Wie Du Gott in Dein Leben bringst

29. April 2023

Es ist eine der größten Herausforderungen im spirituellen Leben, den Alltag mit dem Geist zu verbinden, Spiritualität zu etwas Alltäglichem zu machen. Schöne Wochenenden in einer fantastischen Landschaft, oben in den Bergen oder am See, da ist es für jeden leicht. In einer weiten und hohen gotischen Kathedrale irgendwo in England zu sitzen oder in einem Meditationsraum, der durchdrungen ist von Stille. An solchen Orten ist es nicht schwer, spirituell zu sein, da fällt es sogar eher schwer, es nicht zu sein.
Was aber, wenn ich am nächsten Montag wieder am Schreibtisch sitze, unter Neonröhren oder zahlreichen LEDs, mit Stapeln von Vorgängen und Papieren? Was, wenn ich dann wieder zu Hause bin, in meiner leeren Wohnung oder umgeben von Kindern, wenn ich dann wieder in meinem Reihenhaus sitze? Spiritualität gehört in den Alltag, dort geschieht alles Wesentliche. Die schöne Zeit im Meditationszentrum, das intensive Seminar können nur etwas vorbereiten, was dann im Alltag stattfinden soll.


Wie aber kommt Gott in den Alltag hinein?

Natürlich ist Gott schon im Alltag, die spirituelle Kraft ist überall zu finden und es gibt kein Vakuum, in dem davon nichts zu finden wäre. Wir müssen diese Präsenz also nicht herstellen, sondern lernen, sie wahrzunehmen und uns nicht völlig von dem, was man zu tun hat, absorbieren lassen. Es braucht dafür eine Kultivierung unserer Spiritualität. Und Kultur lebt von Wiederholungen, von Setzungen und Formen. Und Du brauchst für Deine Spiritualität eine solche Kultur in Deinem Leben.
Ich werde Dir jetzt einige Hinweise geben, was zu einer solchen Kultur gehören kann. Manches bezieht sich eher auf eine Haltung, anderes zielt direkt darauf ab, dass Du etwas tust und machst, damit Dein Alltag durchzogen wird vom spirituellen Leben, von Gott.


Warten und für möglich halten

Eine wichtige Qualität der alltäglichen Spiritualität ist für mich das Warten und Erwarten. Manchmal ist der Begriff der Möglichkeit sogar besser. Halte ich es für möglich, dass Gott mich in meinem Leben trifft und berührt? Erwarte ich es überhaupt, dass mein Alltag sich ändert, dass ich ein Leben führe, das ganz vom Geist Gottes geprägt ist? Oder hast Du längst schon aufgegeben? Ist es zu mühsam? Erwartung ist eine offene Haltung und etwas für möglich zu halten ist dabei noch offener, weil es die Komponente Zeit nicht in sich trägt. Etwas kann möglich sein, muss aber nicht passieren.
Wie sieht es da aus? Erwartest Du überhaupt etwas in Deinem Alltag? Hältst Du Deinen Alltag überhaupt für spirituell, ganz grundsätzlich?


