Gib endlich die Kontrolle ab!

24. Mai 2022

Bist Du ein Kontrollfreak? Liebst Du es also, immer zu wissen, was geschieht und hast gerne Einfluss darauf? Oder leidest Du darunter, dass andere versuchen, Dich und Deinen Alltag zu kontrollieren? Es ist nicht verwerflich, jemand zu sein, der gerne die Kontrolle hat, aber es ist gut und wichtig zu verstehen, was dahinter steckt und es ist vor allem wichtig, wieder zu lernen, die Kontrolle abzugeben. Denn wer immer die Kontrolle haben und behalten möchte, der macht auf Dauer seine Beziehung kaputt. Der macht auf Dauer auch sich selbst kaputt.

Ich möchte Dir nachfolgend zeigen, welche Auswirkungen es auf Dich hat, wenn Du alles immer unter Kontrolle haben möchtest und dann möchte ich Dir natürlich vor allem zeigen, wie Du lernst, die Kontrolle wieder abzugeben und wie Du wieder ein Leben in Freiheit und Vertrauen führst.

Die Kontrolle behalten zu wollen, kann ja sehr Unterschiedliches bedeuten. Es kann sein, dass man seinen ganzen Tag durchplant, das heißt, dass jede Tätigkeit in den Kalender eingetragen wird und alles zu einem Termin wird. Unvorsehbare Termine, plötzliche Veränderungen, überraschende Besuche, das alles bringt Dich dann durcheinander.

Es kann auch sein, dass man immer alles aufgeräumt haben muss. Ja, hinter manchen, die immer eine so schöne und adrette Wohnung haben, verbirgt sich jemand, der einen Kontrollzwang hat. Jeder Stift sitzt an der richtigen Stelle, genau im rechten Winkel und jedes Buch hat exakt den richtigen Platz und die Bücher sind alle geordnet nach Alphabet, nach Farbe, nach Größe oder nach was auch immer. Die Decke ist immer aufgefaltet, die Zeitungen liegen immer exakt gestapelt.

Kontrolle behalten zu wollen kann sich auch in Beziehungen zeigen. Dann muss der Partner immer alles wissen. Das kann so weit gehen, dass man den anderen beobachtet und verfolgt. Immer wieder fragt der Kontrollsüchtige, was der Partner tut und wenn eine Verabredung oder Vereinbarung einmal nicht eingehalten wird, dann wird daraus gleich eine Katastrophe.

Das alles ist Teil des Verhaltens von Menschen die Kontrollfreaks sind, die also unbedingt ihr Leben unter Kontrolle haben und halten möchten und müssen.
Und dass sie damit auch andere beeinflussen, dass sie damit auch andere in die Enge zwingen, liegt auf der Hand.
Wir haben es in allen Bereichen unseres Lebens immer wieder mit Menschen zu tun, die die Kontrolle brauchen, mit Menschen, die eben ihren Schwerpunkt auf Kontrolle gelegt haben, aus purer Angst heraus, um das gleich vorweg zu sagen.
Denn hinter dem Zwang alles kontrollieren zu wollen, steckt letztlich die Angst vor der Freiheit. Es ist die Angst, dass etwas geschieht, was ich nicht beeinflussen kann, was sich einfach aus sich selbst heraus entwickelt, ohne mein Zutun, ohne meine Regelungen, ohne meinen Einfluss. Und das macht Angst.

Ein weiterer Aspekt, warum Menschen die Kontrolle so lieben hat damit zu tun, dass sie sich durch die Kontrolle eine innere Struktur und innere Grenzen schaffen. Wenn ich von “innen” spreche, dann meine ich innerhalb des Menschen. Denn wenn alles einfach sich entwickeln kann, auch in mir, und ich dabei nicht darauf vertrauen kann, dass meine Grenzen halten, dass meine Struktur das trägt, dann muss ich quasi von außen darauf zugreifen, dann muss ich aktiv werden, damit ich mich nicht völlig in den Dingen und Ereignissen verliere. Und so schaffe ich mir dann im Außen etwas, damit ich innerlich stabil bleibe.

