Was bedeutet Schattenarbeit?

4. Juni 2022

Da hat man sich aufgeregt, da hat man sich geärgert und dagegen gewettert und dann fragt man sich, warum nur? Warum habe ich mich so darüber ereifert? Warum habe ich mich so darüber geärgert, warum war ich so sehr dagegen? Die Antwort ist ganz simpel. Ich habe etwas abgelehnt, was in mir ein Schattendasein fristet. 

Heute geht es um die Schattenarbeit und um den Schatten. Und Schattenarbeit ist ein großer und wichtiuger Bereich der inneren Arbeit. Denn wenn ich mich so erfahre, wenn ich mich so ärgere, dass es überzogen wirkt, dann hat das meistens mit unseren Schattenkräften zu tun. Denn die bringen uns dazu, dass wir etwas ablehnen und uns davon abgrenzen und das mit großer Kraft und Energie. 

Wie aber entsteht ein Schatten überhaupt, wie wirkt er und wie können wir einen Schatten auch wieder auflösen?  Darum soll es heute gehen.

Zunächst einmal müssen wir ganz grundsätzlich fragen, was der Schatten überhaupt ist und das etwas intensiver untersuchen. Der Begriff Schatten in diesem Zusammenhang kommt von C. G. Jung. Und er beschreibt damit innere Anteile, die wir nicht als zugehörig zu uns auffassen wollen oder können. Sehr oft ist es  z.B.so,  dass viele Menschen die eigene Aggression ablehnen und die Aggression dadurch ein Schattendasein fristet. Alles was aggressiv ist, wird demnach abgelehnt. Und immer dann, wenn Aggressivität im Umfeld auftaucht oder in der Zeitung erwähnt wird oder in Diskussionen oder im Film, dann entsteht innerlich ein Energie der Abgrenzung und der Abwertung. Und dann kann es geschehen, dass man den Film beendet oder das Video ausschaltet. Es kann sein, dass man Menschen meidet die einen natürlichen Zugang zu ihrer Aggression und Aggressivität haben, ohne gleich damit gewalttätig sein zu müssen. Man wird einen Beruf wählen, der mit Aggressivität wenig zu tun hat. Zum besseren Verständnis möchte ich erwähnen, dass Aggressivität nicht gleich Gewalt ist. Eine gesunde Aggressivität ist wichtig, damit ich leben kann, damit ich das, was ich zum Leben brauche, auch bekomme, damit ich meine Grenzen auch schützen kann, damit ich meine legitimen Interessen auch vertreten kann. Aber all das ist jemandem nicht gut möglich, dessen Aggressivität im Schattenreich ist, wenn er also seine Aggressivität ablehnt oder um es anders zu sagen, wenn die  Aggressivität nur als Schattenenergie in uns präsent ist.

Was ist nun ein Schatten genau? Ganz grob gesagt ist der Schatten eine dunkle Energie in uns. Das heißt, dass es eine Energie ist, die destruktiv ist. Und sie ist nicht deshalb destruktiv, weil sie es aus sich selbst heraus ist, sondern weil sie im Schatten ist, weil es eine Schattenenergie ist. Konstruktiv wird diese Energie erst, wenn ich sie aus dem Schatten nehme und wieder in das Licht meines Bewusstseins hole. Dunkle Energie ist es auch, weil dunkle Energie oft sehr eruptiv und plötzlich auftaucht. Dunkle Energie ist letztlich nicht zu lenken oder zu regulieren. Sie überfällt uns oft in Augenblicken, wo wir sie am allerwenigsten gebrauchen können. Und etwas wird dann zu einer dunkle Energie, wenn ich etwas in mir entdecke, was meinem Selbstbild widerspricht oder etwas, das ich nicht sehen und spüren möchte. Das lehne ich dann als ein Teil von mir ab und sage: Du gehörst nicht zu mir. Du bist nicht ein Teil von dem, wie ich mich sehen möchte, wie ich bin. Ich bin anders, ich bin der oder die, die ich bin, ohne Dich. Und das ist der Augenblick, wo etwas in den Schatten gestellt wird. Der Augenblick, wo ich sage: Du bist fremd, Du gehörst nicht zu mir, sondern Du bist ein fremder Teil in mir.

Wie kommt es aber dazu, dass wir einen solchen Teil so identifizieren und als nicht zu uns zugehörig definieren? Und da gibt es zahlreiche Gelegenheiten, will ich es mal nennen, in denen wir zu dem Schluss gelangen können, dass etwas nicht zu mir gehören soll und darf. Es geht um Augenblicke wo ich sage, dieses Gefühl oder dieser innere Anteile ist schlecht und deshalb will ich nicht dass Du zu mir gehörst, weil ich nicht schlecht sein möchte.

Und diese Gelegenheiten oder Augenblicke, von den ich gerade sprach, finden sehr oft in unserer Kindheit statt, weil wir dort ganz besonders stark geprägt werden können, weil wir sehr offen sind und gleichzeitig auch abhängig von unseren Eltern. Und durch diese Abhängigkeit die wir erleben, wollen wir natürlich immer gut sein in den Augen unserer Eltern. Denn wenn wir gut sind, werden wir weiter emotional und auch körperlich versorgt.

