheint, du aber eine innere Enge fühlst, solltest du das ernst nehmen. Was verschafft dir Weite?
2. Die Kraft der Synchronizität
Achte darauf, was um dich herum passiert. Gute Entscheidungen sind oft organisch. Manchmal bietet sich das Drumherum förmlich an. Man nennt das auch Synchronizität: Dinge kommen zusammen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben, aber auf einen Weg hinweisen.
Als ich mich für das Kloster entschied, fielen mir die Dinge plötzlich zu. Jemand schenkte mir ein Buch zum Thema, ohne von meinen Gedanken zu wissen. Schwierigkeiten lösten sich von selbst auf. Wenn dir ein Weg von außen geebnet wird, durch Menschen oder Zufälle, dann hat das eine Sinnhaftigkeit. Achte auf diese bedeutsamen Zufälle.
3. Nutze deine Körperweisheit
Wie reagiert dein Körper auf die verschiedenen Möglichkeiten? Wir nennen das oft Bauchgefühl, aber wir nehmen es selten richtig ernst. Das ist ein Fehler. Dein Körper hat ein eigenes Wissen und eine eigene Weisheit.
Spürst du ein aufgeregtes Kribbeln oder eher etwas Dumpfes? Erkunde diese Resonanzen. Eine Entscheidung darf sich gut anfühlen. Auch Spiritualität darf sich gut anfühlen, weil dein Körper dir sagt: Das ist ein guter Weg. Was sagt dein Körper zu deinen Plänen?
4. Schau auf die Früchte
Prüfe nach: Worauf zielt eine Möglichkeit ab? Welche Früchte werden daraus erwachsen, soweit man es absehen kann? Führt es zu komplexen, belastenden Situationen oder zu Enttäuschungen?
Jeder Weg hat einen Preis und jeder Weg trägt Früchte. Vielleicht hast du durch eine Entscheidung weniger Zeit für wichtige Menschen – das ist der Preis, den du tragen musst. Betrachte beides genau: Was wirst du geben müssen und was wirst du ernten?
5. Das Loslassen als neuer Weg
Manchmal geht es gar nicht darum, etwas Neues zu tun. Wir denken oft, wir müssten immer etwas Neues in unser Leben einladen. Aber oft ist die eigentliche Entscheidung, etwas mutig loszulassen.
Frage dich: Macht es in deiner Situation mehr Sinn, etwas wegzulassen, statt etwas Neues zu beginnen? Oft löst sich erst durch das Loslassen etwas auf und der Weg wird plötzlich sonnenklar. Ist es Zeit, etwas hinter dir zu lassen?
Ein Bonus für dein Gehirn
Ich habe noch einen Bonuspunkt für dich, der mit unserer inneren Psychologie zu tun hat: Vermeide es, nur zwei Möglichkeiten zu haben.
Wenn du nur zwischen A oder B wählst, bist du innerlich polarisiert. Dein analytisches Gehirn fängt an, Pro-und-Contra-Listen zu wälzen. Du steckst in einer Falle. Sobald du aber drei, vier oder fünf Möglichkeiten hast, verändert sich etwas in deinem Gehirn. Es schaltet um auf eine ganzheitliche, weite Sicht.
Mit fünf Möglichkeiten ist es oft leichter, eine Entscheidung zu treffen, als mit nur zwei. Mein Problem damals – Mönch werden oder nicht – war genau dieses A-oder-B-Dilemma. Das hat es so schwer gemacht. Heute weiß ich: Es gibt leichtere Wege, wenn man die Auswahl erweitert.
Entscheidungen sind etwas Schönes. Sie sind die Grundvoraussetzung dafür, dass du deinen Weg gehst. Damit es weitergeht.
Welche Entscheidung steht bei dir gerade an? Vielleicht ist dieses Video hier der nächste wichtige Schritt für deinen Weg.

