Wie Du Dich von einer toxischen Spiritualität befreist

17. Juni 2023

Glaube und Spiritualität können Gift sein!
Können schaden, kränken, verletzen, das Leben kosten, krank machen, in die Irre führen, ausbeuten, versklaven, ausnutzen, klein und abhängig machen und können manipulieren.
Es wird Zeit, über diese Phänomene zu sprechen, die es immer gegeben hat und die es auch heute noch gibt.
Wenn Sektenführer zum Massenselbstmord aufrufen, ist das nur eine ganz besonders dramatische Form einer toxischen Spiritualität.
Ich möchte Dir heute zeigen, wie Du damit umgehen kannst. Und es ist nicht allein damit getan, eine solche Gruppierung zu verlassen, einen solchen Guru zu meiden, das Problem sitzt meistens viel tiefer.
Aber lass uns zunächst darüber nachdenken, wann denn eine Spiritualität toxisch ist, woran kannst Du erkennen, ob es sich um eine toxische Spiritualität handelt?
Zunächst möchte ich eines unterscheiden: Spiritualität kann in zwei Richtungen toxisch sein. Es ist nämlich möglich, dass selbst eine in sich gesunde Spiritualität, um es mal so zu beschreiben, auf bestimmte Menschen toxisch wirkt. Warum? Weil Du vielleicht längst dieser Form des spirituellen Lebens entwachsen bist, aber von alten Formen nicht loskommst. Immer und immer wieder, machst Du das, was Du schon immer gemacht hast, ohne wirklich zu spüren, dass Dir das nichts mehr bringt. Und so schlitterst Du in eine Oberflächlichkeit hinein. Zugegeben, hier ist das Toxische vielleicht eher bei dem Menschen zu suchen, der sich hier nicht weiterentwickeln will. Doch kommt eine solche Situation sehr häufig vor, wir finden sie oft bei traditionellen Glaubensformen in der Kirche.

Was ist toxisch?

Alles, was ich gleich sagen werde, gilt im Grunde auch für diese Menschen. Heute geht es um die andere Art toxischer Spiritualität, nämlich wenn verschiedene spirituelle Formen und Gruppierungen selber toxisch sind.
Was also macht eine toxische Spiritualität aus?
Nun, wir sprechen hier von verschiedenen Aspekten, die eine Rolle spielen können. Nicht alle treten gleichzeitig auf, manche nur einzeln.


Wenn Spiritualität manipulativ wird, dann ist sie toxisch.
Du bist nicht mehr frei zu denken und zu fühlen, was Du willst. Du wirst in eine Richtung geschoben. Und das Manipulative zeigt sich in Wiederholungen von Werten und Normen, das Versprechen von Glück und Wohlwollen Gottes, wenn Du etwas Bestimmtes tust oder eben nicht tust. Es geht darum, dass Du nur dann weiterkommen kannst, wenn Du zu einer bestimmten Gruppe gehörst. Emotionale Ansprache können beispielsweise dazu gehören und das Bewusstsein zu einer auserkorenen, berufenen und elitären Gruppe zu gehören.
Hier wird also Deine Freiheit beschnitten.

Eine Spiritualität, die andere oder Dich abwertet und klein macht, ist toxisch. Warum sollte man sich etwas Derartiges auch antun? Demut ist ein wichtiger Begriff, gar keine Frage. Doch wurde er im christlichen Kontext oft wie ein Freibrief verstanden, andere zu erniedrigen und eigene sadistische Züge zu kultivieren. Gerade in Frauenklöstern ist da sehr viel Schlimmes passiert.
Nicht abwerten heißt natürlich nicht, dass man nicht bewerten darf, dass man jemanden oder etwas nicht kritisieren soll. Abwertung aber ist mehr als nur eine sachliche Kritik. Hier wird ein Mensch als Ganzes abgelehnt, weil er nicht in die Norm fällt. Das ist toxisch.

