Wie Du Schuldgefühle auflöst

4. März 2023

Sich schuldig zu fühlen, gehört zum Standardrepertoire unserer Gefühle. Dieses Gefühl kann schon dann auftreten, wenn ich die Straße überquere und die Ampel springt just in dem Moment auf Rot. 

Oder ich nehme mir das letzte Stück Kuchen. Oder ich vergesse zum Geburtstag zu gratulieren. Aber ist das auch gleich Schuld? Es ist der erste wichtige Aspekt, den ich beleuchten möchte und der wichtig ist zu verstehen. Denn Schuldgefühle und Schuld zu haben sind nicht das Gleiche, sondern völlig unterschiedlich. Schuld ist ein Gefühl, das entsteht, wenn ich jemandem etwas angetan habe, wenn ich massiv gegen Recht und Ordnung verstoßen habe – auch wenn das Gesetz es vielleicht nicht bestraft. Schuldgefühle sind unabhängig davon und entstehen aufgrund von Erziehung, von dem, was uns unsere Eltern beigebracht haben. Und wenn diese sehr ängstlich und kleinlich waren, dann haben wir sehr schnell viele Schuldgefühle in unserem Leben. Wenn ich hingegen einen Menschen umbringe, dann werde ich unabhängig von meinen Eltern Schuldgefühle haben. Es gilt also genau zu untersuchen, geht es bei meinem Gefühl der Schuld um solche Schuldgefühle oder habe ich wirklich Schuld auf mich geladen. Wirkliche Schuld kann man nicht so einfach abschütteln, Schuldgefühle sehr wohl.


Ist es wirklich Schuld?

Wenn Du Dich schuldig fühlst, dann überprüfe auch, ob es sich wirklich um Schuld handelt, oder ob andere Gefühle eine Rolle spielen. Depressive Verstimmungen verkleiden sich manchmal in Schuld und umgedreht. Ein weiterer Prüfstein ist die Möglichkeit, dass Du Dich zwar schuldig fühlst, diese Schuld aber gar nicht von Dir kommt. Wir übernehmen Schuld auch von anderen, gerade in der Familie. Manche Depression ist aus einer solchen Schuld in der Familie entstanden, selbst dann, wenn der Schuldige schon lange tot war. Wir wissen das aus der Familienaufstellung. Wenn also Schuld ein großes Thema in Deinem Leben ist, obwohl Du Dir gar nichts hast zuschulden kommen lassen, dann überprüfe mal die Geschichte Deiner Familie. Vielleicht bist Du mit jemandem aus der Vergangenheit verstrickt.

Aber bleiben wir mal dabei, dass Du Schuldgefühle hast und sie nicht in der Familie liegen. Dann kann ich Dir nur empfehlen zu schauen, warum Du so gehandelt hast. Was waren Deine Beweggründe? Denn das spielt eine große Rolle. Es macht einen Unterschied, ob Du aus reinem Eigennutz gehandelt hast oder weil Du jemand anderem helfen wolltest. 

Vielleicht gelingt es Dir etwas milder über Dich zu denken, wenn Du Deine Beweggründe erforschst. Es macht doch einen großen Unterschied, wenn Du jemanden beispielsweise versetzt hast, weil Du noch arbeiten musstest oder weil Du keine Lust hattest.


Wir können nicht alles vorher wissen!

Zudem sind wir uns der Tragweite unseres Handelns nicht immer bewusst. Schnell wird zwar gesagt: "Darüber hättest Du früher nachdenken müssen.” aber das ist schnell gesagt und hat den Zweck, dass Du Deine Schuld nicht relativierst. Dennoch: Wer kann schon alles vorhersehen, was er gerade tut. Ein einfaches Handeln jetzt gerade in diesem Augenblick kann etwas verursachen, was Du nicht hast vorhersehen können. Nicht immer ist Schuld so einfach und klar, wie bei einem Mord oder etwas Ähnlichem.

