Wenn die Seele erkennt …

28. Februar 2026

Wir alle möchten diese Welt verstehen. Auch ich möchte diese Welt verstehen. Warum ist das so? Warum verhält sich diese Welt so, wie sie sich verhält? Wie passen die Dinge zusammen? Wie ist der Mensch entstanden? Wie funktioniert mein Körper? Wie funktioniert eine Blume? Wie passiert das alles?

Das sind alles Fragen des Verstehens. Es ist ein ganz natürlicher Wunsch von uns Menschen, dass wir Dinge verstehen wollen. Wir wollen den Glauben verstehen. Wir lesen Bücher, um zu begreifen, was Spiritualität eigentlich ist. Wir fragen uns: Wie geht das mit der Meditation? Wie macht man das ganz genau? Dies und jenes. Ja, das sind durchaus wichtige Fragen. Aber in der Spiritualität geht es im Kern nicht um das Verstehen. Es geht um das Erkennen. Und das ist etwas völlig anderes.


Der Verstand und seine Grenzen

Verstehen ist eine Leistung des Nachdenkens. Es sind Schlussfolgerungen, es ist Logik, es ist das Prinzip von Versuch und Irrtum. Im Grunde ist es das, was die Wissenschaft tut. Sie nutzt ein ausgeklügeltes System aus Statistiken und Sicherungen, um wirklich zu verstehen, wie etwas funktioniert, wie Abläufe sind und wie man sie nutzen oder verändern kann.

Das ist gut und schön. Wir können Lexika auswendig lernen, wir können unendlich viel Wissen anhäufen und Strukturen begreifen. Aber haben wir deshalb schon etwas erkannt?

Erkenntnis ist etwas anderes. Warum geht es in der Spiritualität im Kern um das Erkennen und nicht um das Verstehen? Weil du mit der Seele erkennst. Ein wirkliches Erkennen ist ein Verstehen mit der Seele. Während das Verstehen logisch ist und deine Vernunft anspricht, ist das Erkennen auf der seelischen Ebene angesiedelt.


Die Blume und die Melodie

Stell dir vor, du gehst durch einen Garten. Es ist Frühling und du siehst die Blüte eines Baumes. Du gehst darauf zu und denkst einfach nur: „Wow, ist die schön.“

In diesem Moment hast du etwas erkannt. Du hast vielleicht nichts verstanden – nicht, wie die Pigmente entstehen, warum die Form so ist oder welche biologischen Abläufe dahinterstecken. Aber du hast die Schönheit erkannt. Dafür musst du nicht rechnen oder überlegen. Dein Verstand mag die Biologie dahinter analysieren, aber deine Seele erkennt die Schönheit.

Das Gleiche gilt für die Musik. Du hörst ein Musikstück und spürst sofort die Harmonie. Du lässt dich berühren. Du musst nichts von Notenlehre oder Komposition verstehen, um diese Harmonie zu erkennen. Forscher haben herausgefunden, dass erfahrene Musiker und Menschen, die noch nie ein Instrument in der Hand hielten, Harmonie im gleichen Maße und zur gleichen Zeit erkennen können. Der Musiker kann es vielleicht besser erklären – das ist das Verstehen. Aber das Erkennen der Harmonie? Das ist einfach da. In dir. In deiner Seele.


Das natürliche Wissen um das Rechte

Es gibt eine berühmte Geschichte aus dem 19. Jahrhundert: die des „Wolfsjungen“ aus Frankreich. Ein Junge, der ohne menschliche Erziehung im Wald aufgewachsen war. Ein Arzt nahm ihn auf und wollte wissen: Hat dieser junge Mann ein natürliches Gefühl für Gerechtigkeit? Kann er Gerechtigkeit spüren, obwohl er nie eine Schule besucht hat und ihm nie jemand erklärt hat, was Moral ist?

Der Arzt fügte ihm eine große Ungerechtigkeit zu und bestrafte ihn ohne Grund. Und der Junge wehrte sich. Er verstand es nicht mit dem Kopf, aber er erkannte die Ungerechtigkeit.

Warum? Weil dieses Erkennen von Gerechtigkeit, von Schönheit, vom Guten und vom Wahren in uns ist. Es ist in deiner Seele. Deine Seele erkennt, wenn etwas wahr ist.

Vielleicht kennst du das: Du liest eine Deutung eines Textes, vielleicht aus dem Evangelium. Die Wissenschaft mag sagen, das sei historisch so nicht gemeint gewesen. Aber du liest es und spürst eine Resonanz. Du spürst: „Das stimmt irgendwie. Das ist wahr.“ Das ist der Unterschied zwischen „richtig“ und „wahr“. Die Wissenschaft sagt dir, was richtig ist. Die Seele sagt dir, was wahr ist.


Wie gelangen wir zum Erkennen?

Das Erkennen ist uns allen zu eigen. Jeder Mensch kann Schönheit, das Gute und das Wahre erkennen. Es ist die Trias – diese drei wesentlichen Aspekte, die letztlich zu Gott führen. Gott ist das Wahre, das Gute und das Schöne.

Doch wie kommen wir auf diese seelische Ebene? Wie gelangen wir zum Erkennen? Der wichtigste Aspekt ist die innerliche Freiheit. Es geht darum, Anhaftungen loszulassen, damit das „innere Meer“ ruhig wird. Durch Stille und Meditation kann uns das gelingen.

  • Suche die Stille: In der Stille entsteht Erkenntnis.

  • Werde ruhig: Ein ruhiger Geist erlaubt es dir, durch das Meer bis auf den Grund zu blicken.

  • Schaffe Raum: Das Erkennen braucht Platz in dir.

Wenn du diesen Raum schaffst, wird dir dein Weg offenbart. Du verstehst deinen Weg vielleicht nicht immer logisch, du machst keine Plus-Minus-Listen. Aber du erkennst ihn. Du erkennst, was deine Wahrheit ist, wo es weitergeht und was jetzt wichtig ist.

Lass es zu, dass es geschieht. Deine Seele kennt den Weg längst.


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