5 Mythen des Lebens

23. März 2024

Wir haben alle eine eigene Sicht auf das Leben, haben alle eine Lebensphilosophie, die unsere Sicht auf das Leben und diese Welt prägt. Meistens ist es eine Lebensphilosophie, die wenig hinterfragt und reflektiert wird.

Manche leben mit der Philosophie: Du schaffst es nie nach oben. Und siehe da, diese Lebensweisheit realisiert sich im Leben. Oder man hat die Haltung: Alle sind gegen mich. Und schon gelingt es dir, alle gegen dich aufzubringen.

Wir müssen solchen Sätzen und Haltungen skeptisch gegenüber sein. Sie prägen unsere Wahrnehmung und lenken unser Leben.

Und so haben wir vielfach Lehrmeinungen zum Leben, die unhinterfragt übernommen werden, die viele miteinander teilen und die doch so fatal sind. Sie helfen nicht, sie machen das Leben nur unnötig schwer.

Ich möchte dir fünf dieser Irrtümer über das Leben vorstellen. Was nicht heißt, es gäbe nur diese fünf - es gibt zahlreiche mehr.


Mythos 1: Wir können nichts ändern

Eine sehr beliebte Meinung über das eigene Leben und die eigene Situation. Sie macht mich sogleich zum Opfer der Umstände, der Reichen, den Verantwortlichen und allen, die etwas ändern können. Denn das gehört auch zu diesem Satz. Es gibt welche, die etwas tun können und die Macht haben und welche, die das nicht haben. Das sind die, die nichts ändern können und keinen wirksamen Einfluss haben.

So beginnt man sein Leben in eine Sackgasse zu manövrieren.

Schnell geht es um die da oben, die in Berlin, die in Rom, in Brüssel oder einfach die Politiker, die Chefs, die Ämter und Behörden. Es gehört zu diesem Satz, die Welt in diejenigen einzuteilen, die die Macht besitzen und diejenigen, die machtlos sind. Es scheint sich gut anzufühlen, zu den Ohnmächtigen zu gehören, sonst würde man einen solchen Satz nicht in seine Lebensphilosophie aufnehmen. Im Grunde ist jeder Satz so, dass er einen Gewinn bringt, dass er sich in gewisser Weise gut anfühlt. Wie all unsere vergeblichen Problemlösungen sich immer irgendwie gut anfühlen, zumindest besser, als alles andere, was uns einfällt und was in unserer Macht steht.

Und welches gute Gefühl hat man davon? Zunächst das Gefühl, nichts machen zu müssen und keine Verantwortung zu tragen. Man delegiert das einfach nach oben weg und ist damit frei. Man kann klagen, ohne etwas ändern zu müssen. Es ist daher eine sehr bequeme Haltung, bei der ich in Ruhe auf meinem Sessel sitzen bleiben kann.

Dann bekomme ich Feindbilder frei Haus geliefert. Ich kann auf jemanden schimpfen, wenn etwas falsch läuft und dieser jemand bin nicht ich. Auch das fühlt sich gut an und bringt ein angenehmeres Gefühl, als wenn ich mir Selbstvorwürfe machen müsste.

Aber natürlich ist das ein reiner Selbstbetrug, eine Bequemlichkeitsfalle, wie alle solche Glaubenssätze und Lebensweisheiten.

Du kannst immer etwas ändern - immer!

Es gibt keine Situation, in der du völlig machtlos bist. Eine solche Situation ist nicht denkbar. Die einzige Ausnahme ist ein Koma oder andere Formen der Bewusstlosigkeit. Dann merkst du auch nicht, in welchem Schlamassel du vielleicht steckst.

Das, was du selbst in der ausweglosesten Situation machen und ändern kannst, ist stets deine Haltung. Du kannst in deine Verzweiflung gehen oder du kannst versuchen auf deine Art konstruktiv mit einer Situation umzugehen. Du kannst dich selbst als hilflos definieren oder aber auf eine vielleicht subtile Weise einflussreich - zumindest kannst du davon ausgehen, genug Einfluss auf dich und dein Innenleben zu haben.

Du bist nicht ohne Macht, sondern du erkennst sie nicht. Die polare Welt aus oben und unten, aus mächtig und ohnmächtig ist einfach ein bequemer Zustand. Er kann natürlich aus Erfahrungen erwachsen, in denen ich mich ohnmächtig erlebt habe und ist daher zu verstehen.

