Die innere Stille finden

5. Juli 2022

Es ist natürlich irgendwie idiotisch, über Stille zu sprechen und über innere Stille erst Recht. Jedes Wort ist zu viel. Über Stille schweigt man, man geht in die Stille, um Stille zu erfahren und kennenzulernen.
Ich will es aber dennoch versuchen und will etwas zu diesem Thema sagen.
Denn innere Stille zu finden ist gar nicht leicht. Alles scheint im Außen zu versuchen, dass ich keine solche Stille finde.
Jede Plakatwand, jede Werbung, jedes Buch, das ich lese, jeder Film, den ich sehe, jedes Gespräch sind im Grunde nichts anderes als der Versuch, der inneren Stille zu fliehen. Oder können zumindest als ein solcher Versuch verstanden werden.
Denn ist es nicht das, was wir fliehen, wenn wir uns berieseln lassen, wenn wir versuchen, aus dieser Wirklichkeit zu verschwinden?
Das Fatale ist, dass wir mit der Flucht vor dieser Stille zugleich vor uns selber fliehen. Denn die innere Stille, ist die Stille in uns. In Dir ist Stille, in Dir ist ein Raum höchsten und tiefsten Schweigens, wie man es nur frühmorgens oder spät abends, in einer Kirche, in der Natur oder in einem Meditationsraum erleben kann. Eine lebendige Stille. Und genau das ist es, was Du in Dir trägst.


Alles beinhaltet Schweigen

In jeder Zelle ist Schweigen, in jedem Organ ist höchste Stille. Nur das Herz, es schlägt, die Liebe holt uns aus der Stille heraus. Und doch ist das Herz nur punktuell ein Klang, ein Schlag des Herzens, die meiste Zeit hören wir es aber nicht.
Die Stille ist ein Raum, der überall existiert und aus dem alles entsteht.
Wir kennen es aus der Musik, wie wichtig die Stille ist. Kennst Du diesen Augenblick, er ist oft nur kurz, weil die Menschen es nicht ertragen, aber für wenige Augenblicke gibt es diesen Augenblick nachdem ein Stück gespielt wurde und der letzte Ton verklungen ist. Dann entsteht eine Stille höchster Konzentration. ich liebe diesen Augenblick und wünschte mir manchmal, wir würden auf jegliches Klatschen verzichten. Denn mit dem Klatschen vertreiben wir die Stille, als wäre es ein alter heidnischer Brauch der dafür sorgt, böse Geister zu vertreiben. Wir klatschen uns die Betroffenheit und das Berührtsein von der Musik und der Stille weg.
Dabei kommt jeder Ton aus der Stille und kehrt wieder dahin zurück. Es ist nur ein Auftauchen einer Schwingung aus dem Raum des Schweigens und der Stille. Denn hinter allem Gesprochenem und Gehörtem ist der Raum der Stille. Und man hört es einem gesprochenen Wort an, ob es bewusst aus diesem Raum heraus gesprochen wurde oder einfach nur ein Geräusch ist.


Augenblick ohne Begehren

Im übrigen, auch in jeder Blume und jeder Pflanze findest Du Stille und selbst im Wald findest Du sie. Und das, obwohl es im Wald nie geräuschlos ist, selbst in der tiefsten Nacht nicht. Und doch sagen wir und erleben wir alle, dass der Wald etwas Schweigendes hat, Stille in sich trägt.
Die innere Stille ist purer Augenblick, denn wenn es kein Augenblick ist, dann ist auch keine Stille da. Dieser Augenblick ist ohne Begehren, ohne irgendeinen Wunsch oder einen Gedanken. Es ist im Grunde nichts, aber deshalb nicht leer. Es ist Fülle des Schweigens und der Stille.
Und so nähern wir uns dem Göttlichen. Gott ist die Stille und aus der Stille heraus hat er diese Welt geschaffen. Die Schöpfung ist ein Produkt der Stille, ist aus der Stille geschöpft worden und trägt daher diese Stille in sich, die wir, wie gesagt, im Wald sehr oft erleben können. Gott ist nicht zuerst jemand - wenn man überhaupt dieses Wort jemand für Gott benutzen darf, Gott ist nicht zuerst einer der ruft, der etwas sagt, sondern Gott ist vor allem einer, der anwesend ist. Und man kann anwesend sein, ohne zu sprechen, man wirkt ohne ein Wort, indem man anwesend ist. Und wenn diese Anwesenheit in tiefem Schweigen geschieht, in Stille, dann wirkt diese Anwesenheit umso intensiver in die Räume unserer Wirklichkeit hinein.
Gott schweigt, aber er verstummt nicht. Gott ist nicht ein Gott, der nichts zu sagen hätte, der es aufgegeben hat etwas zu sagen. Gott spricht in gewisser Weise ständig und schweigt doch zugleich. Das ist ja immer wieder das Eigentümliche an der göttlichen Wirklichkeit, dass sie zugleich etwas ist und nicht ist, dass diese Wirklichkeit Gegensätze vereint, die uns hier auf Erden nicht möglich ist und auch nicht denkbar ist.


