Warum Du lügen darfst!

5. August 2023

Warum sollte man lügen dürfen, und warum könnte es überhaupt gut sein zu lügen? Geht es um eine Notlüge, also eine Lüge, die dafür sorgen soll, dass Schlimmeres vermieden wird? Wie zum Beispiel, wenn man einer Freundin einen falschen Grund nennt, nicht zum Kaffee zu kommen, um die Beziehung nicht zu gefährden? Oder wie man vielleicht angibt, eine Mail deshalb nicht schon früher beantwortet zu haben, weil sie im Spam-Ordner gelandet ist, was natürlich nicht stimmte. Aber wer sagt schon gerne, dass man vergessen hat zu antworten?


Warum sollte man lügen dürfen? 

In diesem Video möchte ich Dich auf eine Reise in die Wahrheit mitnehmen. Denn wenn wir vom Lügen sprechen, dann sprechen wir eigentlich von der Wahrheit. Die Wahrheit existiert, während die Lüge nur Illusion ist.

Am Ende dieser Reise wird klar sein, warum und wann und wie man lügen darf. Dazu müssen wir uns dringend darüber unterhalten, was Wahrheit überhaupt ist. Diese große und klassische Frage wurde schon von Pontius Pilatus im Rahmen der Verhandlung über Jesu Schicksal gestellt. Jesus teilte Pilatus mit, dass er gekommen ist, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Pilatus antwortete darauf mit der berühmten Frage:

 

Was ist Wahrheit?

Aber ist das nicht klar, ist es nicht eindeutig, was Wahrheit ist? Wenn in den letzten Jahren von alternativen Fakten, von Fake-News und Lügenpresse gesprochen und manchmal geschrieben wurde, stecken dahinter doch ganz bestimmte Bilder von Wahrheit.

Doch wenn wir zum Beispiel einen Abschnitt aus dem Evangelium oder aus Buddhas Lebensbeschreibung nehmen, dann haben wir es hier mit einer ganz anderen Form der Wahrheit zu tun.

Und ich kann weiter fragen: Sind Nahtoderfahrungen wahr? Sind subtile Wahrnehmungen wahr, also Wahrnehmungen von spirituellen Energien oder Wesenheiten oder Verdichtungen? Viele berichten darüber, es gibt Bücher und Filme dazu. Aber sind diese Geschichten wahr? Oder ist es Lüge?

Du merkst vielleicht, die Frage nach der Wahrheit ist nicht nur eine komplexe philosophische Frage, sondern auch eine spirituelle Frage, die uns unbedingt angeht.

Denn nach der üblichen Auffassung von Wahrheit ist vieles, was wir als spirituell erlebende Menschen erfahren, vielleicht nicht gerade eine Lüge, aber doch nicht wahr. Wir machen uns etwas vor, wir unterliegen einer Täuschung, was ja nur der Vorhof der Lüge ist.


Christentum und die Wahrheit

Das ganze Modell Kirche und das übliche Christentum ist aufgebaut auf dem Begriff der Wahrheit. Es fängt damit an, dass behauptet wird, Jesus habe wirklich gelebt. Ich will das nicht in Abrede stellen, aber bewiesen ist das nicht. Es gehört nicht zu den unumstößlichen Wahrheiten. Aber die Historizität der christlichen Botschaft gehört zum Fundament des Glaubens. Damit wird ausgedrückt, dass es nicht nur individuelle Erfahrungen sind, bei denen man sich gehörig täuschen kann. Oder wie Petrus es in seinem Brief schrieb: "... wir sind nicht klug ausgedachten Geschichten gefolgt, als wir euch die machtvollte Ankunft unseres Herrn Jesus Christus kundtaten, sondern wir waren Augenzeugen seiner Macht und Größe."

Es geht hier um Augenzeugenschaft, wir haben es mit eigenen Augen gesehen. Das sagen auch wir, wenn wir unterstreichen wollen, dass etwas wahr ist.

Aber was ist damit gemeint? Es ist ein Verständnis von Wahrheit, das auf folgendem Grundsatz beruht: Wahr ist, wenn eine Aussage mit der Sache übereinstimmt, über die sie gemacht wird. Wenn ich einen Apfel esse, dann ist das wahr, wenn ich tatsächlich den Apfel esse.