Doch ich kann aus eigener Erfahrung aus meiner Kindheit sagen: Mein größter Triumph über jene, die mich durch ihr Handeln traumatisiert haben, war nicht, sie leiden zu sehen. Das hat nie stattgefunden; mein größter Triumph war es mich nicht kleinkriegen zu lassen, meine Macht zu spüren und so als “Sieger” aus dem Elend zu erwachsen.

Das, was mir in meiner Kindheit angetan wurde, hat mich zutiefst verletzt und gekränkt, aber es hat mich auch zur Einsicht gebracht, dass ich stärker bin, und dass ich immer eine Wahl habe, wie ich selbst mit schweren Zeiten umgehen möchte.


Mythos 2: Irgendwann werde ich einen Zustand erreichen ohne Schmerzen und wo ich immer im Frieden bin.

Das ist ein Glaubenssatz und Mythos, der sich sehr häufig in der spirituellen Szene finden lässt. Du musst nur lange genug meditieren, diesen Guru besuchen, an einem Seminar bei jener Lehrerin teilnehmen und dann wirst du irgendwann den Zustand ohne Schmerzen, in reinstem Frieden finden. Dann ist endlich alles gut. Nichts wird dich mehr aufregen oder ärgern, nichts wird dich aus der Ruhe bringen; kein Schmerz mehr, keine blöden Erinnerungen aus der Vergangenheit; keine Wut mehr; keine Angst und keine Sorge. Man lässt einfach alles sein; es darf alles sein; man lebt im Frieden Gottes in den Glückseligkeiten des Himmels.

Dieser Mythos zeigt sich oft nicht direkt. Es ist nicht so, dass wir diesem Mythos so folgen, wie ich es eben beschrieben habe. Nein, es ist eine heimliche Hoffnung; ein stilles Sehnen nach einem Ort, wo all diese Qualitäten auf mich warten. Deshalb all die Seminare, die Bücher und Meditationen; die vielen Youtube-Videos und Instagram-Accounts. Immer ist unsere Sehnsucht dabei; es möge endlich der endgültige Zustand erreicht werden - zumindest möge eine Annäherung erreicht werden.

Doch das ist ein Trugschluss. Diesen Zustand findest du auf Erden nicht - das Paradies ist hier auf dieser Erde nicht zu finden; und solange wir leben, sind wir auch Erdlinge; leben auch in dieser Bewusstseinswelt.

Das Leben bringt Schmerz und Angst mit sich; immer und das findet kein Ende und lässt niemanden aus.

Es lebt sich besser, wenn du das akzeptierst; denn dann wirst du weniger vom Leben enttäuscht werden. Es gibt dieses Land hier auf Erden nicht. Wir können manchmal die Seligkeit kosten, können in Berührung kommen mit dem Frieden Gottes. Doch niemandem ist es vergönnt, ihn immer und ewig bei sich zu haben. Oft reicht schon ein langsames Auto, das vor einem fährt; oder die lange Schlange an der Kasse oder es reicht der Paketbote, der nicht geklingelt hat und das Paket wieder mitnimmt - das reicht oft schon aus; und mit unserer Seelenruhe ist es hin.

Ja, so ist das. Das Leben bringt Schmerzen und Verlust und Krankheit - neben vielen anderen schönen Dingen; beides ist Teil des Lebens.


Mythos 3: Mit 50 oder 60 kann man sich nicht mehr verändern

Ein ganz übler Glaubenssatz. Denn man muss nicht mehr an sich arbeiten; darf so bleiben wie man ist, weil es einfach nicht geht. Die Natur hat es so eingerichtet, dass eine Veränderung ab Mitte 40 immer schwieriger wird und ab 50 gänzlich unmöglich wird. Und dann hat man ein Plateau erreicht, auf dem man dann bis zum Ende wandert.

Doch das ist falsch. Heute spricht man von Neuroplastizität; das heißt, dass unser Gehirn das ganze Leben lang Neues lernen und innere Strukturen verändern kann. Es dauert länger als bei einem Kind; das stimmt ganz gewiss; aber das heißt nicht, dass man ab 50 keine grundlegenden Veränderungen mehr erreichen kann.

Du kannst mit 70 noch Klavierspielen lernen - du wirst keine Pianistin mehr werden; wirst keine Weltkarriere machen - vermute ich zumindest - aber du wirst spielen können; und es gibt immer wieder Menschen, die mit 90 Jahren noch eine Promotion machen.