Ruminatio

Neben diesen eher grundsätzlichen Überlegungen möchte ich Dir vor allem aber einige ganz konkrete Hinweise geben, was Du tun kannst, wenn Du möchtest, dass Dein Alltag spiritueller wird.
Dieses Thema hatten übrigens auch schon die ersten Mönche und Nonnen, die in der Wüste lebten. Das war zwar einerseits ein sehr zurückgezogenes Leben, aber dennoch hatten sie die gleiche Frage. Was mich dazu bringt darauf hinzuweisen, dass Du die gleiche Frage nach dem Alltag stellen würdest, selbst wenn Du in einem der besten Meditationszentren leben würdest oder im strengsten Kloster überhaupt. Das möchte ich nur mal so als Seitenbemerkung erwähnen. Die besonderen Kirchen wirken deshalb so intensiv, weil wir sie so selten besuchen. Würden wir jeden Tag hineingehen, dann wäre die Wirkung auf Dauer deutlich schwächer.
Zurück zu den ersten Mönchen. Sie haben eine Methode entwickelt, wie man mit wertvollen Texten und Sätzen in den Alltag gehen kann. Die Mönche beziehen sich natürlich auf Bibelverse, Du kannst aber auch etwas anderes nehmen. Genannt wird diese Art der Alltagsmeditation Ruminatio, das heißt Wiederkäuen. Und wie eine Kuh, die ihr Frühstück zu späterer Stunde wiederkäut, so kaust Du ein Wort oder einen Satz, der Dir etwas bedeutet, wieder. Und das heißt, dass Du es immer wieder wiederholst und auf Dich wirken lässt. Es ist kein Mantra, sondern eine Form der Textmeditation. Immer wieder am Tag sprichst Du innerlich das Wort und lässt es in Dich hineinsinken. Du musst nicht angestrengt darüber nachdenken, sondern lediglich es wirken lassen. Eine solche Meditation ist wie ein Sesam-öffne-Dich für Deine Seele und eine große Hilfe gegen die Manipulationen dieser Welt. Eine Art Gegengift gegen die Belanglosigkeit, die uns überall begegnet.


Lectio

Der nächste Aspekt ist nicht ganz so exotisch. Es betrifft das Lesen. Auch hier haben die alten Mönche etwas entwickelt. Sie haben die so genannte Lectio divina geübt. Das ist eine Form des Lesens, nicht, um sich zu informieren und zu bilden, sondern, damit die Seele genährt wird. Es beginnt mit einem Gebet, dem Lesen und vielleicht nochmaligen Lesen eines Textes und dann lässt man das Gelesene wieder wirken und schaut, was einem begegnet. Um es kurz zu machen: Wer spirituell leben möchte, der sollte immer auch ein spirituelles Buch auf dem Nachttisch haben, das ist meines Erachtens eine “Pflicht”. Du brauchst Futter für die Seele, etwas, das diesen Aspekt in Dir unterstützt und stärkt.


Stilles Stehen

Körperarbeit ist der nächste wichtige Punkt. Und ich meine jetzt nicht gleich lange Yoga-Sequenzen, schweißtreibende Übungen oder aufwendige Bewegungsabläufe. Ich halte zum Beispiel viel vom Stillen Stehen. Einfach dastehen, aufgerichtet, gesammelt, ganz bei sich. Dafür kann der Augenblick im Aufzug schon reichen. Nutze solche Momente in Deinem Alltag. Das können auch das Warten an der Haltestelle, bei der Kasse oder vor der Ampel sein. Einen Moment bewusst stehen, in Dich hineinspüren, sich ganz in den Himmel recken, die Füße in den Boden drücken und da sein. Ein aufrechter Mensch, aufgespannt zwischen Himmel und Erde. Und danach kann es mit dem ersten Schritt, der Dich aus dem Stehen in die Bewegung bringt, wieder losgehen. Solche Augenblicke sind total kostbar und wichtig. Sie nehmen keine Zeit in Anspruch und sehen auch nicht gleich komisch aus, wecken also keine Aufmerksamkeit anderer.
Auch hier ein kleiner Exkurs in die Spiritualitätsgeschichte. Es gab nämlich in den Anfängen des christlichen Mönchtums sogenannte Säulenheilige. Sie standen über lange Zeit auf einer Säule und wurden über eine Leiter versorgt. Diese Form wäre dann vielleicht ein wenig zu viel verlangt, aber das Stehen ist eben eine spirituelle und sehr einfache Form, das sagt uns dieser kleine geschichtliche Exkurs.