Wissenschaft und die Wahrheit

Das klingt simpel und nachvollziehbar. Aber wie sieht es dann mit Erfahrungen aus, die nicht nachprüfbar sind? Was ist, wenn ich behaupte, dass ich eine Engelerfahrung in einem Wald oder einer Kirche gemacht habe? Ist das dann auch wahr oder ist es eine Täuschung? Oder gar eine Lüge?

Unser Begriff von Wahrheit ist von der Wissenschaft stark geprägt - ich muss es mal wieder sagen. Und manchmal denke ich, dass ich wie ein Feind der Wissenschaft wirken muss. Dem ist aber nicht so, ich bin nur nicht dafür, ihr so viel Raum in unserem Geist zu überlassen.

In der Wissenschaft gilt, dass etwas nur wahr ist, wenn es unter gleichen Bedingungen anderen Menschen auch möglich ist, das Ergebnis herbeizuführen. Wenn ich eine neue Substanz entwickle, dann müssen andere diese Substanz auch entwickeln können, wenn sie den gleichen Weg wählen wie ich. Wenn es aber immer nur mir gelingt, dann ist das Ganze eine Lüge - wenn man es hart ausdrücken will.

Und der Engel ist nicht reproduzierbar, es ist keine Erfahrung, die alle machen, die so sind wie ich und sich zur gleichen Zeit unter gleichen Bedingungen an dem gleichen Ort aufhalten.

Ist also meine Erfahrung falsch, eine Lüge? Oder wie kann ich das verstehen? Kann eine Wahrheit individuell sein, muss sie nicht für alle gelten?


Die eigene Wahrheit 

Ich bin auf diese Frage gestoßen, als ich eine Antwort darauf erhielt, bevor ich die Frage stellen konnte. Und das ging so. Ich las vor ein paar Wochen ein Buch über einen Priester, der sich mit dem keltischen Christentum beschäftigt hat und diese Form des Christentums wirklich gelebt hat. Und der sagte in einem Gespräch mit dem Autor, dass für ihn das wahr ist, was ihn transformiert oder wandelt. Da bin ich hellhörig geworden. So hatte ich Wahrheit noch gar nicht aufgefasst. Für mich war es immer die Übereinstimmung von Aussage und Sachverhalt. Aber, dass Wahrheit das sein kann, was mich transformiert, das machte mich nachdenklich. Und kurze Zeit später las ich in einem ganz anderen Buch, dass Wahrheit das ist, was meiner Seele gut tut.

Und da stand ich mit meinem bisherigen Wahrheitsbegriff und fragte mich, wie ich diese Fragmente zusammen bekomme und zu einem Ganzen machen kann.

Wir haben es hier natürlich mit sehr unterschiedlichen Wahrheitsbegriffen zu tun. Und ich meine auch, dass wir es mit unterschiedlichen Ebenen von Wahrheit und damit auch von Lüge zu tun haben.

Eine Wissenschaft wird nicht leicht drumherumkommen und den eigenen Wahrheitsbegriff hochhalten müssen. Aber das muss nicht für uns gelten. Zwar will ich auch nicht, dass mir die Bank sagt, dass mein Kontostand nur eine individuelle Erfahrung ist, und doch gibt es eben noch andere Wahrheiten. Und das hat auch mit zwei Arten des Denkens oder der Informationsverarbeitung zu tun.


Die zwei Wahrheiten

Es gibt das Denken der Logik, berechnend, eindeutig und definierbar. Und es gibt die andere Form, Informationen zu verarbeiten und zu Entscheidungen zu kommen, und diese andere Art nenne ich mal Stimmigkeit.

Es gibt Dinge, die für mich stimmen und daher Teil meiner Wahrheit sind. Andere sehen das anders und finden das vielleicht Quatsch, dummes Zeug, Unsinn. Dennoch kann es sich für mich ganz stimmig anfühlen, und ich bleibe dabei.

Das geht bei der logischen Form von Informationen nicht, wenn die widerlegt sind, dann ist es vorbei. Bei der Stimmigkeit als unserem inneren Modus der Verarbeitung ist das anders.

Und so fragen wir uns hier, was ist für mich richtig, was fühlt sich stimmig an oder ich könnte auch sagen, was fühlt sich wahr für mich an. Kann man Wahrheit denn spüren? Ja, kann man, wenn man sie als Stimmigkeit versteht.

