Wie Gedanken dein Schicksal beeinflussen

1. Oktober 2022

Es ist wie die Frage nach Henne oder Ei: Was ist zuerst da: der Gedanke oder das Gefühl. Habe ich zuerst das Gefühl, Angst zu haben und stelle mir dann vor, was passiert oder stelle ich mir erst vor, was passiert und entwickle dann eine entsprechende Angst in mir. Ich weiß nicht, ob die Psychologie diese Frage schon beantwortet hat. Vermutlich liegt die Antwort irgendwo dazwischen. Beides ist möglich. Ich kann zuerst die Angst in mir wachsen spüren und stelle mir dann die Angst machende Situation vor. Und ich kann mir eine Situation vorstellen und schon wecke ich den schlafenden Riesen in mir, der Angst heißt.
Gedanken können also sehr machtvoll sein. Aber das erfahren wir ja im Grunde an jedem Tag unseres Lebens. Wie oft schon haben wir etwas gedacht, was wir gar nicht denken wollten, oder was uns und anderen geschadet hat. Auch wenn nicht jeder Gedanke zu einer Tat wird, so kann er uns dennoch stark beeinflussen. Naja, und die daraus resultierenden Gefühle können wir nur selten wirklich verstecken.
Wir sollten uns also um unsere Gedanken kümmern.
Du kennst vielleicht diesen kleinen Text dazu:

Achte auf deine Gedanken,
denn sie werden Worte.
Achte auf deine Worte,
denn sie werden Handlungen.
Achte auf deine Handlungen,
denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten,
denn sie werden dein Charakter.
Achte auf deinen Charakter,
denn er wird dein Schicksal.


Dieser Text soll aus dem Talmud stammen, also aus dem mystischen Buch der Juden. Er macht deutlich, wie wichtig es ist, sich über die Gedanken Gedanken zu machen. Die Wüstenväter haben sich auch viel damit beschäftigt und verschiedene Methoden entwickelt, um besser oder gar nicht zu denken.


Der Kampf mit den Dornen

Der berühmte Wüstenvater Antonius der Große war zum Beispiel einer, der mit seinen Gedanken Schwierigkeiten hatte. Ihn plagten vor allem sexuelle Fantasien und er hat alles Mögliche unternommen, sich davon zu befreien. Unter anderem warf er sich in einen Dornenstrauch. Nun, da gibt es sicherlich bessere Wege und vielleicht geht es hier auch weniger allein um Gedanken. Aber davon will ich hier jetzt nicht schreiben.
Gedanken haben nicht nur eine Bedeutung im spirituellen Leben, weil sie unsere innere Gefühlslage vergiften können oder weil sie uns zu einem schlechten Verhalten animieren. Negative Gedanken, wie Wut, Hass, Ärger, auch übergroße Sorge, ja, und auch übertriebene sexuelle Fantasien können uns schaden. Denn diese Gedanken sorgen dafür, dass unser Bewusstsein eingetrübt wird, wir fallen, um es bildlich zu beschreiben, zurück. Unser Bewusstsein fällt auf eine niedrigere Stufe zurück und verliert dann den Zugang zum göttlichen Bereich.
Deshalb sind ja ein gutes Handeln, gute Gedanken usw. so wichtig, nicht nur, weil es anständig ist, sondern weil es mir ermöglicht, mit meinem Bewusstsein aufzusteigen und innerlich zu wachsen. Und das war auch der Grund, warum sich die Wüstenväter so darum kümmerten. Nie ging es nur um reine Moral, sondern die Moral war wichtig, damit ich spirituell wachsen kann und das heißt, dass mein Bewusstsein frei ist und offen für die Begegnung mit dem göttlichen Bewusstsein.


Eine Frage des Maßes

Nun muss ich gleich sagen, dass es natürlich nicht um Verdrängung geht, auch nicht um ein Skrupulantentum. Einmal wütend sein wird nicht schaden, und es gibt auch eine notwendige Wut, Angst usw. Wie immer geht es um das Maß. Und vor allem geht es um Wachstum und nicht darum, etwas abzuschneiden. Denn diese Gedanken kommen aus dem Unbewussten und mit dem Unbewussten können wir nicht einfach so verfahren. Wir müssen mit ihm arbeiten und es ernst nehmen. Das hat der Heilige Antonius leider noch nicht wissen können, es wäre besser gewesen.