Und manchmal sind es Sprüche der Eltern, die uns dazu bringen zu sagen, das ist falsch, das ist nicht gut. Ich spüre diese Wut zwar in mir, aber es ist nicht gut, dass ich es spüre, weil meine Eltern es nicht mögen. Oder Kinder sehen das auch am Verhalten der Eltern, was “gut” ist und was “nicht gut” ist und ziehen Rückschlüsse daraus für sich selbst.

Und die Spitze der Ursachen dafür, dass wir etwas in den Schatten verbannen liegt darin, wenn wir in unserem eigenen Wesen nicht erkannt werden. Wenn wir spüren, dass unsere Eltern uns so wie wir sind und wie wir uns erleben und erfahren nicht sehen können oder wollen. Was immer sie sehen, dann wenn sie uns anschauen, das bin nicht ich, so wie ich mich erlebe und erfahre. Dieses Nicht-erkannt-Werden des eigenen Wesens führt dazu, mich selbst oder große Teile meiner selbst zu verschatten.  

Und das führt uns zu einem weiteren Aspekt, den ich hier auch noch erwähnen möchte. Denn wenn ich keine bewusste Verbundenheit mit Gott oder dem Göttlichen habe, und ich meine nicht mit dem strafenden Gott oder dem urteilenden Gott, sondern mit dem liebenden göttlichen Bewusstsein, dann kann ich auch das Göttliche in meinen Schattenbereich verbannen. Dann wird Gott in mir und in meinem Leben zu einer Schattenkraft. Und damit zum Gegenteil von dem, was das Göttliche ist. 

Und die Auswirkungen von Schattenkräften und davon, dass ich Teile meiner selbst in das Schattenreich verbannt habe sind dramatisch.

Zunächst einmal beginnen wir in der Regel damit, dass wir innere Energien als nicht zu uns zugehörig definieren und diese dann im Äußeren sehen. Wir projizieren und das heißt, dass wir etwas im Äußeren sehen, was wir im Inneren nicht wahrnehmen wollen. Denn wenn es außen ist, ist es nicht Teil von uns. Und das entlastet uns. Darum projizieren wir in der Regel, weil wir damit sagen können: Wunderbar, Du bist im Außen und dort kann ich Dich bekämpfen, weil Du nicht zu mir gehörst. Und dann entstehen Gefühle, manchmal Wut und Ärger, wo andere sagen, warum ist das so stark bei Dir, warum ärgerst Du Dich so sehr und warum bist Du so aggressiv. Deine Gefühle der Abwehr werden der Situation unangemessen. Und diese Schattenkraft wird dann moralisch abgewertet. Auch das eine ganz typische Wirkung dieser Schattenenergie. Das von mir verschattete Aspekt wird als böse und schlecht diffamiert. Und damit ist man natürlich innerlich blockiert. Es fehlt ein Teil der Energie, ich ziehe mir selber die Energie ab. Denn es sind immer Energien, die ich in den Schatten verbanne und die mich dann im Äußeren so ärgern. Und diese Energie fehlt mir dann. Und im Kern kann man sagen, dass ich, solange noch wesentliche Teile meiner selbst im Schattenreich leben, nie wirklich zu mir selbst kommen werde und mein Leben nie wirklich werde selbständig und erfüllend leben können. Weil ich nur eine bestimmte Prozentzahl von mir selbst lebe und das ist eigentlich die dramatische Wirkung des Schattenreichs.

Damit klingt auch schon an, wie und woran ich meine Schatten erkennen kann.Zunächst überleg einfach mal, wovor hast Du Angst, oder was lehnst Du ab. Beobachte Dich selbst, wenn Du die Zeitung liest, wenn Du Bücher liest oder Filme anschaust. Wo spürst Du ein Aufbegehren, eine Abwertung, eine moralische Verurteilung. All das kann ein Hinweis sein darauf, was in Deinem Schatten noch lebt und erlöst werden möchte. Und achte mal darauf, wo Du emotional überreagierst, in welchen Situationen Du welches Verhalten an den Tag legst und worauf sich das bezieht. Auf welches Ereignis hast Du überreagiert, bei welcher Meinung hast Du überreagiert? Das alles kann Dich zu Deinem Schatten führen.

Und noch eine Möglichkeit besteht für Dich, wie Du Deinen Schatten erkennen kannst. In Träumen spielt der Schatten eine große Rolle, weil es die große Chance des Schattens ist, sich zu zeigen. Denn jeder Schatten möchte ans Licht. Das ist die Crux der ganzen Geschichte: Jeder Schatten möchte ans Licht und deshalb versucht er alles zu erreichen um ans Licht zu kommen, ob es Dir passt oder nicht, ob es gelegen kommt oder nicht. Und der Traum ist die beste Möglichkeit für den Schatten sich zu zeigen, weil Dein Wille ausgeschaltet ist, weil Dein logisches Denken ausgeschaltet ist, Deine moralischen Gesetze ebenso und Du offen bist für das Schattenreich.

