Wie Heilung geschieht

20. Dezember 2025

Vermutlich hast du in deinem Leben schon Verletzungen und Kränkungen erfahren. Es gehört leider irgendwie zu unserem Leben dazu, dass wir verwundet werden. Menschen überschreiten unsere Grenzen, enttäuschen uns oder tun etwas mit uns, was wir nicht wollen. Und wir müssen lernen, mit diesen Erfahrungen zu leben.

Jeder trägt Wunden vom Leben davon. Auch ich habe diese Erfahrung gemacht. Wenn ich auf mein Leben zurückblicke – meine Kindheit war nicht immer leicht –, dann kann ich nur sagen: Ja, ich habe gelernt, mit vielen Kränkungen und Verletzungen zu leben, und ich bin immer noch dabei, alte Wunden zu heilen.

Im Laufe meines Lebens habe ich viele Methoden und Techniken erlernt, um Menschen zu unterstützen. Ich begleite Menschen, die unter bestimmten Verletzungen leiden, die Erfahrungen aus der Vergangenheit haben, mit denen sie nicht fertigwerden. Diese Dinge hängen oft noch nach und beeinflussen das eigene Erleben – natürlich negativ.

Vielleicht kennst du das Gefühl? Du möchtest endlich da raus, endlich konstruktiv sein, dich gut fühlen, das Leben gestalten, es genießen und weiterkommen. Auch auf deinem spirituellen Weg ist es wichtig, dich diesen Wunden zu stellen.

Was ist das große Geheimnis der Heilung?

Bei all diesen vielen Dingen, die ich lernen durfte, habe ich mich gefragt: Was ist eigentlich die Essenz aus dem Ganzen? Was schlagen all diese unterschiedlichen Schulen und Therapien im Kern vor?

Natürlich unterscheiden sie sich, aber doch gibt es zwei Schlüsselkonzepte, die in ganz vielen Bereichen vorkommen und eine zentrale Rolle spielen. Manche benennen sie nicht explizit, aber sie sind trotzdem da.

Ich möchte dir diese beiden Dinge vorstellen, weil sie uns noch viel mehr verraten können, wie Heilung – auch auf einer spirituellen Ebene – geschehen kann. Was sind diese beiden Aspekte, die zusammenkommen müssen, damit Heilung fast wie von selbst passiert?


1. In Kontakt mit deiner Wunde kommen – aber richtig

Der erste Punkt ist: Du musst in irgendeiner Art und Weise in Kontakt mit deiner Wunde kommen. Das heißt, du musst die Emotion des Schmerzes spüren und hören, was dieser Schmerz dir sagen will. Eine Wunde hat meistens auch eine Aussage über dich. Das zu erkunden und zu verstehen ist ein wichtiger, erster Schritt.

Aber aufgepasst: Es geht nicht darum, sich von den Emotionen der Wunde überschwemmen zu lassen.

Der Ärger, die Wut, das Gefühl der Ohnmacht oder die extreme Verletzlichkeit, die in dieser Wunde konserviert sind – das kann ein sehr bedrückendes und tatsächlich überschwemmendes Gefühl sein.

Hier ist es manchmal notwendig, Begleitung zu haben. Sie hilft dir, nicht in diese Wunde hineinzugleiten und ganz in ihr zu verschwinden, dich von alten Erfahrungen auffressen zu lassen. Es ist wichtig, im Hier und Jetzt zu bleiben.

Ganz und gar Schmerz zu sein, ist nicht gut. Das nimmt man dann Traumatisierung. Das darf nicht passieren.

Dennoch: Ohne in Kontakt mit der Wunde zu kommen, geht es nicht.

Manche Dinge sind so tief abgespeichert, dass du sie gar nicht mehr spürst, obwohl du die negativen Auswirkungen spürst. Solange du den Schmerz auf dieser tiefen Ebene nicht spürst, ist es schwierig, ihn zu bearbeiten. Du wirst immer irgendwie darauf hinarbeiten müssen, ihn wieder zu spüren, damit sich etwas lösen kann.

Du musst also in Kontakt kommen mit deiner Wunde, und zwar so, dass du handlungsfähig bleibst und sie auch wieder zur Seite legen kannst.

Das ist wichtig. Du brauchst den Eindruck: Ich kann das managen. Ich kann diesen Schmerz hochholen, aktivieren, aber ich kann ihn auch managen, weil ich ihn wieder zur Seite legen kann. Er darf nicht die Kontrolle übernehmen. Du behältst die Kontrolle. Das Gefühl der Kontrolle ist für verletzte und traumatisierte Menschen unglaublich wichtig.

Das ist der erste Teil: Du kommst in Kontakt mit dem Gefühl – entweder durch Begleitung oder weil es gerade aktuell und nicht zu stark da ist. Das ist eine wichtige Voraussetzung für Heilung.


