Welche spirituelle Bedeutung hat der Advent

11. Dezember 2022
Ach ja, der Advent. Alle Jahre wieder kommt diese Zeit. Man freut sich darauf, auf Spekulatius, Dominosteine, auf den ersten Glühwein, die Weihnachtsmärkte, auf besinnliche Stunden, den Adventskranz und auf vieles mehr. Jeder und jede hat da eigene Aspekte und Erinnerungen, die wir mit dem Advent verbinden und auf die wir uns freuen.
Ja, wir wissen, es ist die Zeit vor Weihnachten, man bereitet sich auf das große Fest vor. Geschenke kaufen, Weihnachtsmenü zusammenstellen, Restaurant buchen, Weihnachtsschmuck besorgen. Vielleicht sogar ein Kirchgang oder ein Konzert.
Alles sehr schön, alles sehr gut, gerne weiter so, gerne kannst Du das alles machen und um ganz ehrlich zu sein, ich mache es ja auch.
Und doch die Frage: Aber was soll diese Zeit eigentlich, welche spirituelle Bedeutung hat sie, was kann sie für uns, also für Dich und mich bedeuten, nicht nur für die Kirche und für die Geschäftswelt, sondern für Dich.
Oder um es anders zu sagen: Welche Aufgabe hast Du wirklich in dieser Zeit?

Machen wir uns ein Bild von der aktuellen Adventszeit, die sich ja nach zwei Jahren nicht mehr unterscheidet von den vielen Adventszeiten unseres bisherigen Lebens.
Und wenn ich mich umschaue, dann erlebe ich eine Form der Überschmückung. Es ist schön zu schmücken, Kerzen zu entzünden und einen Adventskranz auf dem Tisch stehen zu haben. Aber ich finde, dass es einfach deutlich übertrieben wird. Weihnachtsmänner hängen an Fassaden und man weiß nicht, klettern sie oder haben sie sich aufgehängt.
Lichtgirlanden schmücken zahllose Balkons, Sterne prangen in den Fenstern.
Das kann man alles machen. Ich habe nur den Eindruck, dass der viele Schmuck dafür herhalten muss, dass man den tieferen Sinn dieser Zeit nicht verstanden hat. Nicht umsonst sprechen wir ja auch vom Weihnachtsmarkt, obwohl Weihnachten noch gar nicht ist. Der Advent wird lediglich als die Zeit davor verstanden, die im Lichte des weihnachtlichen Festes steht.


Veräußerlichung des Advents

Es gibt eine starke Tendenz zur Veräußerlichung dieser Zeit. Und das führt letztlich zu einem enormen Stress, den viele Menschen erleben. Du bist glücklich zu schätzen, wenn es bei Dir nicht so ist.
Dieser Stress und die vielen Aufgaben, die es zu erledigen gilt, die vielen Treffen und Weihnachtsfeiern, sie führen letztlich zu einer Überforderung. Es ist einfach alles zu viel. Und dann kommt noch Hektik dazu, was zusammen mit den Aufgaben zu Stress führt. Und dann ist man am Heiligabend geschafft und froh, dass es in wenigen Stunden vorbei ist.

Zeit voller Projektionen

Auf noch einen Aspekt möchte ich hinweisen. Denn die Advents- und vor allem die Weihnachtszeit sind voll von Projektionen. So muss das Fest sein, dann ist es gut. Wenn es nicht so ist, dann kannst du es vergessen. Alle Kinder müssen da sein, die Geschenke, der Gottesdienst nicht zu vergessen. Der wunderbare Braten oder das Fondue. Und vorher das Kaffeetrinkern an den Adventssonntagen.
Vielleicht ist es bei Dir anders, aber meistens sind nur die Formen anders, nicht aber die Projektionen selber.
Wir sind so sehr geprägt von unserer Kindheit und dem, was wir uns wünschen und hoffen, es möge wenigstens Weihnachten so sein.
Und über all dem verschwindet etwas, versteckt sich vielleicht sogar, bringt sich in Sicherheit, um nicht erstickt zu werden und vielleicht doch noch irgendwann eine Chance zu bekommen, nämlich der tiefe Sinn der Adventszeit.

Und worum geht es?
Nicht nur um Weihnachten, um Maria und Josef und das Jesuskind, nicht nur um Engel und Hirten.
Es geht darum, dass Du eine ganz persönliche Willkommenskultur in Deinem Leben schaffst, eine Willkommenskultur für das Göttliche in Deinem Leben, damit Gott Raum bekommt, willkommen ist, sich sozusagen wohlfühlt.
Das ist Deine Aufgabe in diesen Tagen.
Und was braucht es dafür?

