Warum Widerstand im Leben dazugehört

23. August 2022

Wenn Du Biografien magst und schon einige gelesen hast, dann kann Dir auffallen, dass es im Leben vieler Menschen immer ein Phänomen gibt. Dass sie nämlich mit einem großen Widerstand zu leben und zu kämpfen haben. Manchmal ist der Widerstand personifiziert in einem Menschen, der sich bewusst und gezielt gegen jemanden stellt oder es sind Widrigkeiten des Lebens, wie Armut, Naturkatastrophen oder Krankheit. Immer wieder kommen solche Ereignisse vor, vor allem bei Menschen, über die es sich lohnt eine Biografie zu schreiben.


Beispiele

Jesus zum Beispiel hatte solche Gegnerschaft. Er fand sie in den Männern, die die Hohen Priester zu seiner Zeit waren. Und auch Pilatus kann als solcher angesehen werden.

Hildegard von Bingen hatte gleich mehrere solcher Widerstände im Leben. Da waren einige Bischöfe, die versuchten, Hildegard mundtot zu machen und da waren häufige Erkrankungen unter denen sie litt.

Auch Martin Luther King musste mit Widerstand leben und starb an diesem Widerstand. Ein Teil der weißen amerikanischen Elite war massiv gegen Martin Luther King und bereitete so die Atmosphäre vor, die dann James Earl Ray dazu brachte, King umzubringen.

Und wir können auch auf Gandhis Leben schauen, denn für ihn waren offensichtlich nicht nur die Engländer ein Widerstand, sondern auch radikale Hindus. Einer davon brachte ihn letztlich um.

Und so könnte ich meine kleine Liste fortsetzen: Meister Eckhart, Franz von Assisi oder Therese von Lisieux. Alle haben Widerstände im Leben erfahren müssen, alle kamen in Kontakt mit dem Widerständigen im Leben.

Und ich kann noch jemanden anfügen. Dich nämlich. Schau in Dein Leben. Hast Du etwa ein Leben ohne Widerstand? Bist Du jemand, der nur vom Glück geküsst wurde?


Meine eigene Erfahrung

Ich selber haben das Widerständige immer erleben müssen. Und ich musste irgendwann feststellen, dass ich selber mein größter Widerstand war und bin. Die Fallen, die ich mir selber gestellt habe, die Wagnisse, die ich eingegangen bin und die dummen Entscheidungen und fatalen Fehler, sie haben mich viel gekostet in meinem Leben. 

Ich glaube, dass niemand von uns ausgenommen ist, dass jede und jeder die Erfahrung des Widerständigen auf irgendeine Art und Weise machen wird und machen muss. Widerstand ist ein Teil des Lebens. Schon die Geburt beginnt ja mit einem Widerstand, den wir zu überwinden haben.

Und mir scheint daher, dass Widerstand eine Art Mechanismus des Lebens ist, eine Bewegung des Lebens, die notwendig ist. Dass kann man erkennen, wenn man mit Menschen spricht, die aufgrund eines Widerstandes eine Art Erweckung erlebt haben. Das kann durch Krankheit oder auch durch Schuld geschehen. Da wacht jemand auf und kommt auf einen guten und eigenen Weg.

Früher brachte man das Widerständige im Leben oft mit dem Teufel in Verbindung. Diese Personifizierung des Bösen.

Er stellte uns Fallen, legte uns rein, brachte Unheil über uns und sorgte dafür, dass wir immer wieder gefallen sind, dass wir immer wieder verloren haben und uns gegen uns selber stellten.

Ich selber bin kein Freund einer solchen Personifizierung des Bösen. Es ist mir einfach zu oberflächlich und wirkt naiv und kindisch.

Das soll uns aber nicht von dem Weg abbringen, den wir eben begonnen haben. Denn das Widerständige ist Teil des Lebens, Teil eines jeden Lebens.


Zweck des Widerstands

Wenn dem so ist, dann hat der Widerstand vielleicht auch einen Sinn und Zweck?

Ja, das sehe ich so, ich sehe so, dass Widerstand notwendige Beigabe des Lebens im Leben ist. Wir sind auf einem Weg in einen Raum mit unendlicher Weite von vorne hin, in diesen Raum sind wir gestellt, alles dient unserer Vergöttlichung, dient unserem Weg, Gott immer ähnlicher zu werden.