Stimmigkeit ist das Gefühl der Wahrheit für mich.

Und so kann die Engelerfahrung im Wald für mich sehr stimmig sein, und daher könnten mich noch so viele Argumente nicht umstimmen, es ist und bleibt meine Wahrheit.

Und noch so viele logische Argumente können vorgebracht werden, wenn ich in einer Kirche beim Gottesdienst oder bei der Meditation keine Stimmigkeit spüre, dann entspricht es nicht meiner Wahrheit.

Wir haben alle unsere Wahrheit.

Das Problem entsteht, wenn man diese beiden Ebenen miteinander vermischt. Wenn meine stimmige Erfahrung zu einer festen Wahrheit wird, die für alle gilt, oder wenn ein Wissenschaftler meine Erfahrung mit seinen Instrumenten und Fragen untersuchen möchte.

Oder wenn man versucht, gefühlte Wahrheiten mit Argumenten zu begründen und daraus

 abzuleiten.

Und noch eine Wahrheit

Aber es gibt noch eine dritte Form der Wahrheit.

Wenn wir nämlich an die Wunder Jesu glauben, dann sind diese nach herkömmlicher Logik natürlich nicht möglich. Es ist demnach sehr, sehr unwahrscheinlich, dass etwas Derartiges stattgefunden hat. Aber ist es deshalb falsch? Ist es deshalb eine Lüge?

Es ist wahr, auf einer anderen Ebene und zwar radikal wahr. Vielleicht war es nicht beobachtbar, hätte niemand mit seinem Handy filmen können, wie Jesus auf dem Wasser ging. Aber auf einer anderen Ebene war es zutiefst wahr, weil es Menschen bewegt und verändert hat, weil sich darin eine Wahrheit ausdrückt, die eben nicht aus reiner Logik daher kommt, die uns nicht überzeugen will, sondern gewinnen und inspirieren möchte.

Ist die Bibel wahr? Ja, sage ich, die Bibel ist wahr, aber nicht so wahr wie ein Lexikon oder die Berichte in der Tagesschau. Sie ist wahr, weil sich darin etwas Stimmiges aussagt und zu uns spricht.

Anders kann sich das Spirituelle gar nicht mitteilen, als zum Einzelnen hin, als individuell. Die spirituelle Erfahrung ist zutiefst individuell.


Was Du bedenken solltest

Und wenn ich auf all das jetzt zurückblicke, was ich gesagt habe, dann komme ich zu folgenden wichtigen Aspekten, die ich Dir nahelegen möchte:

Zuerst und vor allem: Traue Deiner Wahrnehmung. Ein schönes Wort, es geht darum, etwas für wahr zu nehmen. Was Du wahrgenommen hast, ist Teil Deiner Wahrheit. Täuschungen gibt es überall, aber wichtig ist, sich nicht gleich verunsichern zu lassen, weil andere anders wahrnehmen. Traue Deiner Wahrnehmung und ziehe sie nicht zu schnell in Zweifel.

Sei auf der Suche nach Deiner Wahrheit. Dazu gehört natürlich auch die logische Wahrheit. Etwas darf auch logisch sein, und wenn es das nicht ist, so kann man diesen Punkt nicht einfach übergehen. Aber dennoch darfst Du Deine Wahrheit haben, wenn sie auf Deinem Denken und Deiner Erfahrung beruht.

Und deshalb traue dem, was Dir plausibel erscheint, eben stimmig, nachvollziehbar. Vermutlich bist Du keine Wissenschaftlerin oder ein Wissenschaftler, daher werden wir nicht alles mit der Logik so begründen wollen, dass es Eingang in ein Lexikon bekommt. Aber das müssen wir auch nicht. Entscheidend ist, dass wir die Ebenen nicht vertauschen. Geht es Dir um Stimmigkeit oder geht es Dir um logische Plausibilität? Und Deine Stimmigkeit, die kann Dir niemand nehmen noch anzweifeln.

Tja, und die Lüge? Wenn etwas für Dich zutiefst stimmig erscheint, dann bleibe dabei, auch wenn es nicht gleich logisch ist. Oder man könnte es auch krass sagen, wenn es von der Logik her betrachtet eher einer Lüge gleichkommt.


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