Körper öffnen

Neben dem Stehen gehört auch die Offenheit des Körpers, spirituelle Energie überhaupt aufzunehmen, dazu. Spiritualität ist immer auch ein körperlicher Prozess. Und wenn unser Körper nicht bereit ist, die Energie aufzunehmen, dann kann sie sich auch nicht in uns manifestieren. Und wenn sie sich in uns manifestiert hat, dann fällt es uns auch leichter, im Alltag spirituell zu leben.
Eine einfache Möglichkeit ist die bewusste Aufnahme von spiritueller Energie. Nimm Gott in Deinen Körper auf. Und wenn Du das nicht spürst, so stelle es Dir vor, das reicht aus. Stelle Dir vor, wie die spirituelle Energie in Deinen Körper fließt und jede Zelle erfüllt. Damit hast Du schon einen guten Anfang gesetzt, damit die göttliche Kraft in deinem Körper Wohnung nimmt.


Aktiv das Bewusstsein erweitern

Wenn wir vom Alltag sprechen, den wir gerne spiritueller erleben möchten, dann sprechen wir auch über das Bewusstsein. Wir sprechen vom Alltagsbewusstsein und vom spirituellen Bewusstsein. Eigentlich geht es bei der Frage, wie Gott in den Alltag kommt, darum, wie wir in einen Bewusstseinszustand kommen, der so weit ist, dass Gott darin Platz finden kann. In einem meiner früheren Videos sprach ich bereits davon.
Ein spirituelles Bewusstsein ist geprägt von Weite. Der Alltag ist oft sehr fokussiert oder äußerst eng. Das macht es so schwierig, spirituell zu sein, bzw. sich so zu erleben. Es ist wichtig, mein Bewusstsein in eine Weite zu bringen.
Innere Bilder können uns helfen, in einen anderen Bewusstseinszustand zu kommen. Hier kann es ein Bild sein, wie man auf einem Gipfel steht und in die Weite schaut oder am Meer die Unendlichkeit des Horizonts betrachtet.
Innere Bilder können helfen, ein solches Bewusstsein zu bekommen. Ein spirituelles Bewusstsein ist verbunden und nicht getrennt. Ich kann dann spüren, wie ich mit allem verbunden bin und in Beziehung stehe. Als innere Bilder kommen in Frage: Die Erinnerung des letzten schönen Spaziergangs durch den Wald oder auf einem Gipfel. Oder auch die Dankbarkeit angesichts einer blühenden Blume.


Tiefe ins Leben bringen

Ein spirituelles Bewusstsein ist weiterhin von Tiefe geprägt. Tiefe ist das Gegenteil von oberflächlich. Für mich gibt es ein bestimmtes Bild, das mich immer wieder mit meiner eigenen Tiefe in Berührung zu bringen vermag. Es sind Bilder von Bäumen im Nebel. Wenn ich solche Bilder sehe, dann spüre ich sofort Tiefe in mir. Schau mal, welche Bilder Dich sofort mit Deiner Tiefe in Verbindung bringen. Das sind ganz kostbare Schätze für den Alltag.
Solche Bilder zu nutzen kann ich Dir nur empfehlen. Es reicht eine Fotografie in einem Buch, unter der Schreibtischunterlage oder natürlich die Erinnerung und das bewusste Hervorrufen solcher Bilder.


Der Alltag ist eine Reise

Zum Schluss noch dies. Was auch immer Du tust und vielleicht neu in Dein Leben und Alltag aufnimmst. Der Alltag ist immer eine Reise. Es ist Dein Weg, von dem wir hier sprechen. Und Du darfst schauen, was Dir dabei gut tut. Zwar lässt sich nicht alles ändern, aber für jeden und jede gibt es Räume der Gestaltung und diese solltest Du auch für Deine Spiritualität nutzen. Schau, was Dir hilft und guttut. Gerade im spirituellen Leben ist es wichtig, nicht einfach ein Rezept zu suchen, ein Buch zu lesen und dann alles genauso zu machen. Im Grunde ist es so, dass jede und jeder seine eigene Religion entwickelt. Es gibt keine zwei Menschen, die gleich glauben und spirituell sind. Daher mache aus Deinem Alltag etwas Individuelles und Einzigartiges. Nutze Deine Freiräume, lass Dich inspirieren und dann mache Dich ans Werk.

korrigiertes Transskript


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