Schweigen gibt Raum für das Subtile

Wir brauchen dieses Schweigen und diese Stille, diese Welt braucht es. Denn nur wenn diese Stille da ist, kann sich auch das Subtile zeigen, der Hauch einer neuen Wirklichkeit, die für Bruchteile aufblinkende Anwesenheit von dem, was wir Engel nennen, das Gespür für den Segen und die Weihe des Lebens.
Willst Du Stille suchen, dann kann die äußere Stille natürlich helfen. Der Anfang kann daraus bestehen, dass Du aufhörst zu sprechen, zumindest für eine Zeit. Der Anfang kann darin bestehen, dass Du alle Geräusche auf ein Minimum beschränkst. Und schon, wenn Du damit beginnst merkst Du, wie laut es in Dir ist, wie Du es gewohnt bist, dass da immer ein Geräusch ist, dass Du immer etwas hörst.
Wenn Du aber dran bleibst und bewusst in diese Stille gehst, dann wirst Du schnell merken, wie wohltuend das ist, wie sehr Deine Seele genau danach gesucht hat.
Und so kann aus dieser Erfahrung gelingen, dass Du wieder hören lernst, dass Du die Stille hinter jedem Klang hörst, dass Du wieder die Wesenhaftigkeit aller Dinge hörst. Du hörst einem Menschen zu und hörst nicht nur Konsonanten und Vokale, sondern Du hörst, wie aus dem Gesagten sein Wesen spricht, wie der Klang eines Wesens sich fast unbemerkt durch die Worte und Sätze ausdrückt.


Im Schweigen kannst du Gott hören

Und wenn Du dieser Welt zuhörst und versuchst, das Wesen zu hören, vielleicht auch Dir selbst, dann kann das zu einer wirklichen Gotteserfahrung führen, dazu, dass Du Gott hörst.
Dafür aber musst Du das Hören lernen, musst vom Hören im Alltag zum Lauschen übergehen. Denn das Lauschen ist ein besonderes Hören, mit dem ganzen Körper und dem ganzen Sein, ein intensives Hinhören und Aufmerksamsein.
Höre nicht nur die Stille, sondern erlausche sie und Du bist dabei, den Zugang zum Göttlichen in Dir zu wecken.
Übrigens kannst Du so auch den Pflanzen und Blumen und Bäumen zuhören. In der alten Signaturenlehre erkannte man die Wirkkraft der Pflanzen durch das Hineinhören in die Pflanzen. Die Pflanzen erzählen von dem, was sie bewirken können, lassen ihre Signatur erkennen. Es ist dieses beredte Schweigen, dem wir zuhören.


Übung

Und nun möchte ich Dich zu einer kleinen Übung einladen.
Ich möchte Dich einladen, meiner Klangschale zuzuhören. Aber Du sollst nicht auf den Klang fokussieren, das machen wir üblicherweise so. Vielmehr möchte ich, dass Du Dich darauf konzentrierst, wenn der Klang anschwillt und wie er wieder abschwillt, bis er ganz verschwunden ist, dann höre und lausche in der Stille, die sich dann wieder durchgesetzt hat.
Und so kannst Du es übrigens mit allem machen, auch mit dem Sehen zum Beispiel. Wenn Du Dich darauf konzentrierst, wie etwas in Dein Gesichtsfeld kommt und dann wieder verschwindet.
Eine schöne Variation und beides ist eine Hilfe, um ins Schweigen zu kommen.
Nun aber die Klangschale.

korrigiertes Transskriot


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