Raum schaffen

Nun, zunächst geht es darum, Raum zu schaffen und nicht alles mit - metaphorisch gesprochen - Girlanden und Tannenzweigen vollzustellen. Schaffe Raum in Dir und Deinem Leben, Raum, der nicht gleich wieder vollgestellt wird – auch nicht von einer Krippe oder auch nicht von einem Gottesdienst.
Der Advent braucht Leerheit. Deshalb war früher die Adventszeit ja auch eine Fastenzeit und nicht die Zeit des Schmausens und Schmückens. Man begann sich zu reduzieren und nicht die Welt mit Lichterketten zu füllen.
Gerade in der Adventszeit wäre es gut, wenn wir alles etwas langsamer machen würden oder zumindest ausgesuchte Vollzüge. Warum? Weil wir uns sonst verlieren, weil wir nur noch im Autopiloten laufen und diese Zeit nicht mehr spüren.
Raum schaffen wir auch, indem wir uns reduzieren. Und das heißt im Kern, wieder auf den Weg zurückzuführen, wieder seinen eigenen Weg finden und alles zu lassen, was dem widerspricht. Lebe wieder reduziert und das heißt demnach nicht sofort, mit weniger zu leben, sondern vor allem mit dem Richtigen zu leben und sich damit zu befassen und zu umgeben.
Zur Willkommenskultur gehört natürlich auch die Innerlichkeit, das in sich Zurückziehen. Wenn wir nicht zu Hause sind, dann wird uns Gott nicht anfinden, wenn er kommt. Wir brauchen diese Innerlichkeit, dieses Spüren von uns, die Stille und das offene Warten, das nicht fordert und verlangt, sondern lediglich einen Raum öffnet, in den eingetreten werden darf – wann auch immer.
Willkommenskultur kann auch bedeuten, auf die Suche zu gehen, im eigenen Leben in dieser Welt. Suche Gott, suche das Göttliche, wo es sich Dir zeigen möchte, wo Du es erspüren kannst.
Das kann wirklich der Besuch eines Konzertes sein, es kann tatsächlich das Schlendern über den Weihnachtsmarkt sein oder das Kaufen der Geschenke. Aber das funktioniert natürlich nur, wenn ich es bewusst tue. Suchen kann man immer nur bewusst und kann man immer nur im Augenblick.
Erlebe Dich als Sucherin oder als Finderin, um einen anderen Begriff zu wählen, der uns mehr mit dem verbindet, was geschieht, wenn die Suche vollendet ist.
Gehe und finde!


Verbinde Dich mit Deiner Sehnsucht

Was aber in der Adventszeit ganz und vor allem wichtig ist und dazu möchte ich Dich einladen, Dich wieder mit Deiner Sehnsucht zu verbinden. Das ist doch diese Zeit, das ist doch das Schauen von “Drei Nüsse für Aschenbrödel”, das Weihnachtsoratorium, der Gottesdienst, das Spritzgebäck, die Suche und die Hektik, die Geschenke und die Kaffeetafel – all das ist doch Ausdruck einer tiefen Sehnsucht.
Wir sehnen uns nach einer Liebe, die uns meint und die wir nicht mehr verlieren können,
wir sehnen uns nach wirklicher Heilung unseres Körpers und unseres Geistes, ja, unserer ganzen Existenz.
Wir sehnen uns so sehr nach Vollkommenheit, danach aufgehoben zu sein, nicht verloren zu gehen, wir sehnen uns nach Schönheit, auch nach dem Guten, wir sehen uns danach, geben zu können, reichlich im überschäumenden Masse, ohne Angst zu haben, dabei zu verlieren und sehnen uns danach zu empfangen, nicht, weil man es Weihnachten so macht, sondern weil ich es bin.


Es fehlt noch etwas

Geh auf die Suche bei allem, was Du in dieser Advents- und in der Weihnachtszeit machst, nach dieser Sehnsucht. Sie ist zumeist der Anfang von mancher Veräußerlichung, sie war der Anfang von manchem Kitsch.
Schau auf diesen Anfang der Dinge in der Adventszeit, schau tiefer, schau in die Augen der Menschen, in Dein Spiegelbild und erkenne, dass Dir in allen Augen diese Sehnsucht begegnet.
Das ist ja das Anrührende in dieser Zeit, das Berührende, was in uns geschieht, wenn wir den “Kleinen Lord” anschauen oder wenn uns die erste Arie in Bachs Weihnachtsoratorium zu Tränen rührt. Es ist die Begegnung mit der eigenen Sehnsucht oder zumindest der Beginn, wenn wir denn wollen. Denn bei schlichter Rührung, bei einer verkniffenen Träne darf es nicht bleiben. Zur Sehnsucht gehört es zu spüren, dass da noch etwas fehlt, dass da etwas noch auf mich wartet – dass ich noch warte.
Aber diese wirkliche Sehnsucht in Dir ist es, die zu einer wirklichen Willkommenskultur in Deinem Leben führen kann, damit das Göttliche eintritt und Platz nimmt.
Und dann kannst Du vielleicht die Sehnsucht aller Menschen und aller Lebewesen spüren und diese Sehnsucht mit ihnen tragen. Die Sehnsucht nach Frieden, nach Freude und nach Hoffnung.
Und schließlich wirst Du vielleicht so beten können
:
Möge die Liebe alle Menschen durchdringen,
mögen alle Lebewesen geheilt werden,
mögen alle Menschen Frieden finden,
möge sich alles zum Guten wenden
und möge sich Schönheit jeden Tag neu in unserem Leben offenbaren.


korrigiertes Transskript

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