Und es gibt noch eine Ebene, warum Menschen so sehr auf Kontrolle setzen. Denn da steckt noch eine ganz andere Angst dahinter, nämlich die Angst vor Hingabe und noch tiefer geschaut, ist es die Angst vor Gott. Gott ist niemand, den wir kontrollieren können. Gott ist etwas, das aus sich selbst heraus handelt, der nicht auf Befehle achtet oder etwas ähnliches, sondern das Göttliche geschieht einfach, lässt einfach geschehen. Gottes Wirken lässt sich nicht kontrollieren.
Und wenn ich also Angst davor habe, nicht bestimmen zu können, dann hat das Auswirkungen auf unser Leben, auf unseren Körper, auf unseren Glauben, unsere Spiritualität, unsere Beziehung.
Gerade Menschen, die kontrollieren wollen und müssen, können das auch in ihrem Körper erleben. Es hat nämlich auch eine körperliche Auswirkung. Denn Verkrampfung ist nichts anderes, als eine Form, etwas festhalten zu wollen. In der Verkrampfung der Muskulatur will ich etwas festhalten, etwas nicht gehen lassen, ich wende Kraft an, damit ich mich selber halten kann.
Denn das ist das, worum es geht, dass es so bleibt, dass es so ist, wie ich es möchte. Verkrampfungen im Körper sind eben ein deutliches Zeichen auch für diesen Wunsch nach Kontrolle. Weiter geht es mit dem Atem. Denn im Wunsch die Kontrolle zu behalten, beginnt mein Atem zu stocken, weil auch der Atem etwas ist, was ich eigentlich freilassen muss. Damit der Atem richtig geschieht, muss ich ihn freilassen, er muss aus sich selbst heraus geschehen, der Atem muss einfach in mir passieren. Der Atem ist ja etwas, das geschieht, ich mache oder produziere ihn nicht. Und letztlich führt der Kontrollzwang dazu, dass ich erstarre, dass ich körperlich und psychisch erstarre.
Aber wir sind lange noch nicht am Ende, was die Auswirkungen des Kontrollzwangs auf unser Leben und das der anderen angeht. Wer kontrollieren muss, verzichtet auf einen Großteil seiner Kreativität. Denn kreativ kann man nicht sein, wenn man kontrollieren will. Kreativität lässt sich nicht kontrollieren und wenn man es dennoch versucht, dann ist sofort Schluss mit Kreativität, dann geht nichts mehr.