Spiritualität, die vor allem gewinnorientiert ist, ist toxisch. Und Du wirst schnell spüren, wo das der Fall ist. Ausgeklügelte Marketingkonzepte, mit viel Geld umgesetzte Kampagnen sollen dafür sorgen, dass viel Geld in die Kassen gespült wird.
Es geht nicht darum, dass eine spirituelle Meisterin oder ein Lehrer leben muss und dafür Geld braucht. Das ist völlig klar. Und es geht auch nicht darum, dass es immer einen Ausgleich braucht für das, was man von jemandem erhält. Es geht darum, wenn im Mittelpunkt die Hochglanzbroschüre steht, die manipulative Marketingmethode, wenn es im Kern darum geht, richtig viel Geld zu machen. Das ist toxisch.

Und noch ein Beispiel: Es gibt spirituelle Schulen und Lehrer, die versprechen den goldenen Weg, die Freiheit von allem Leiden, nur Sonnenschein, nur Glanz, nur Freude und Liebe überall, und nur Friede und Glück. Das ist toxisch. Warum? Weil es Dich vom Leben wegbringt, von Dir. Denn das Leben ist nie nur golden, nie nur Sonne und Glück. Viel wichtiger ist es zu lernen, wie ich im Leid noch Freude erfahren kann, aber nicht das Leiden ausschalten und nicht mehr sehen zu wollen. Man nennt das auch spirituelles Bypassing.


Mache, was Dir gut tut!

Das sind jetzt nur ein paar Hinweise gewesen, worin sich eine toxische Spiritualität zeigen kann. Die Spielarten sind mannigfach und daher wirst Du schnell weitere Formen und Kriterien finden.
Nun ist es als nächstes wichtig deutlich zu machen: Egal wo Du Dich spirituell beheimatet hast: Nie musst Du alles mitmachen und immer darfst Du neue Wege gehen. Es gibt nicht den einen Weg. Es gibt viele. Suche Dir den Weg , der sich für Dich am stimmigsten und besten anfühlt. Warum ich das sage? In einer spirituellen Gruppe kann Loyalität eine große Rolle spielen und jedes Abwenden wird schnell negativ verstanden und bestraft. Auch das ein toxisches Verhalten.
Aber was immer Du machst: Du fällst nie aus der Gnade und der Liebe heraus. Egal was Meisterinnen und Gurus, Priester und Mönche sagen. Liebe und Gnade sind nicht an Dein Handeln geknüpft, sondern unabhängig davon.
Mit anderen Worten: Dir kann nichts passieren, wenn Du eine Gruppierung verlässt, die toxisch ist. Du bleibst Kind Gottes. Immer.


Umgang mit Glaubenssätzen

Aber eine solche Gruppierung zu verlassen ist nur der äußere Schritt, zwar wichtig genug, aber noch lange nicht das Ende eines Weges, weg von einer toxischen Spiritualität.
Viel schlimmer und viel länger wirken die Glaubenssätze, die man oft noch lange mitnimmt und die uns prägen.
Es ist nicht leicht, solche Glaubenssätze zu entdecken. Du kannst ihnen nur auf die Spur kommen. Und dafür empfehle ich Dir, darauf zu achten, wo Du in Dir Begrenzungen spürst. Wo spürst Du ein unnötiges Unbehagen, wenn Du etwas tun willst?
Wo spürst Du eine Verurteilung anderer Menschen – bis hin zur Ablehnung?
Wo spürst Du plötzlich Angst, wo es doch eigentlich um nichts geht, wovor man Angst haben müsste?
Oder wo erlebst Du, dass Du etwas ausblendest? Das kann Dir meistens nur jemand anderes sagen, da Du es ja ausblendest.
Das sind wichtige Fragen, die Du Dir stellen solltest – immer wieder. Es ist ein längerer Prozess, denn Glaubenssätze sind oft so tief in uns eingedrungen, dass wir sie als etwas ansehen, was zu uns gehört. Aber das stimmt nicht.
Wenn Du Glaubenssätze gefunden hast, so formuliere daraus einen Satz. Meistens beinhaltet ein solcher Satz Worte wie immer oder niemals. Glaubenssätze kennen keine Ausnahme und damit keine Gnade.
Wenn Du nun einen Satz gefunden hast, der Deinem Glaubenssatz am nächsten kommt, dann schreibe daneben eine bessere Alternative. Und das funktioniert nicht einfach dadurch, dass Du alles ins Gegenteil wendest. Du brauchst einen Satz, der ganz neu ist und etwas anderes aussagt.
Wenn Dein Glaubenssatz lautet: Mein Glaube muss immer biblisch sein. Dann heißt die Alternative nicht: Mein Glaube muss nicht biblisch sein. Das wäre zu schwach. Eine wirksamere Alternative könnte sein: Die Bibel und viele andere Schriften und Erfahrungen sind für mich Inspiration. Das könnte stärker auf Dich wirken, weil es die Bibel weiter wertschätzt und zugleich den Horizont weitet.
Mit dieser Arbeit wirst Du genug zu tun haben. Aber glaube mir, es ist eine zutiefst wertvolle Arbeit an Deiner Freiheit und für Deinen Weg.


