Gibt es den Himmel und die Hölle?

13. August 2022

Ich freue mich, wieder eine Frage bekommen zu haben. Diesmal ist die Frage extrem kurz, was aber gar nichts heißt. Maria schrieb mir also:
“Was ist der „Himmel“ für Dich, lieber Bruder David?”
Und diese Frage ist mir willkommener Anlass, ein paar ganz grundlegende Dinge zu Himmel und Hölle zu sagen.


Was wir verloren haben

Es gehört inzwischen zu meinen Grundannahmen, dass das Christentum wesentliche Teile der eigenen Weisheit über die Jahrhunderte vergessen hat und deshalb auch vieles nicht mehr verständlich ist. Und das hat mit dem Himmel zu tun. Lass es mich aber in Ruhe erklären.
Uns wird allen klar sein, dass die Weitsicht der Menschen zur Zeit der Bibel im Vergleich zu unserer Zeit größtenteils grundverschieden ist. Nicht nur dass die Gesellschaft eine andere ist, Begriffe wie Freiheit und Individualität werden ganz anders verstanden, bewertet oder waren in der Hinsicht noch gar nicht existent. Zu den Zeiten der Bibel und noch weit bis in die Geschichte des Christentums hinein hatte man eine kosmische Vorstellung von der Welt. Und nur, wenn wir diese kosmische Vorstellung des Christentums kennen und verstehen, können wir auch das Christentum und die Bibel verstehen. Soweit ich es übersehen kann, spricht aber kaum ein Theologe oder eine Theologin über den Himmel oder die Hölle. Das sind Begriffe, die meistens gemieden werden. Doch damit beginnt ja gerade das Problem.
Die Bibel wirst Du ohne Himmel und Hölle nicht verstehen, oder ohne, dass Du eine Ahnung hast, was ein Engel ist. Denn nur wenn ich diesen weiten Bezug wähle, wenn ich meine Bezugspunkte auch jenseits unserer Welt setze, wird vieles verständlich.
Die Bergpredigt beispielsweise. Wir hören darin: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.

Zeischen Himmel und Erde

Wenn wir die Bergpredigt nur als ein ethisches Manifest verstehen, als ein empathisches Gedicht für die Armen und Entrechteten, dann haben wir die wesentliche Aussage verloren. Was hier steht, ist vielmehr ein Austausch, der angekündigt wird. Ein Austausch zwischen Himmel und Erde, zwischen dem Armen und dem Himmel. Und der Arme ist nicht sofort jemand, der in den Slums von Jerusalem gelebt hat, sondern jemand, der dem Beispiel Jesus gefolgt ist, und alles gelassen hat, der rein und frei ist. Wer so ist, dem wird nicht nur symbolisch, nicht nur als Metapher, nicht nur als lyrische Ästhetik etwas zugesagt. Vielmehr ist es so, dass einem solchen Menschen wirklich etwas zuteil wird. Das Wort “gehören” können wir hier im Sinne von etwas öffnet sich mir, ich habe Zugang zu etwas, ich kann auf etwas zugreifen verstehen. Wer sich also dem Weg Jesu der Entäußerung, der Leerheit hingibt, dem wird sich der Himmel öffnen, der wird Zugang haben zu Welten und Räumen, die sich alle anderen gar nicht vorstellen könne, der wird einen Kraftzuwachs haben, den man auf Erden sonst nicht findet.
Erkennst Du den Unterschied? Es geht nicht in erster Linie um Moral, es geht um Verheißung und um Zusage, es geht darum, dass Jesus uns erzählt, was er selbst erlebt hat. Doch funktioniert dieser Ansatz natürlich nur, wenn ich den Himmel als etwas Existentes ansehe, wenn der Himmel wirkt und aktiv ist.


Wir meinen immer so schlau zu sein

Oder ein anderes Beispiel. Jesu Himmelfahrt. Jesus wird in den Himmel aufgenommen und die Jünger starren ihm nach. Es geht nicht darum, dass das so stattgefunden hat. Es geht darum, dass Himmel oder oben für den göttlichen Bereich stehen. So kannst Du das immer in der Bibel beobachten, wenn der Berg eine Rolle spielt oder etwas, was hoch hinausragt, dann sind Gott oder das göttliche Bewusstsein gemeint. Der Turmbau zu Babel zum Beispiel. Ein Versuch sich den Himmel zu eigen zu machen, das göttliche Bewusstsein in gewisser Hinsicht zu manipulieren, zu erobern und in Besitz zu nehmen. Der Turmbau ist eine Symbolgeschichte, ein Symbol für eine bestimmte Haltung dem Himmel oder Gott gegenüber, nämlich zu meinen, ich könnte es aus mir schaffen. Das ist ja genau unser derzeitiges Problem, dass wir meinen so schlau zu sein und alles zu wissen und besser zu sein als unsere Ahnen. Und schlauer als die Natur und überhaupt, wir können es und wir machen uns besser, implantieren uns Elektronikteile unter die Haut, weil die Natur es einfach nicht packt uns zu optimieren. Das ist der Turmbau zu Babel, das ist die Haltung “ich mache es besser und ich werde es alleine schaffen”.
Und so ist die Himmelfahrt Jesu die Vollendung der Auferstehung, der Aufstieg aus dem Reich des Todes, den wir intuitiv immer im Untergrund suchen würden. Damit wird die Inkarnation, der Tod, der Abstieg ins Reich der Toten vollendet, der Kreis schließt sich.
Und die Jünger schauen nach oben, werden aber angehalten auf die Erde zu schauen, dort ist ihr Ort, noch nicht im Himmel, sie sollen hier auf dieser Erde wirken. Sie sind Künder des göttlichen Bewusstseins im menschlichen Bewusstsein.