Kontrolle richtet sich zudem gegen Wachstum, denn auch Wachstum lässt sich nicht kontrollieren. Es ist nicht möglich, Wachstum zu kontrollieren. Das geschieht aus sich selbst heraus.
Um es jetzt einmal generell zu sagen: Alle unwillkürlichen Prozesse, also alle Prozesse, die sich meinem bewussten Willen widersetzen oder worauf mein bewusster Wille nur sehr bedingt Einfluss hat, sind einem Menschen, der kontrollieren muss ein Graus, etwas, was er kaum aushält, etwas, das Angst macht.
Und schauen wir auch auf die Spiritualität. Wenn jemand Kontrolle haben muss, dann hat das ganz starke Auswirkung auf die Art und Weise, wie jemand seine Spiritualität gestaltet oder wie jemand glaubt. Und man kann auch sagen, dass der Kontrollzwang nicht nur bei einzelnen Menschen auftritt, sondern ganze Organisationen können einen Kontrollzwang haben. Wir erleben das im Christentum, aber nicht nur dort.
Und dann werden plötzlich Regeln und Gesetze ganz wichtig, weil man damit so schön bestimmen kann, was gut ist und was falsch ist. Und das, was nicht regelkonform ist, kann man ausschließen, kann man verdammen, kann man verbieten. Und dann werden Formen ganz wichtig. In der katholischen Kirche war es früher so, wenn der Priester während der Wandlung in der Messe einen Fehler gemacht hat, weil er z.b. ein lateinisches Wort nicht richtig ausgesprochen hat, war alles ungültig, musste er im Grunde mit der Messe von vorne anfangen. So werden Formen genutzt um Kontrolle auszuüben. Dabei agiert ein Kontrollzwang immer mit Druck, ohne das geht es gar nicht. Und so entsteht auch in einer Spiritualität, in der Kontrolle eine wichtige Rolle spielt, immer auch Druck auf andere und auf sich selbst natürlich ebenso.
Eine Religion oder eine Kirche oder eine Konfession, die dem Kontrollzwang unterliegen, ist eine Organisation, die kein Vertrauen in das Wirken des göttlichen Geistes hat. Letztlich ist es eine atheistische Organisation. Weil, wie ich eben schon sagte, Gott und sein geistiges Wirken nicht kontrollierbar sind und weil Wachstum nicht kontrollierbar ist. Wer wirklich ein Kontrollfreak ist, wird aber auch das noch versuchen zu kontrollieren und Religion wird repressiv und bindet sich an scheinbar objektive Tatsachen und Festlegungen und verliert das Wesentliche aus dem Blick.
Wie aber kommt man nun da heraus, wie kann man das heilen, wie kann man sich weiterentwickeln und verändern wenn man spürt, dass man Kontrolle braucht und dass man dadurch andere manipuliert?
Es gibt dazu ein wichtiges Wort und dieses Wort heißt Vertrauen. Im Kern geht es darum, wieder Vertrauen zu lernen, Vertrauen darauf, dass sich alles zum Guten wenden wird und Vertrauen darauf, dass ich nicht einmal wissen muss, was das Gute ist. Das ist die Kernaufgabe von jemand, der Kontrolle ausübt. In dieses Vertrauen wieder rein zu wachsen, Vertrauen auf das Wachstum, darauf, dass die Dinge sich entwickeln, darauf, dass es wächst und dass es schon in die richtige Richtung wächst. Darum geht es.
Die Versöhnung mit der Freiheit ist eine der Hauptaufgaben eines Menschen, der im Banne der Kontrolle ist. Es ist das, was er oder sie am meisten fürchtet, wovor er oder sie am meisten Angst hat: Frei zu sein und anderen die Freiheit zu geben und dass sie machen dürfen, was sie wollen. Es ist die andere Seite der Kontrolle. Und spirituell heißt es zu lernen, sich dem göttlichen Geist ganz zu überlassen. Denn das Vertrauen auf Gott, das Vertrauen auf das Göttliche ist spirituell betrachtet, die Hauptaufgabe, wenn Du in Dir spürst, dass Du kontrollieren musst um zufrieden zu sein, um Dich halten und tragen zu können, um Dein Leben gestalten zu können.
Und üben kann man das bei allem, was unwillkürlich passiert: Du kannst es üben, indem Du atmest, indem Du locker lässt, also Deine Muskeln entspannst, indem Du neue und überraschende Situationen suchst und Dich ihnen stellst.

Vielleicht kennst Du das alte Kirchenlied: „Wer nur den lieben Gott lässt walten, und hoffet auf ihn allezeit.“ Das ist ein Lied, das genau darauf anspielt, das genau für die Menschen geschrieben ist, die alles kontrollieren müssen. Nämlich zu lernen, auf das Walten oder Wirken Gottes oder des Göttlichen zu vertrauen. Denn dieses Vertrauen ermöglicht es Gott erst, durch uns in dieser Welt zu wirken Und so geht das Lied weiter: Den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit.

Mich würde sehr interessieren welche Erfahrung Du mit Kontrolle gemacht hast, entweder weil Du sie selber ausgeübt hast oder weil jemand sie über Dich ausgeübt hat, weil Du also kontrolliert wurdest. Schreib mir es einfach unten als Kommentar.




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