Du bist schön. Nicht erst dann, wenn du einem bestimmten Bild entsprichst, sondern weil du etwas Göttliches in dir trägst. Gottes Angesicht ist in dir. Diese Schönheit muss dir niemand von außen geben. Sie ist bereits da, auch wenn sie manchmal verborgen bleibt.
Wahre Schönheit hat wenig mit einem makellosen Äußeren zu tun. Sie zeigt sich darin, wie wir schauen, wie wir anderen begegnen und was durch uns hindurchscheinen darf.
Schönheit beginnt mit der Art, wie du schaust
Unser Blick verändert, was wir wahrnehmen. Wenn wir nur nach dem Hässlichen suchen, werden wir es finden. Wenn wir uns dem Schönen zuwenden, entdecken wir es oft an Stellen, an denen wir zuvor achtlos vorbeigegangen sind.
Auch unser Inneres prägt, was nach außen sichtbar wird. Hass, Bitterkeit, Zorn und Neid können sich im Gesicht eines Menschen ausdrücken. Die Seele verliert dadurch nicht ihre Schönheit. Aber das, was in ihr schön ist, kann schwerer durchscheinen.
Man könnte die sogenannten Todsünden deshalb auch als Wege verstehen, auf denen wir uns von unserer Schönheit entfernen. Der Weg zurück besteht nicht darin, eine neue Fassade aufzubauen. Er beginnt dort, wo wir loslassen, was uns verhärtet. Dann kann etwas von unserer ursprünglichen Schönheit wieder sichtbar werden.
Was Maria über wahre Schönheit zeigt
Aus meiner ersten Zeit im Kloster ist mir ein Satz aus einem morgendlichen Gebet geblieben: „Du bist ganz schön, Maria.“ Ich habe ihn nie als Beschreibung ihres Aussehens verstanden. Es geht nicht um Haare, Haut oder irgendein Schönheitsideal.
Maria ist schön, weil Gott durch sie hindurchscheint. Sie trägt Gott in sich, nicht allein, weil sie Jesus in sich getragen hat, sondern weil sie als Mensch offen für das Göttliche ist. Diese Durchlässigkeit ist das Entscheidende.
Wo Liebe Raum bekommt und Hass, Neid und Zorn an Macht verlieren, wird der Mensch auf eine ähnliche Weise durchlässig. Seine Schönheit wird nicht hergestellt. Sie darf hervortreten.
Wie deine innere Schönheit nach außen strahlt
Schönheit hat für mich auch etwas Entspanntes. Sie muss nichts beweisen. Ein Mensch, der dem Leben und Gott grundsätzlich vertraut, aus Dankbarkeit lebt, Versöhnung sucht und ein liebendes Herz bewahrt, lässt etwas Schönes durch sich hindurchfließen.
Das bedeutet nicht, immer freundlich aussehen oder unangenehme Gefühle verdrängen zu müssen. Es ist vielmehr eine Richtung, in die wir uns immer wieder wenden können: weg von dem, was uns innerlich verhärtet, und hin zu dem, was Liebe möglich macht. Je mehr wir diesen Weg gehen, desto mehr kann von Gott durch uns aufleuchten.
Warum Schönheit Balsam für die Seele ist
Manchmal begegnet uns etwas wirklich Schönes, und wir spüren zunächst nur, dass sich in uns etwas bewegt. So ging es mir einmal: Ich konnte das Erleben nicht sofort benennen oder einordnen. Erst allmählich nahm ich mein Herz wahr, nicht das körperliche, sondern mein inneres, geistliches Herz. Was ich gesehen und gehört hatte, berührte mich als ganzen Menschen.
Darin liegt ein Unterschied zwischen etwas, das bloß hübsch anzusehen ist, und einer Schönheit, die uns tief erreicht. Sie weckt die Seele. Sie erinnert uns daran, dass wir mehr sind als unser Körper und unser äußeres Funktionieren.
Wir können den Kontakt zu unserer Seele verlieren und uns innerlich wie getrennt von uns selbst fühlen. Eine Begegnung mit Schönheit kann diesen Kontakt wieder spürbar machen. Deshalb nenne ich sie Balsam für die Seele: Sie lässt uns etwas von unserer Ganzheit, unserer Lebendigkeit und unserer Gegenwart erfahren.
Suche deshalb nicht nur nach Dingen, die ganz nett aussehen. Gib auch dem Raum, was dich wirklich berührt. Umgib dich mit Schönheit, die in dir nachklingt. Sich ihr immer wieder auszusetzen, kann eine stille Form der Selbstheilung sein.
Eine Übung: Erinnere dich an etwas wirklich Schönes
Nimm dir einen ruhigen Moment und denke an eine Begegnung mit Schönheit. Vielleicht war es etwas, das du gesehen hast. Vielleicht hast du es gehört oder mit einem anderen Sinn wahrgenommen. Entscheidend ist, dass es dich wirklich berührt hat.
- Rufe die Erinnerung wach. Was genau hast du wahrgenommen? Lass die Einzelheiten langsam wieder näherkommen.
- Spüre der Wirkung nach. Was hat dieses Erlebnis damals in dir bewegt oder geweckt?
- Bleibe beim gegenwärtigen Gefühl. Vielleicht kannst du etwas davon jetzt erneut empfinden. Du erinnerst dich nicht nur an Schönheit: Die Erfahrung ist noch in dir.
- Gib ihr Raum. Lass sie dich erfüllen, ohne etwas erzwingen zu wollen. Vielleicht zeigen sich Leichtigkeit, Sanftheit, Entspannung oder ein feines Kribbeln.
Was auch immer du bemerkst, lass es da sein. Vielleicht fühlt es sich an, als würde etwas Göttliches leise durch dich hindurchströmen. Nimm diese Erfahrung mit. Du kannst jederzeit zu der Erinnerung zurückkehren und der Schönheit erneut Raum geben.