Das göttliche Bewusstsein

Das sind nur ein paar Beispiele. Es gibt so viele Gleichnisse, die sich nur wirklich erschließen, wenn wir Himmel und Hölle hinzuziehen.
Wir haben den Himmel und die Hölle vergessen, das ist unser Problem. Aber wir können auch nicht einfach zurück in die Symbolwelt von damals, wir brauchen ein neues vertieftes Verständnis.
Und daher ist meine Antwort auf Deine Frage, Maria: Der Himmel das göttliche Bewusstsein. Ja, so meine ich das und so sehe ich das. Himmel ist das Symbol dafür. Die Sonne war dort verortet, die Sterne sind am Himmel und so war alles, was größer als die Menschen war gottgleich, war ein Symbol für Gott.
Natürlich neigte man damals zu einer dualistischen Weitsicht. Oben und unten, hier und dort, gut und böse. Eine solche Weitsicht ist problematisch und wir sollten sie vermeiden. Und deshalb meine ich auch, dass alles göttliches Bewusstsein ist, auch wir sind Teile dieses Bewusstseins, wir sind Kinder Gottes, um es einmal biblisch auszudrücken.


Bereiche des Kosmos

Aber wir können noch mehr erkennen. Denn aus Erfahrungen können wir schließen, dass es noch andere Bereiche gibt. Und ich zögere etwas, weil jede Beschreibung und jedes Bild, das ich jetzt benutze, nur ein Bild ist, nur eine Landkarte und nicht die Landschaft selber. Es gibt also den rein göttlichen Bereich, die Urquelle allen Seins, die Wohnstätte des Guten, Schönen und Wahren.
Dann scheint es ein Zwischenteil zu geben – es fällt mir schwer so zu sprechen, oben und unten, Bereiche und ähnliches sind wirklich nur Bilder, damit wir darüber sprechen können. Und dann gibt es den Bereich, der unserer irdischen Welt am nächsten ist, den Bereich, den manche Akasha-Chronik nennen oder imaginale Welt oder kollektives Unbewusstes. Von hier bekommen wir Führung, Schutz und Intuition geschenkt. Hier werden unsere Gebete gehört. Als nächstes kommt die Erde oder wir Menschen mit unserem Bewusstsein. Unser Bewusstsein, das nie bis ganz zu Gott gelangt mit seinem Bewusstsein, aber doch die Fähigkeit besitzt, sehr weit hinauf zu kommen und ein sehr hohes Bewusstsein zu erlangen.


Und die Hölle?

Dann kommt schließlich die Unterwelt, biblisch wird dieser Bereich Hölle genannt. Das ist der Bereich, wo all das ruht, was nicht sein darf und sich nicht integrieren will. Vergessenes, Verletztes, Verstoßenes. Durch Jesu Abstieg in die Unterwelt gilt sein versöhnendes Angebot auch für diese Ebene.
Es ist ebenfalls Teil des Göttlichen Bewusstseins, aber eines, das sich selbst nicht als Teil davon versteht. Alles wieder eins zu machen, dass alle erkennen, dass sie Ausdruck des Einen, Abbilder Gottes sind, das war ein Teil der Lehre Jesu.
Das also ist der Himmel für mich. Er ist ein Symbol für den Raum des Mysteriums Gottes, symbolischer Ausdruck für das göttliche Bewusstsein. Und Du und ich, wir sind mitten darin und Teil davon. Das heißt es, Kind Gottes zu sein oder Gott den Vater als Abba anzusprechen.
Das heißt es, seinen Nächsten zu lieben, wie sich selbst, da der Nächste ich selbst bin.
Das heißt es, alles zu verkaufen, um die eine Perle zu kaufen, weil es nur eine Sache gibt, weil es keine zwei auf Erden gibt und im Himmel erst recht nicht.
Das heißt es, sich selbst zu verleugnen, da es nur ein Bewusstsein gibt. Und ein Bewusstsein, das sagt, Ich bin anders, ich bin alleine und völlig unabhängig ist ein Bewusstsein, das in die Irre geht.
Das heißt es, wenn der gute Hirte dem verlorenen Schaf hinterher geht, um diejenigen, die sich absondern wollen, freundlich zurückzuholen – und auch hier geht es nicht gegen Individuation, oder ist eine Rede für billigen Gruppenzwang. Es geht um Bewusstseinsprozesse.
Genau darum geht es.

korrigiertes Transskript


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