Warum Du Dein Bewusstsein erweitern solltest

22. April 2023

In den siebziger und achtziger Jahren war der Begriff, das eigene Bewusstsein zu erweitern, noch viel mehr in Gebrauch und ein modernes Synonym für ein zeitgemäßes spirituelles Leben. Viele waren darauf aus, sich dem Bewusstsein zuzuwenden und dessen Grenzen zu erweitern. Zahlreiche Übungen und Praktiken wurden gelehrt und in Gruppen geübt, damit es einem endlich gelingt. Manche haben vergeblich darauf gewartet und viele haben sich etwas anderes darunter vorgestellt.

Und auch, wenn das Thema heute nicht mehr so wichtig zu sein scheint, ist und bleibt es eine wichtige Aufgabe auf dem spirituellen Weg.

Denn wer in die spirituelle Welt tiefer eindringen möchte, wer tiefere Erfahrungen machen und damit in Kontakt treten möchte, der wird um eine Erweiterung des Bewusstseins nicht herumkommen. 


Unser Alltagsbewusstsein

Normalerweise sind wir in unserem Alltagsbewusstsein. Wir stehen morgens auf, machen Kaffee, lesen die Zeitung, gehen zur Arbeit, kommen zurück, gehen einkaufen, machen das Abendessen, gucken einen Film und gehen ins Bett. Für die einen oder den anderen gehören vielleicht noch andere Elemente dazu, aber wir alle haben einen Alltag, der auch vom Alltagsbewusstsein geprägt ist. Und in diesem Bewusstsein geht es vor allem darum, dass etwas funktioniert und erledigt wird. Es ist kein schlechtes Bewusstsein, es ist notwendig, damit das praktische Leben klappt. Wer aber mit diesem Bewusstsein spirituell sein will, der wird nicht weit kommen. Denn dieses Bewusstsein kennt nur die nächste Aufgabe: kleine Handgriffe, Methoden und gewohnte Handlungen. Weit kommt man damit im spirituellen Leben nicht.

Das wussten die Menschen zu allen Zeiten und in allen Generationen. Sie haben es anders benannt oder vielleicht gar nicht direkt darüber gesprochen. Doch allen war bewusst, dass es für eine spirituelle Erfahrung einen anderen inneren Zustand braucht. Allein die Kirchen, ich meine jetzt die Gebäude, sind ein Beispiel dafür. Außer vielleicht ein paar Adlige und Könige, ansonsten lebte niemand in solch großen und teilweise prachtvollen Räumen.


Kirchraum als Ort der Bewusstseinserweiterung

Bedenke einmal, wie eine barocke Kirche gewirkt haben muss am Ende des Dreißigjährigen Krieges, eines Krieges, der so viele Opfer forderte und überall Elend brachte. Und wenn dann ein Bauer und seine Frau einen langen Weg zurücklegten, um in eine Kirche zu kommen, vielleicht im Rahmen einer Wallfahrt und dann aus dem Dreck und Staub, dem Elend heraus in eine der großen barocken Kirchen eintraten, dann sahen sie nicht ihren Alltag, sondern traten ein in etwas Überwältigendes und Großes. Die Kirchen sind auch deshalb nicht so gebaut, wie unsere Wohnzimmer, weil sie Andersräume sind, Räume, die uns in einen anderen Bewusstseinsraum bringen sollen, raus aus dem Alltag und rein in die spirituelle Erfahrung.

Aber es geht noch weiter! Jedes Kreuz an der Wand, jedes Bild, der Rosenkranz, das Gebetbuch, die spirituellen Bücher. Sie alle haben eine gleiche Funktion, sie sollen unser Bewusstsein erweitern. Bin ich auch im Alltag oft mit Problemen konfrontiert, dann kann ein Kreuz an der Wand mir eine erweiterte Sichtweise schenken. Ich spüre dann vielleicht eine Verbundenheit mit Gott, die mich wenigstens für einen Augenblick durchatmen lässt. Natürlich kann es auch etwas ganz anderes sein, es muss nur für mich eine aufgeladene Bedeutung haben. 

Und ein Buch kann mir ohnehin helfen, meine Erfahrungen in einen größeren Kontext zu stellen und zu verstehen.