Entgifte Deine Wohnung!

Zusätzlich möchte ich Dir noch empfehlen – sogar auch, wenn Du nicht einer toxischen Spiritualität angehörst, Deine Wohnung zu untersuchen.
Vermutlich werden wir alle viel im Laufe unseres Lebens erhalten, gekauft und geschenkt bekommen haben. Auch spirituelle und religiöse Dinge gehören dazu.
Beginne doch mal auszumisten.
Beginne zu entscheiden, was drückt noch Deine Spiritualität aus, und was nicht. Was ist alt und gehört weitergegeben und was ist noch stimmig?
Unterschätze nicht die Wirkung von Kreuzen und Heiligenbildern, von Ikonen und Bildern von der “Blume des Lebens”, die nicht mehr stimmig sind.
Es geht nicht darum, dass sie grundsätzlich nicht stimmig sind, sondern sie können für Dich nicht mehr stimmig sein.
Geh durch Deine Wohnung und packe zunächst alles in eine Kiste und stelle die Kiste in den Keller.
Und das machst Du auch mit den Büchern.
Alles, was in Deiner Wohnung steht, hat auf unbewusster Ebene eine Auswirkung auf Dich.


Und jetzt das "Gegengift"

Und wenn Du so Deine Wohnung befreit hast,
dann schaffe Dir neue Zeichen, neue Bücher, neuen Schmuck, neue Symbole.
Das kann dann natürlich auch etwas Altes sein und ein Kreuz kann für Dich sehr wichtig und hilfreich sein und für jemand anderen gar nicht. Es kann eine Ikone sein oder es kann auch das Bild eines Labyrinths sein. Wie auch immer. Schaffe neue Zeichen und schenke Dir und Deiner Wohnung die Bedeutungen, die Dir wichtig sind.
Überprüfe auch Deine Gebete und Deine Meditationen, die Webseiten, die Du besuchst.
All das bleibt nicht ohne Wirkung.
Die Symbole unserer Wohnung können einerseits Hinweise auf eine toxische Spiritualität sein und zugleich eine Möglichkeit, einer neuen stimmigeren Spiritualität in Deinem Leben Raum und Energie zu geben.
Es sind alles Erinnerungshilfen, sie sollen uns unbewusst an eine bestimmte Haltung und Beziehung erinnern.
Und es ist sehr hilfreich, vielleicht sogar einmal im Jahr, all das zu durchforsten und zu bestimmen.
Und wenn Du zunächst alles in den Keller bringst, kannst Du testen, ob Dir etwas fehlt und ggf. es wieder aufhängen oder hinstellen.
Nochmals: Das ist keine Kleinigkeit neben den Glaubenssätzen, sondern etwas, das sehr subtil auf uns wirkt und deshalb lege ich es Dir so nahe.

Um wirklich aus einer toxischen Spiritualität auszusteigen, brauchst Du meistens auch ein Gegengewicht. Dafür sind Bücher wichtig, die Dich im Neuen halten. Das Alte ist am Anfang stärker, das wirst du spüren, daher brauchst Du das Gegengewicht, das Dich auf dem neuen Weg hält. Suche Dir also Bücher, die Dir helfen und Dich unterstützen.
Noch stärker sind natürlich Menschen, die ähnlich denken und empfinden. Das alles kann Dir auf Deinem neuen Weg helfen.



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