2. Entspannt und beruhigt sein, während du den Schmerz spürst

Der zweite Punkt muss hinzukommen, und er wirkt fast widersprüchlich: In dem Augenblick, in dem du mit deiner Emotion, mit der Wunde, in Kontakt kommst, ist es entscheidend, in einem entspannten und beruhigten inneren Zustand zu sein.

Wie soll man das herstellen?

Wer verwundet ist und Schmerz spürt, ist in der Regel nicht entspannt. Das ist tatsächlich die Quadratur des Kreises. Aber beides ist unglaublich wichtig, damit Heilung gelingt.

Dazu gehört eine Form von Selbstregulation. Das ist das große Geheimnis: Wenn beides zusammenkommt – der Kontakt zur Wunde und die innere Haltung, in einem entspannten und sicheren Setting zu sein – dann besteht eine große Chance, dass etwas in dir heilen kann. Viele Therapien versuchen, genau das auf unterschiedliche Weise zu ermöglichen.

Wenn du zu einem Therapeuten gehst, schaffst du hoffentlich irgendwann Vertrauen. Du kannst dich im Sessel niederlassen, du bist sicher, du hast jemanden dir gegenüber, der dir hilft. Du kannst dich entspannen und loslassen. Du musst nicht in eine Übererregung geraten, was bei traumatisierten Menschen sehr häufig der Fall ist.

Durch diese therapeutische Beziehung kannst du einerseits zur Wunde gehen und gleichzeitig in der Entspannung bleiben. Deshalb ist Beziehung einer der wesentlichsten Wirkfaktoren von Therapie.

In Kontakt mit der Wunde und dennoch entspannt bleiben. Das kann man zum Beispiel über Pendelbewegungen üben: Man nähert sich der Wunde, meint, es ist zu stark, und geht dann wieder weg, um dann wiederzukommen.

Was bedeutet das nun für deine Spiritualität?

Auch Spiritualität oder das spirituelle Leben will dich auf dem Heilungsweg begleiten und hat das Potenzial dazu. Aber was braucht es dafür?

Es braucht genau das Gleiche.

Es ist wichtig, dass du dich in Gott entspannen kannst. Und ich meine nicht Entspannung im Sinne von: Ich ruhe mich kurz aus, um dann wieder fit zu sein. Es geht um ein tieferes inneres Gefühl von:

Ich bin sicher. Ich darf hier sein. Mir passiert nichts.

Ich kann mich diesem Gefühl zuwenden – Angst, Sorge, Trauer – ohne davon überrannt zu werden. Ich kann entspannen und da sein, ohne in diesem Kontext bewertet zu werden.

So muss Spiritualität sein. Sie darf nicht dazu führen, dass du dich ständig kontrolliert fühlst. Sie darf keinen drohenden Zeigefinger über dir schweben lassen oder einen Über-Gott, der alles neugierig oder bewertend untersucht. Das hilft nicht. Das heilt nicht.

Heilung geschieht, wenn du im göttlichen Raum bist, wo du wirklich entspannen kannst, wo keine übermäßigen Anforderungen an dich gestellt werden, wo du so sein darfst, wie du bist.

Manche neigen zur Flucht. Sie sagen: "Ach, das Spirituelle ist ein traumhafter Ort, da flüchte ich hin. Das ist nur schön, Liebe, Glück, alles wunderbar." Das ist eine Flucht.

Aber es kann eine Grundlage sein, wenn du gleichzeitig sagst: "Und da ist meine Wunde, die spüre ich gerade."

In diesem Raum des Spirituellen, des Göttlichen, wo du dich niederlassen darfst, wo alle Muskeln sich entspannen können, dort darfst du deine Wunde anschauen. Und dann kann Spiritualität einen Beitrag dazu leisten, dass du heil wirst.

Sie tut es nicht, wenn du nur noch alles traumhaft schön siehst und die böse Welt außen vor lässt. Sie heilt nur, wenn du beides zusammenbringst:

  • Die Realität deines Lebens mit allen dunklen, verwundeten Seiten.
  • Die Herrlichkeit des Göttlichen.

Diese Herrlichkeit muss dich zutiefst entspannen lassen. Du musst zur Ruhe kommen können, ganz da sein können.

Das ist eine wichtige Bewertung für deine Spiritualität: Hilft sie dir, zu entspannen? Hilft sie dir, durchzuatmen? Oder ist es nur ein neuer Anspruch, eine Form, gut zu sein, um besser zu sein? Überleg selbst.

Ein fürsorglicher Blick auf das, was bleibt

Natürlich heilt nicht jede Wunde. Das wissen wir. Es gibt Wunden, die sind so tief, manche sind schon vorgeburtlich entstanden. Da helfen diese Schritte nicht grundlegend.

Aber was immer eine Unterstützung ist: Sich der eigenen Wunde fürsorglich und in Liebe zuzuwenden.

Dich nicht damit zu identifizieren, sondern aus einer Warte der Distanz heraus. Wende dich deinem Verwundetsein, deinem Empfinden und deinem Gefühl zu. Das ist immer gut, gerade bei Verwundungen, die so alt und tief sind, dass sie dich nicht verlassen werden.


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