Lass uns jetzt einmal überlegen, was Du tun kannst, damit Deine Gedanken Dich nicht mehr so bestimmen und fesseln.


Alternative Gedanken

In einem meiner vorherigen Videos habe ich schon einmal von den alternativen Gedanken gesprochen. Wenn destruktive Gedanken aufkommen, dann überlege ich mir alternative Gedanken. Ich denke vielleicht, dass ich zu einem Meeting muss, das mir überhaupt nicht gefällt und mir Bauchschmerzen beschert. Ich will da nicht hin, weil ich mich dort unverbunden fühle, sich ohnehin niemand für meine Belange interessiert usw. Ich kann aber auch denken, ich nutze diese Situation, um zu lernen, wie ich in unwirtlichen Augenblicken besser leben kann, wie ich mich unterstützen kann. Ich überlege, was mich stärkt und stelle mir vor, wie man vielleicht doch besser auf mich eingeht.
Der Wechsel des Gefühls ist für mich sofort spürbar.


Gedanken unterbrechen

Was für mich wirklich einen wichtigen Unterschied gebracht hat, war die Fähigkeit, Gedanken zu unterbrechen. Ich muss keinen Gedanken bis zum Ende denken, ich kann jederzeit aufhören. Ich kann laut Stopp sagen, ich kann einfach etwas ganz anderes denken oder in die Stille hören. Bis vor wenigen Jahren fühlte ich mich meinen Gedanken oft ausgeliefert. Die Gedanken kamen und waren einfach da. Ich konnte wenig dagegen setzen. Doch dann lernte ich in der Meditation, dass ich Gedanken aktiv unterbrechen kann. Das hat mir enorm geholfen, mein inneres Gleichgewicht zu verbessern.


Hast Du Dich schon dran gewöhnt?

Es kann übrigens sogar so weit kommen, dass man sich an die eigenen negativen Gedanken gewöhnt. Man mag sie nicht, aber ohne ist es auch langweilig. Man hat sich daran gewöhnt, sich schlecht zu fühlen und es gehört dann irgendwann plötzlich zu meiner Identität dazu. So erlebe ich nun mal mein Leben. Und wenn ich dann solche Gedanken lassen soll, dann wehrt sich etwas in mir dagegen. Manchmal entsteht sogar so etwas wie eine Sabotage. Ich torpediere meinen eigenen Veränderungswillen, um mich endlich wieder schlecht zu fühlen. Stelle Dir also einmal folgende Frage: Wer bin ich ohne meine negativen Gedanken und Gefühle?


Es sind noch nur Gedanken!

Ja und dann möchte ich Dir auch noch das sagen. Gedanken sind nur Gedanken, es ist ein kostenfreies Kino. Aber Du meinst, es wäre das Leben. Nein, es ist nur eine Vorstellung, die so gut gemacht ist, dass Du gar nicht merkst, dass Du im Kino sitzt. Wach auf! Schau Dich um: ja, Du hast Deine Popcorn-Tüte in der Hand und Dein Kaltgetränk und Du hast vorhin eine Eintrittskarte gekauft! Du sitzt im Kino.
Glaube also Deinen Gedanken nicht alles fraglos. Sondern sieh Dir den inneren Film als inneren Film an. Gedanken sind nur Gedanken, es ist nur ein Film. Nimm sie nicht zu ernst.


Und das sind die Früchte!

Wenn Du gelernt hast, besser mit Deinen Gedanken zu leben, dann wirst Du erleben, wie eine viel größere innere Ruhe einkehrt. Du spürst auch eine Art Machtzuwachs, weil Du selbstwirksamer geworden bist. Du kannst mehr in Dir bewirken und das wird das Gefühl der Ohnmacht besiegen.
Jetzt ist der Weg frei für einen Aufstieg, wie es Johannes vom Kreuz in seiner Metapher beschrieben hat. Ein Aufstieg auf den Berg oder das Hineingehen in die innere Burg, wie Teresa von Avila es sah. Dieser Weg ist der Weg zu einem umfassenden und liebenden göttlichen Bewusstsein.
Und diesen Weg geht man nicht trotz negativer Gedanken, auch nicht ohne, sondern man geht ihn in Wachheit, Offenheit und Sehnsucht.

korrigiertes Transskript


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