Was ich auch einen wichtigen Aspekt finde ist, dass zur Schuld immer zwei gehören. Das ist mir beim Phänomen Fremdgehen aufgefallen. Ich hatte in meiner Beratungstätigkeit zu manchen Zeiten eine ganze Reihe von Klienten, die damit zu tun hatten. Und dabei ist mir eines klar geworden. So klar auch die Verteilung von Täter und Opfer zu sein scheint. Zum Fremdgehen gehören immer drei. Und auch der Betrogene oder die Betrogene gehören dazu. Es ist eine Art Mechanismus, der alle drei mit hinein nimmt.

Es geht nicht darum, jemanden freizusprechen, sondern einen Weg zu finden, wie man mit Schuld umgehen kann. 

Natürlich haben Opfer das Recht zu sagen: Du warst es, das hast Du getan.

Aber auf Dauer wird das nicht weiterführen, irgendwann wird es Zeit, das Schuld- und Opfer-Dasein zu hinterfragen und differenzierter zu sehen. 


Beispiel Ukraine

Natürlich gilt das zum Beispiel auch für die Ukraine. Natürlich hat das Land jetzt das Recht, sich zu verteidigen und zu sagen: Ihr habt uns überfallen. Was ja auch stimmt. Aber irgendwann, und es liegt nicht an uns zu sagen, wann, wird es Zeit werden, einen differenzierteren Blick darauf zu werfen. Diese Zeit wird kommen und dann wird es möglich sein, Frieden zu finden – ganz unabhängig davon, ob es zuvor einen Waffenstillstand gegeben hat. 

Was nicht heißt, dass die Ukraine erkennen muss, dass sie selbst Schuld auf sich geladen hat. Es geht einfach um eine größere Differenzierung, die während eines Angriffs nicht möglich ist und auch kaum gefordert werden kann.


Gewohnte Schuldgefühle

Manchmal gewöhnen wir uns an unsere Schuldgefühle – übrigens auch daran, Opfer zu sein. Und da habe ich für Dich die kleine und beißende Frage: Wer bist Du ohne Deine Schuldgefühle? Was würde passieren, wenn die Schuldgefühle plötzlich weg wären? Diese Fragen können erhellend sein. Ich habe das einmal selbst erlebt. Ich war auf der Spur einer Wut in mir und ich habe sie untersucht. Und plötzlich merkte ich, als ich dabei war, mir vorzustellen, dass diese Wut weg ist, dass ich sie vermissen würde. Ich mochte sie, sie war mir vertraut und ich hatte mich in dieses Gefühl eingerichtet. So kann es auch mit Schuld sein. Dann wird es Zeit, die Behausung in der Schuld aufzugeben und zu erkennen, dass Du Deine Schuld festhältst. Du bist dann sozusagen selber schuld an Deiner Schuld.


Schuld anerkennen

Was bei einer vorliegenden Schuld wichtig ist und das möchte ich Dir ans Herz legen, ist, die Schuld anzuerkennen, wenn sie denn vorliegt. Das ist der beste und letztlich einzige Weg, auch gegenüber jemanden, der sich als Opfer fühlt – und es muss ja nicht gleich Mord und Totschlag sein. Hast Du wirklich jemanden verletzt, dann gehört es dazu klarzumachen, dass es Deine Schuld ist, wenn dem so war. Es gibt für Menschen, denen etwas angetan wurde, nichts Schlimmeres als über die Tat verhandeln zu müssen. Anerkennung dessen, was passiert ist, ist der wichtigste erste Schritt zu einem Leben mit Schuld und auch der erste Schritt zur Versöhnung. Schuldgefühle werden stärker durch Verleugnung!

Nach der Apartheid in Südafrika gab es sogenannte Versöhnungskommissionen. Täter konnten Straffreiheit erlangen, wenn sie den Überlebenden und Hinterbliebenen öffentlich erzählten, was sie getan haben und warum. Das war wichtiger als die Strafe und hat viele Seelen getröstet und geheilt. Diese Kommissionen waren der Grund dafür, dass es nach dem Zusammenbruch des Systems keine Rachefeldzüge gab – Grund genug hätte es gegeben.