Warum solltest du also nicht lernen können, dich anders zu verhalten, deine Wahrnehmung zu verändern, dein Bewusstsein zu erweitern - das kannst du bis zum letzten Atemzug. Mach dich also nicht kleiner, nicht machtloser; komm aus der Schlummerecke des Lebens heraus und beginne an dir zu arbeiten; ändere dich so, wie du es für sinnvoll hältst.


Kommen wir nun zu Mythos 4: Man muss es nur wollen

Es gehört zur latenten Psychologie vieler davon auszugehen, dass man nur richtig wollen muss. “Du musst es nur wollen” hören wir dann vielleicht. Oder wir hören: Das ist alles eine Frage des Willens. Mit anderen Worten - und das kann man daraus schließen: Wenn es nicht klappt, bist du selber schuld, weil du es offenbar nicht gewollt oder nicht ausreichend gewollt hast. Dieser Mythos geht davon aus, dass wir alle unsere Fragen und Probleme mit dem Willen verändern und angehen können. Die unbewusste Seite - Bedürfnisse und Ängste, die uns nicht bewusst sind - werden nicht einkalkuliert. Aber genau hier steckt auch das Problem. Denn die meisten Dinge funktionieren deshalb nicht, weil wir unbewusste Wünsche und Sorgen nicht ernst genommen, sondern ignoriert haben.

Ich kann natürlich sagen, dass ich abnehmen möchte. Und dann kann ich Pläne machen; Bücher kaufen und so weiter - alles gut und schön. Nur all das wird mir nicht wirklich helfen, wenn ich nach einem frustrierten Tag abends vor dem Fernseher sitze und ich mich daran erinnere, dass da noch eine angebrochene Flasche Wein steht und eine Tüte mit Chips... Das ist nicht alleine eine Frage des Willens; der ist in solchen Augenblicken gar nicht aktiv - sondern die Sehnsucht, sich etwas Gutes zu tun und einen Ausgleich zu schaffen. Und schon stehst du auf…

Egal was du tust und was du ändern und angehen möchtest - rechne immer mit dieser unbewussten Seite in dir. Erforsche, warum du etwas wirklich tust, was es dir bringt, welche Seite es in dir befriedigt. Geh niemals davon aus, etwas nur aus reinem Willen tun zu können. Wer sich nur über den eigenen Willen steuert, der muss mit viel innerem Druck arbeiten - das ist nicht nur anstrengend, sondern auch ungesund.


Mythos 5: Irgendwann wird wieder alles so sein wie früher

Das ist ein Glaubenssatz, der gerade in unserer heutigen Zeit eine große Rolle spielt. Man hofft, wieder irgendwann zu dem zurückzukehren, was man die gute Zeit nennt, wo noch alles in Ordnung war. Wo es noch einen Winter gab, Putin keine Länder überfiel, keine Hamas Israelis abschlachteten und keine israelischen Soldaten viele Unschuldige töteten. Ja, irgendwann wird dieser Zustand wieder hergestellt werden. Ein paar Gesetze, den Müll trennen, ein E-Auto kaufen, ein paar Waffen hier und ein paar Waffen dort - dann kommt die Zeit, wo alles wieder in Ordnung kommt.

Aber das ist ein Kinderwunsch, der Wunsch nach dem Paradies. Es wird nie mehr wie es einmal war und zwar deshalb nicht, weil es diesen Zustand nie gab - und selbst, wenn es ihn gegeben hat, machen wir gerade andere Erfahrungen, die alle weiteren Erfahrungen beeinflussen werden Es gibt daher nie mehr die Zeit, die wir einmal so schön erlebt haben weil wir jetzt andere Menschen sind.

Finde dich damit ab, dass es keine Zeit gibt, die wirklich die gute alte Zeit war.  Auch in der  guten alten Zeit dachte man an früher und sprach von der guten alten Zeit.

Und zum anderen finde dich damit ab, dass es keinen zukünftigen Zustand gibt, der einfach nur gut ist. Immer kommen neue Herausforderungen und neue Gefahren. Gewiss manchmal tummeln sich die Gefahren, aber nie gibt es eine Situation, die ohne Sorge, ohne Krise, ohne Gefahr ist. Es gibt den Zustand nicht und es gab nie eine gute alte Zeit.

Je früher du das für dich einsiehst, umso früher kannst du entspannter und glücklicher leben.

korrigiertes Transskript


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