Und wenn Du Deinen Schatten gefunden und erkannt hast, dann stellt sich natürlich die Frage, wie Du damit weiter arbeiten kannst. Das Ziel der Schattenarbeit ist ja, dass Du diesen Teil des Schattens wieder als einen Teil von Dir anerkennst und ins Licht des Bewusstseins hebst. Und deshalb ist es so wichtig, zunächst in Kontakt zu kommen mit dem Schatten. Du kannst beispielsweise mit dem Schatten sprechen, ihn ansprechen, ihn  zunächst begrüßen, und dann Fragen stellen oder ihm etwas sagen.

Sei freundlich zu ihm, anerkennend, wertschätzend, damit der Schatten auch seine andere Seite zeigen kann. Und damit der Schatten seine andere Seite zeigen kann, ist es wichtig dass Du die Vorteile und die Vorzüge der Schattenkraft erkennst. 

Du kannst ganz konkret  mit Deiner Schattenkraft, z.B. der Aggression, in Berührung kommen, sie spüren und wahrnehmen. Und dabei hältst Du im Gedächtnis, dass diese Schattenkraft ganz viele positive Aspekte hat. Jede Schattenkraft will etwas Gutes für Dich, vergiss das nie. Und wenn Du Dir über die Vorzüge dieser Schattenkraft bewusst bist, dann sag Deiner Schattenkraft, während Du mit ihr in Kontakt bist, was Du an ihr schätzt, und wieso Du sie brauchst. 

Diese inneren Anteile, die solange verurteilt und eingesperrt worden sind, haben eine Sehnsucht danach, anerkannt zu werden. Und da sie schon so lange weggesperrt worden sind, reicht es nicht, das einmal zu sagen, sondern das ist ein Prozess, bis diese Energie gelernt hat, dass sie Dir vertrauen kann, und dass es wirklich wahr ist, dass es gut ist, dass sie da ist. 

Ich möchte schließlich noch auf die spirituellen Aspekte der Schattenarbeit zu sprechen kommen. Und ich habe ja auch vorhin schon darüber gesprochen. Denn wenn ich im Wesen nicht gesehen und anerkannt werde, und erst recht, wenn das Göttliche, Teil meiner Schattenwelt ist, dann hat das natürlich Auswirkungen auf meine Spiritualität. Und auch umgedreht ist Spiritualität ein Weg der Schattenarbeit. Schattenarbeit ist ein Teil der spirituellen Arbeit oder der inneren Arbeit, wie ich sie nenne. Denn wenn ich Teile von mir selbst nicht lebe, dann lebe ich einen Teil des Lebens nicht und damit bleibe ich in meiner Entwicklung zurück und ein Teil kann sich nicht weiterentwickeln. 

Übrigens auch das ist  typisch für die Schatten, sie entwickeln sich nicht weiter. Im Schattenreich gibt es keine Entwicklung.

Spirituelles Wachstum kann nur gelingen, wenn ich alle Aspekte meines Lebens, meine Gefühle, meinen ganzen Körper mit einbeziehe. Und dazu zählen auch Aggressivität und Sexualität, was vielleicht die typischen Schattenkräfte sind, die wir in uns tragen. Und Spiritualität kann uns insofern unterstützen, wenn wir uns vom Göttlichen ganzheitlich angenommen fühlen und so erfahren. Und dieses Angenommensein ist ein umfassendes Angenommensein, das nichts auslässt. Jeder Schatten ist von Gott angenommen. Jede Habgier, jede sexuelle Lust, alle aggressiven Wünschen und Vorstellungen sind vom Göttlichen angenommen und haben Raum in Gott. 

Und so kann die Begegnung mit Gott, kann das Eintauchen in das Göttliche uns helfen, selber alles anzunehmen und gerade dann, wenn die Schattenkräfte sich von ihrer destruktiven Seite zeigen. 

Gott kann auch das annehmen und tut es zu jeder Zeit und wir sind eingeladen, Gleiches zu tun, zu sagen “Ja, wie immer Du Dich zeigst, wer immer Du bist, sei es eine Sucht, sexuelle Wünsche, Gewaltphantasien oder was auch immer, all das hat in Gott einen Platz, und deshalb darf es auch in mir einen Raum haben und ich darf es mir vorstellen als etwas, was Gott sich anschaut, ohne zu verurteilen, ohne zu hassen, ohne den Kopf zu schütteln, die Stirn zu runzeln, sondern einfach mit Liebe und Wohlwollen.” Und Gott tut das ganz unabhängig von dem, was unsere Schattenkraft im äußeren anrichtet. Das ist eine ganz andere Ebene und darum geht es ja jetzt in diesem Fall nicht. In mir schaut Gott auf jegliche Anteile mit Liebe und Wohlwollen und so darf ich es auch tun.

Wie hast Du in Deinem Leben Schattenkräfte erlebt oder wie erlebst Du Schattenkräfte in der Gesellschaft, in Deinem Umfeld? Schreibe mir gerne einen Kommentar, was Du festgestellt und erkannt hast.


korrigiertes Transskrip


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