Wenn also tatsächlich etwas vorgefallen ist und Du dabei schuldig geworden bist, dann nimm es an. Aber mache Dir zugleich bewusst, dass Du plötzlich nicht nur aus Schuld bestehst. Schuld kann ausufernd sein. Aber niemand ist nur das eine. Du bist nicht nur Schuld. Du trägst dann immer beides mit Dir: Schuld und Unschuld, Du bist auch in vielen Bereichen unschuldig und auch das gehört zu Dir. Vergiss das bitte nicht.


Weg des Verzeihens

Ja nun dann beginnt der lange Weg des Verzeihens. Als Schuldiger oder Schuldige hast Du kein Anrecht darauf, dass Dir verziehen wird. Es ist freie Tat derjenigen, denen Du etwas angetan hast. Was nicht heißt, dass Du alles hinnehmen und schlucken musst. Auch Opfer können schuldig werden!

Aber Du kannst einen Weg gehen, Dir selber zu verzeihen. Das ist schon herausfordernd genug und braucht auch seine Zeit. Ständige Selbstvorwürfe helfen Dir nicht, helfen niemanden.

Wer aber seine Schuld anerkannt hat, der wird nicht in diese Falle tappen. Dahinter steckt meistens die Weigerung der Schuldanerkennung. Anerkennung geschieht am besten, indem man dem anderen dabei in die Augen schaut. Viele schauen auf den Boden, aber das ist keine Anerkennung. Anerkennung geschieht, indem ich mein Gegenüber in die Augen schaue. Dann vergehen auch das Jammern und die Selbstvorwürfe.

Übrigens vergiss dies nicht: Jeder macht Fehler – manche größere, manche viele kleine – ganz unterschiedlich. Es gehört zum Leben dazu, Fehler zu machen und es ist nichts Besonderes, wenn auch Du Fehler machst.

Du kannst die Vergangenheit ohnehin nicht ändern. Deine Chance ist nur die Gegenwart und die Zukunft. Von daher lebe jetzt und verspricht Dir und vielleicht dem anderen, dass Du verstanden hast und es nicht wieder tun wirst.


Darf es auch mal gut sein?

Niemand kann von Dir verlangen, dass Du für den Rest Deines Lebens mit Schuldgefühlen herumläufst. Auch für Dich gilt, wenn Du nicht gerade ein Massenmörder oder ein Diktator bist, dass es auch einmal gut sein darf. Ja, irgendwann kommt der Augenblick, wo die Vergangenheit ruhen darf.

Auch wenn manche mit Ihrer Schuld damit Probleme haben, weil sie meinen, dass das nicht sein darf, weil eine eigene depressive Seite das verhindert oder auch, weil man sich selber bestrafen will.

Nein, Du darfst es auch ruhen lassen und Du darfst Schuld auch gehen lassen. Nicht im Sinne, war alles nicht so schlimm. Vergangen heißt hier nicht, es ist weg aus meinem Leben. Nein, so  nicht. Aber Dir steht eine neue Chance zu und die solltest Du nehmen und nutzen!


Die Liebe bleibt - immer!

Und bei allem sei Dir noch dessen gewiss. Das Göttliche liebt, egal, was Du getan hast. Du kannst die göttliche Liebe durch Dein Tun nicht beeinträchtigen. Was auch immer Dir einfallen sollte und was auch immer bisher auf dieser Erde geschehen ist, nichts davon ist in der Lage, die Liebe Gottes zu beeinträchtigen oder zu beenden. Dieses liebende Band hält ewig.

Und wir wissen auch nicht, wozu unser Handeln gut sein könnte und was am Ende dabei herumkommt.

Überlasse das letztendliche Urteil Gott und niemand anderem.


korrigiertes Transskript


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