Es geht nicht um Nachfolge!

25. April 2026

Einer der wichtigsten Begriffe im Christentum ist der Begriff der Nachfolge. Wir sollen nachfolgen. Jesus selbst hat gesagt, dass wir ihm nachfolgen sollen. Dieser Begriff hat seinen Ursprung auf der physischen Ebene: Da ist jemand, der vorangeht. Jemand, der den Weg kennt. Wenn es ein guter Weg ist, dann folgen wir diesem Weg natürlich.

Der Begriff kommt aus der rein physischen, objektiven Welt unserer Erfahrung. Da unsere Sprache komplexe Situationen oft gar nicht direkt ausdrücken kann, lehnen wir uns an Beobachtungen aus der Natur oder an unsere eigenen Erfahrungen an. Wir vergleichen das Abstrakte mit dem Sichtbaren. Das passiert oft bei sehr komplexen Themen, führt aber dazu, dass unser Verständnis oft sehr oberflächlich bleibt.


Warum ich kein Freund der klassischen Nachfolge bin

Ich war nie ein Freund des Begriffs der Nachfolge. Ich fand das immer schwierig. Eigentlich möchte ich niemandem folgen. Ich möchte meinen eigenen Weg gehen. Ich möchte meinen Weg mit Gott gehen, auf Christus zugehen – wie auch immer du dieses Phänomen beschreiben magst. Aber ich möchte niemandem hinterherlaufen.

Wenn ich jemandem folge, bedeutet das im schlimmsten Fall, dass ich fremde Wege gehen muss, die überhaupt nicht zu mir passen. Natürlich ist das theologisch so nicht gemeint, aber der Begriff „Nachfolge“ trägt diese Schwere mit sich. Er impliziert ein Hinterhergehen.

Was passiert aber, wenn wir Gott anders beschreiben? Wenn wir Gott als einen Raum verstehen, als ein Feld? In der Biologie und Physik kennen wir magnetische oder morphogenetische Felder. Ich sage nun: Es gibt auch ein geistiges Feld. Gott ist ein geistiges Feld. Wenn wir davon ausgehen, dass Gott und damit auch Christus ein geistiges Feld sind, dann gibt es keine Nachfolge im klassischen Sinne mehr.


Das Christusfeld: Ein neuer Blick auf die Verbindung

In einem Feld gibt es niemanden, der voranschreitet, während ein anderer hinterhertrottet. Wenn wir dieses Bild annehmen, müssen wir unsere Begriffe und Vorstellungen verändern. Das eröffnet uns völlig andere Möglichkeiten. Wenn der alte Begriff der Nachfolge so nicht mehr funktioniert, was tritt dann an seine Stelle? Was sollten wir stattdessen tun?

Die Antwort ergibt sich aus der Form des Feldes: Es geht darum, in Kontakt zu bleiben. Es geht darum, in dieses geistige Feld hineinzugehen und darin zu bleiben.

Man könnte sagen, dass wir ohnehin immer darin sind, weil es alles durchdringt. Aber wir können uns durch unser Bewusstsein „ausklinken“. Wir können so tun, als würden wir von außen darauf schauen, auch wenn das eigentlich gar nicht geht. Unser Teil des Ganzen ist es, uns ganz bewusst in dieses Feld zu stellen. Das ist das, was man früher Nachfolge nannte.

Dieses Christusfeld ist nichts Abstraktes oder rein Physikalisches. Es ist ein geistiges Feld, das alles durchdringt. In Kontakt zu kommen und zu bleiben bedeutet: In dem Bewusstsein zu leben, dass ich Teil dieses Feldes bin. Dass es mich durchdringt. Dass ich das will und zulasse. Ich tue etwas dafür, dass diese Verbindung möglich ist, damit sie all meine Zellen und schließlich auch meine Gedanken durchdringt. Das ist für mich die eigentliche Nachfolge.


Die Qualität des Feldes

Wie schaffst du es, in diesem Feld zu sein und zu bleiben? Das Christusfeld ist ein ordnendes Feld. Es dirigiert nicht und es schneidet nicht ein, sondern es ordnet still, wenn du dich ihm überlässt. Es ist ein heilendes Feld.