Und der Widerstand ist ein Teil dieses Wegs und dieses Prozesses.

Der erste Schritt anders mit den Widerständen des Leben umzugehen heißt also, Widerstand anzunehmen, ihn als ein dazugehörigen Teil des Lebens anzusehen. Sich dagegen zu wenden, versuchen mit allen Mitteln verschont zu bleiben, das hilft nicht, das hilft gar nicht. Ich weiß, es ist schwer das zu ertragen und anzunehmen, aber wir müssen immer damit leben und rechnen, dass irgendwo schon der nächste Widerstand auf uns wartet. Und wenn wir es selber sind.

Widerstände sind dabei immer auch Augenblicke der Versuchung. Wir können das bei Jesus sehen. In der Wüste begegnete er dem Widerständigen in reinster Form. Er begegnete dem Widerstand als Widerstand selber. Gibt er dem nach? Kann er standhaft seinen Weg weiter gehen und bleibt er sich und seinem Auftrag treu? Das sind die Versuchungsmomente seines Lebens gewesen. Denn Jesus wurde nicht nur versucht, er war auch versuchbar, er war anfällig für Versuchung, wie wir alle.

Ein Widerstand ist eine Frage an Dich und verlangt nach einer Antwort, nach Deiner Antwort.


Sei vorbereitet

Sei daher vorbereitet auf den Widerstand, das ist ein weiterer Schritt, wie Du mit dem Widerständigen umgehen kannst. Bereite Dich darauf vor. Wenn Du etwas vorhast, wenn Du ein persönliches oder berufliches Projekt hast, dann mache Dich auf den Widerstand gefasst.

“Kind, wenn Du herantrittst, um dem Herrn zu dienen, / mach Dich bereit für die Erprobung! Richte Dein Herz aus und sei standhaft! / Und überstürze nichts zur Zeit der Bedrängnis! … Denn im Feuer wird Gold geprüft / und die anerkannten Menschen im Schmelzofen der Erniedrigung. / In Krankheiten und Armut setze auf ihn Dein Vertrauen!”

So steht es in dem biblischen Buch Jesus Sirach. Schon immer wussten Menschen von dem Widerständigen im Leben, dass es kommen wird, dass niemand verschont bleibt und dass es gerade dann gilt, standhaft zu bleiben, der Versuchung nicht nachzugeben und den eigenen Werten und Haltungen treu zu bleiben.

Wenn es uns dann gelingt, den Widerstand im Leben anzunehmen, ihn zu empfangen und in Liebe anzunehmen, dann sind wir auf einem guten Weg. Das ist nicht leicht, nicht mal schnell erledigt, das Leben hat immer neue Ideen für uns auf Lager, daher meine nicht, wenn Du schnell bist, kommst Du schneller an.


Widerstand als Möglichkeit

Stattdessen sieh den Widerstand als eine Möglichkeit der Reifung und Weitung Deines Lebens. Werde weiter und dehne Dein Leben aus – nicht zeitlich, sondern qualitativ. Die Kraft Deines Lebens steht in Korrelation mit dem Grad an Widerstand dem Du ausgesetzt bist und den Du erlebt und angenommen hast.

Stets sind wir dabei geboren zu werden, stets müssen wir durch eine enge Schlucht, müssen durch ein Tor, das viel zu klein für uns ist. Und doch werden wir es versuchen und doch gibt es keinen anderen Weg. Er muss gegangen werden und ob Du es willst oder nicht, Du wirst diesen Weg gehen.

Übe Dich also schon jetzt in Gleichmut, übe Dich im Annehmen und erhalte oder schaffe Dir eine Haltung, die Dich in solchen Augenblicken des Lebens unterstützt und Dich anspornt weiterzugehen und jeden Widerstand als Herausforderung anzunehmen.

Wenn Du die tiefe Weisheit erkennst, die in der Tatsache liegt, dass Widerstand zum Leben dazu gehört, dann wirst Du zwar nicht den Widerstand gleich lieben, aber Du wirst verstehen und Du erkennst Sinnhaftigkeit in dem, was Dir das Leben entgegenstellt.

So wird Widerstand zu Deinem Freund.


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