Ein erweitertes Bewusstsein hilft mir, weiter zu schauen, mehr zu erfahren und wahrzunehmen. Das Alltagsbewusstsein ist dagegen klein und hat wenig Spielraum. Dafür ist es praktischer und kann schneller reagieren.


Ein ewiger Weg

In einem seiner frühen Büchern hat Ken Wilber diesen Prozess der Erweiterung des Bewusstseins sehr schön dargestellt. Es beginnt schon als Säugling und verlässt uns das ganze Leben nicht. Manche von uns spalten im Laufe der ersten Jahre bestimmte Erfahrungen ab, verdrängen sie. Dann heißt es, das Bewusstsein zu erweitern und diese Anteile wieder für das eigene Erleben zurückzugewinnen.

Irgendwann kommst Du dann an die Grenze Deines eigenen Lebens,und dann geht es nicht mehr nur darum, dass Du alle Aspekte Deines Lebens in Deine Wahrnehmung bringst, sondern dann geht es sogar darum, dass Du diese ganze Welt – die sichtbare und unsichtbare in Dein Erleben bringst.

Du kannst Dir das wie einen Trichter vorstellen. Je weiter Du kommst, umso weiter wird die Öffnung des Trichters und Du hast mehr Raum, etwas wahrzunehmen. Das, was für Dich Wirklichkeit ist, erweitert sich, wird größer und umfassender. Am unteren Ende des Trichters, wo es also eng ist, besteht die Welt vielleicht nur aus dem, was man anfassen kann, nur aus Logik und Verstand. Doch wenn man weitergeht, wenn man sich langsam nach oben bewegt, dann merkt man, dass es da mehr gibt, dass es auch Verstand und Logik gibt, aber es gibt etwas, was darüber hinausgeht und sich vielleicht sogar der Logik im herkömmlichen Sinne völlig entzieht.

Und dann wird es auch verständlich, wenn manche Menschen Dir nicht folgen können. Sie können das, was Du wahrnimmst, nicht wahrnehmen, weil so etwas nicht zu ihrer Realität gehört. Und Du kannst auch verstehen, dass andere vielleicht noch mehr wahrnehmen, Du aber noch nicht.

Und überlege einmal, was wäre, wenn Du Dich ganz weit hinaus wagen würdest. Du würdest den Weg durch den Trichter weiter gen Öffnung gehen, Dein Verhältnis und Verständnis von Wirklichkeit und Realität weiten sich noch um ein Vielfaches. Wie wärst Du dann? Was würdest Du dann alles wahrnehmen? Und wie würdest Du dann mit Deiner momentanen Situation umgehen?

Kannst Du Dir das vorstellen? Vielleicht nicht ganz, vielleicht aber ein wenig und so hast Du gleich schon einen Weg kennengelernt, wie man das eigene Bewusstsein erweitert. Aber dazu kommt gleich mehr.


Mehr Leben im Leben

Denn das möchte ich noch sagen. Bewusstseinserweiterung heißt nicht nur, einen erweiterten Begriff von Wirklichkeit zu haben, sondern auch vom Leben. Mit einem erweiterten Bewusstsein wirst Du immer mehr von dem verstehen, was Leben ist – nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ. Du wirst ein Mehr an Leben in Deinem Leben spüren und eine größere Fülle wahrnehmen.Es ist vielleicht ja ein Ansatzpunkt gerade, wenn es um Drogen und Alkohol geht, dass Menschen nach solchen Substanzen greifen und sie missbrauchen, weil sie aus der Enge ihres Bewusstseins in die Weite wollen und sich wenigstens für ein paar Stunden diesen Zustand gönnen möchten.

Aber es verändert sich nicht nur unser Verständnis von Bewusstsein. Es verändert sich unser Verständnis von Gott und unser Verhältnis dazu.Wer Gott vor allem rational verstehen möchte, geprüft, abgesichert, durch Doppelblindstudien getestet, bestätigt und bewiesen, zugestimmt, dokumentiert und festgehalten, der wird nicht weit kommen. Und mit “nicht weit kommen” meine ich, dass ein solcher Mensch nicht weit auf dem Weg innerhalb des Trichters vom Anfang bis hin zum Ende, zum offenen und weiten Ende des Trichters kommt. Wer sein Bewusstsein erweitern möchte, wer in neue Dimensionen vorstoßen will, der muss irgendwann das Geprüfte verlassen, das sichere Terrain ist dann nicht mehr seins. Das mag anfänglich beängstigend sein, aber mit der Zeit wirst Du spüren, dass auch das trägt.