Du kannst die Qualitäten dieses Feldes am Leben Jesu ablesen:

  • Es heilt.
  • Es inspiriert.
  • Es weist und führt – aber anders, als Menschen führen.
  • Es weitet und öffnet.
  • Es ist immer auf das Leben ausgerichtet.

Wie kommst du nun ganz praktisch in Kontakt mit diesem geistigen Christusfeld? Im Grunde musst du gar nichts anderes tun als das, was du sowieso schon tust. Wenn du im kirchlichen Kontext unterwegs bist, kannst du das Bild des Feldes mitnehmen. Wenn du einen Gottesdienst besuchst, an einem Gebet oder einer Meditation teilnimmst, nimm wahr, wie du dich mit dem Christusfeld verbindest.

Es geht um ein Spüren. Es geht darum, dass eine Offenheit in dir geweckt wird. Dieses Empfinden nimmst du mit in deinen Alltag.


Eine Kultur der Erinnerung schaffen

Früher haben Mönche siebenmal am Tag gebetet. Warum haben sie das getan? Damit sie immer wieder in Kontakt mit diesem Christusfeld kommen. Sie wollten diesen Kontakt stabilisieren und kultivieren. Sie bauten eine fortlaufende Erinnerungskultur auf – ein ständiges Wachrufen. Das Kloster diente als Schutzraum, um nicht mit anderen, fremden geistigen Feldern in Kontakt zu kommen, die ihnen nicht gut taten.

Auch du brauchst solche Augenblicke des Erinnerns und Wachrufens. Ob du dir Bilder aufhängst, liest, meditierst oder einen Livestream schaust: All das dient nur dazu, dass du in Kontakt mit dem Christusfeld bleibst.

Wenn dir der kirchliche Kontext nichts sagt, ist das nicht tragisch. Vermutlich hast du schon einmal etwas erfahren, sonst würdest du dir die Frage, wie du in diesem Feld bleiben kannst, gar nicht stellen.

Frag dich selbst:

  • Was spricht dich an?
  • Was ruft dieses Erleben in dir wach?
  • Welche Musik, welcher Text oder welches Bild ermöglicht es dir, dich so weit zu öffnen?

Manche erleben das in der Natur. Pflanzen und Tiere haben einen unmittelbaren Zugang zu diesem Feld. Sie haben nicht die Möglichkeit, sich davon zu trennen. Sie sind unmittelbar getroffen und lassen das Feld ungehindert durch sich hindurchziehen. Wenn du im Wald stehst, spürst du diese feine Präsenz des Lebendigen. Auch der Wald ist ein geistiges Feld – genau wie du selbst eines bist.


Nachfolge als Resonanz

Nachfolge heißt nicht: „Ich gehe jemandem hinterher und tue exakt das, was der andere auch tut.“ Deshalb konnte ich mit der Frage „Was würde Jesus tun?“ nie viel anfangen. Ich muss für mich selbst eine Antwort finden. Aber ich kann sehr viel damit anfangen, in diesem Christusfeld sein zu wollen.

Suche dir Zugänge in deinem Alltag. Was immer für dich funktioniert, ist richtig. Wenn wir davon ausgehen, dass dieses Feld ein liebendes Feld ist – ein Feld der Gnade, des Friedens und der Heilung –, dann kann das, was deine Pforten öffnet, nur richtig sein.

Es entsteht eine heilige Ordnung, eine Hierarchie im ursprünglichen Sinne. Ein Symbol dafür ist die „Blume des Lebens“: ein Versuch darzustellen, wie alles in eine gute Ordnung gebracht wird. Wenn du dich auf diese Frequenz einstellst, wird vieles einfacher. Augustinus sagte einmal: „Liebe, und dann tu, was du willst.“ Wenn du in dieser Frequenz der Liebe bist, ist dein Handeln immer daraus gespeist.

Das ist Nachfolge, neu verstanden. Wenn wir Gott als Feld begreifen, lassen sich viele Begriffe neu deuten und werden plötzlich logisch.


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