Es gibt auch Gefahren

Es gibt natürlich auch die andere Seite, dass Menschen zu früh, unbegleitet und durch äußere Gewalt in eine solche Weite kommen, in ein Bewusstsein, das mehr wahrnimmt, als andere. Das nennen wir dann manchmal psychotische Zustände. Menschen hören Stimmen und sehen Bilder, die sie als ganz real verstehen.

Es ist also auch nicht völlig ungefährlich, vor allem, wenn man zu schnell geht oder dazu gezwungen wird. Aber das ist eine Ausnahmesituation. Die Regel ist, dass man erst gar nicht richtig losgeht.

Und wenn Du schrittweise gehst, dann ist die Gefahr sehr gering – die Gefahr steckenzubleiben ist statistisch auf alle Fälle höher.

Es ist gut, wenn es in schwierigen Fällen Menschen gibt, die schon ein paar Schritte weiter sind und den sicheren Boden verlassen haben und dann wissen, was dann noch trägt.

Was kannst Du tun, damit Du an der Erweiterung Deines Bewusstseins arbeiten kannst? 


Psychedelika

Es gibt klassische Wege, nicht alle stehen uns zur Verfügung. So können wir in unserem Kulturkreis Psychedelika nicht einnehmen, da sie nicht erlaubt sind. Und wenn es erlaubt wäre, dann bräuchte es auf alle Fälle Menschen, die einen gut dadurch begleiten. Wenn Drogen Sinn ergeben, dann nur in einem geschützten und stützenden Umfeld mit viel Wissen um die Sache. Drogen sind nichts für Partys. 

Aber Drogen sind bei uns nicht erlaubt und so gibt es natürlich andere Wege.


Meditation

Meditation ist ein Weg. Ich verlasse mein Alltagsbewusstsein, indem ich meine Gedanken verlasse, mich nicht mehr damit identifiziere. Jede Identifikation ist ein Band an einer unteren und engeren Stufe. Mit jedem Fortschritt wirst Du ein Band kappen und eine Identifikation aufgeben müssen.

Körperarbeit kann sehr hilfreich sein. Übrigens auch Sport, nicht nur stille Formen wie Yoga. Eine Überanstrengung kann den Menschen in einen anderen Bewusstseinszustand bringen.


Musik

Musik ist eine weitere Möglichkeit. Ich zum Beispiel mache sehr gute Erfahrungen mit einer bestimmten Art von Musik. Ich müsste eigentlich eher von Klängen und Tönen sprechen. Sie helfen sehr gut dabei, in einen anderen Geisteszustand zu kommen der hilft, das Bewusstsein zu weiten und aus der Enge des Alltags in eine gewandelte Wirklichkeit zu gelangen.

Auch schamanische Reisen, also Imaginationen, begleitet von der Stimme einer Schamanin und mit Trommelschlägen, sind nichts anderes als eine Möglichkeit, das Bewusstsein zu erweitern.

Überhaupt sind starke innere Bilder, die mich in die Weite führen sehr hilfreich und können mich so im Alltag begleiten und meine Realität erweitern.


Neue Wahrnehmung

Und dann kann es geschehen, dass ich irgendwann spüre, dass da noch mehr ist. Dass ich nicht nur die Tasse in meiner Hand, die Tastatur unter meinen Finger und die Kleidung an meiner Haut spüre und wahrnehme, sondern dass in diesem Raum, in dem ich mich befinde, viel mehr passiert und geschieht. Das Phänomen Engel gehört in diesen Themenkreis, natürlich jede Gotteserfahrung und alles Spüren von Energien und Kräften, die unsere physische Welt übersteigen.


Und die Vernunft?

Aber was noch wichtig ist. Mit jedem Fortschreiten innerhalb dieses Trichters nehme ich das Vorhergehende mit. Und das heißt auch, dass ich immer auch meine Vernunft und meine Logik mitnehme. Und das soll ich auch, selbst in der größten Weite nicht über Bord werfen, sondern sie nutzen, weil sie mir helfen, Phantasiertes von real Erlebtem zu unterscheiden. Und das braucht es auf alle Fälle.


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